Ethisches Vakuum
Die aktuelle Globalisierung hat nun aber zu einem ethischen Vakuum geführt, eben aus dem Grunde, weil auf globaler Ebene keine griffigen Institutionen der ethischen Steuerung entwickelt worden sind. Dass dieses Manko zu schwerwiegenden, aus ethischer Sicht negativen Folgen führen musste, war Kennern der Ökonomiegeschichte immer klar. Sie sind heute Zeugen solcher problematischen Entwicklungen, die sich seit etwa fünfzehn Jahren akzentuiert haben. Da ist einmal die gigantische weltweite Umweltzerstörung, welche höchstwahrscheinlich zu klimatischen Instabilitäten führen wird, die für unzählige Menschen unerträglich sein werden. Da ist die Schere zwischen Arm und Reich zu nennen, auch in der Form der neuen Armut oder der Working Poor in den Industrieländern. Da ist von der weltweiten Arbeitslosigkeit zu reden, um hier nur einige der problematischsten Folgen der Globalisierung zu benennen. Die Erfahrungen dieser Defizite rufen uns eine alte Erkenntnis in Erinnerung, die bis vor kurzem zum Grundbestand unserer Kultur gehörte: dass nämlich der Markt ohne ethische Bindung negative Folgen produzieren muss. Sogar der Begründer der Marktwirtschaft, der schottische Moralphilosoph Adam Smith, hat an dieser Bindung festgehalten.
Der Sozialstaat zielte bisher auf die ethische Korrektur negativer Folgen des Marktes. Die Nationalstaaten werden immer schwächer im Hinblick auf die Durchsetzung von ethischen Regelungen.
Gleichzeitig sind die traditionellen Institutionen der Ethikvermittlung wie Kirchen, Familien, Schulen, Parteien ebenfalls schwächer geworden.
Es ist ein Zusammenbruch ethischer Regelmechanismen im Zeitalter der Globalisierung oder eben Deregulierung feststellbar.