Ein paar allgemeine Gedanken über die Situation des erkrankten Menschen
Die Diagnose Krebs ist für jeden einzelnen Menschen persönlich sehr schockierend. Es ist, als ob man von jetzt auf nach her entwurzelt wäre, man verliert den Boden unter den Füßen und ist wie aus jeder Normalität hinaus gestoßen.
Durch die Bewusstwerdung der Begrenztheit der Zeit bricht Unbeherrschbares, Nicht-Planbares ins Zentrum der eigenen Persönlichkeit. Dem erkrankten Menschen wird auf diese Weise bewusst, dass sein Leben in seinen Möglichkeiten und in der zeitlichen Dimension nicht unbegrenzt ist. Die Zukunft des Lebens ist nicht mehr so einfach planbar und berechenbar. Das "Morgen" wird nicht wie das "Gestern" in bekannten Dimensionen erlebbar. Der gewohnte "sinnhafte Aufbau der sozialen Welt" des betroffenen Menschen wird radikal in Frage gestellt. Der Mensch muss seine subjektive Wirklichkeit in vielen Aspekten überprüfen und neu definieren. Damit wird deutlich, dass die Aufklärung eines Schwerkranken nicht nur ihn selbst, sondern auch seine Angehörigen, zum Teil sogar das gesamte soziale Umfeld betrifft. Die sozialen Beziehungen des Patienten können durch die Krankheit massiv beeinträchtigt werden.
Viele Erkrankten berichten von Ängsten, Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen, Depressionen, Kontroll- und Orientierungsverlust.
Therapien mit Nebenwirkungen und längere Krankenhausaufenthalte bringen zusätzliche Belastungen mit sich. Erst allmählich kann es wieder zu Erholung und Entlastung von den aufgetretenen Spannungen kommen.
Patienten brauchen in der Bewältigung Ihrer Erkrankung in allen Phasen Unterstützung: zum Zeitpunkt der Diagnosestellung und danach, bei der Planung von Therapien, während des Krankenhausaufenthaltes wie auch in der Zeit nach der Entlassung. Auch für die Angehörigen der Patienten ist Unterstützung hilfreich.