III.Komplementärmedizin- Kooperation von Schulmedizin und ganzheitlicher Medizin
Das in den letzten Jahren immer stärker steigende Interesse an Naturheilverfahren in der Bevölkerung weist auf das zunehmende Bedürfnis hin, sich mit medizinischen Belangen auseinanderzusetzen. Die hoch spezialisierte Klinik- und Apparatemedizin weist dem Kranken im Allgemeinen eine passive Rolle zu. Die Naturheilverfahren fordern den Patienten dagegen zur Mitwirkung heraus, dies kommt dem aktuellen aktiven Lebensstil entgegen. Auch in der ärztlichen Praxis spielen Naturheilverfahren eine immer größere Rolle.
Wenn die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt, kann die Homöopathie oder andere ganzheitlichen Methoden in vielen Fällen trotzdem weiter helfen. Um eine solche Behandlung auch stationär ermöglichen zu können, gilt es in Kooperation mit dem Diak eine entsprechende Abteilung zu gründen. Die stationäre homöopathische Behandlung ermöglicht eine besonders genaue Bestimmung des jeweiligen Heilmittels und kann die Leiden sanft und anhaltend verändern. Die Erfolgsaussichten verbessern sich, wenn es dem Patienten gelingt, seine Lebensbedingungen zu verändern.
Krankheit ist Ausdruck eines gestörten Gleichgewichts der seelischen und körperlichen Kräfte. Im gemeinsamen Gespräch und mit Hilfe der ganzheitsmedizinischen Analyse lässt sich für jeden Patienten/ jede Patientin eine ganz individuelle Diagnose erarbeiten. Basis jeder Behandlung bildet der schul- und komplementärmedizinisch ausgerichtete Check-up. Er gibt umfassend Aufschluss über den individuellen Gesundheitszustand.
Leider wird die Bewertung und Akzeptanz des medizinischen Angebotes durch den Patienten und dessen individuelle Bedürfnisse bei Messung von Erfolgsleistungen nicht genügend berücksichtigt.
Große Fortschritte in der Medizin, insbesondere in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, haben dazu geführt, dass heute viele früher als unheilbar geltende Krankheiten erfolgreich behandelt werden können. Gleichwohl tun sich viele Menschen schwer damit, bei gesundheitlichen Problemen allein auf die so genannte Schulmedizin zu setzen. Statt Vertrauen löst der moderne hoch technisierte Medizinbetrieb bei manch einem bisweilen auch ängstliche Vorbehalte aus.
Deutlich wird dies unter anderem an einem zunehmenden Run auf vermeintlich sanfte Methoden wie Akupunktur oder Ajurveda, Homöopathie oder eine der zahlreichen anderen, oft aus fremden Kulturen übernommenen Heilansätze.
Die Problematik und Diskussion einer natürlichen und naturgemäßen Therapie, Möglichkeiten und Grenzen der Naturheilverfahren, aber auch Inhalte einer naturheilkundlich erweiterten Diagnostik und Nosologie haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung und Aktualität gewonnen. In Zusammenhang mit den jüngeren epidemiologischen Entwicklungen (Alterspyramide in der Bevölkerung, Zunahme chronischer und langwieriger Erkrankungen) und einem zunehmenden Interesse an Prävention und Rehabilitation rücken die Grenzen moderner naturwissenschaftlich orientierter Medizin (sog. Schulmedizin) zunehmend in das allgemeine Bewusstsein. Dies spiegelt sich z.B. auch in der ambulanten ärztlichen Versorgung wider: 70-80% aller niedergelassenen Ärzte wenden - zumindest gelegentlich - Naturheilverfahren an. Das große Interesse an "Natur" im weitesten Sinne liegt in einem allgemeinen ökologischen Trend unserer Zeit. Entsprechende Bedürfnisse und Ansprüche werden umfangreich aus der Bevölkerung an praktische Medizin und Gesundheitspolitik herangetragen.
Die ganzheitliche Medizin zeigt uns, wie wir unseren Alltag mit Kopf, Herz und Händen gestalten: Wie wir lernen können, die Signale des eigenen Körpers ebenso achtsam wahrzunehmen wie seelisch-geistige Vorgänge, verantwortungsvoll mit Natur und Umwelt umzugehen, unser Denken, Fühlen und Wollen zu schulen und anzuwenden. All dies sind Voraussetzungen für Lebensqualität, für gelebte Qualität.
Sie ergänzt das Wissen über körperliche Vorgänge um die Kenntnis der seelischen und geistigen Kräfte, die ebenfalls im Menschen wirken. Der Patient wird nicht als mechanisch funktionierende Zusammensetzung lebloser Moleküle betrachtet, sondern in seiner Ganzheit von Körper, Lebenskraft, Seele und Geist wahrgenommen und behandelt.
Bei den klassischen, wissenschaftlich grundsätzlich anerkannten Naturheilverfahren handelt es sich überwiegend um wenig aufwendige und unkomplizierte Behandlungen, welche sehr gut auch dem Patienten verständlich und handhabbar gemacht werden können. Damit erhält er zuverlässige Möglichkeiten einer Selbsthilfe und eines selbständigen, ichhaften Umgangs mit seiner Erkrankung. Gleichzeitig handelt es sich überwiegend um eine kostengünstige Therapie ohne besonderen apparativen Aufwand und mit fast zu vernachlässigendem therapeutischen Risiko.
Es gilt jetzt, tradierte "Erfahrung" unter Berücksichtigung des medizinischen Fortschritts noch einmal sorgfältig zu überprüfen, moderner Medizin anzupassen und zuzuführen. Nur so werden Naturheilverfahren akademisch lehrbar und können sie der Öffentlichkeit mit einer gewissen Ratio nutzbar gemacht werden. "Das alte Wissen über natürliche Heilverfahren und Heilmittel, das bis zum Beginn unseres Jahrhunderts in der Bevölkerung weit verbreitet war, muss den Menschen wieder nahe gebracht werden, ergänzt um neues Wissen, das uns die moderne Gesundheitsforschung und der Kontakt mit der Medizin anderer Kulturen gebracht hat".
Ganzheitsmedizinische Therapieverfahren
Um die individuelle Betreuung der Patienten zu gewährleisten, setzen wir neben den herkömmlichen schulmedizinischen Methoden auf zahlreiche komplementärmedizinische Therapieverfahren. Die wichtigsten sind:
Klassische Homöopathie, Neuraltherapie, Traditionelle Chinesische Medizin, Akupunktur, Ganzheitsmedizinische Pflanzenheilkunde (Phytotherapie: Medikamente & tees, äußere Anwendungen – Wickel und Auflagen), Anthroposophische Medizin, Fiebertherapie, Blut-Sauerstoff-Therapie, Ozontherapie, Organotherapie, Passive Hyperthermie-Behandlungen, Galvanotherapie, Symbioselenkung, Osteopathie und Cranio-Sacral-Therapie, Biophysikalische Therapieverfahren, Hydro- Thermotherapie mit Überwärmungsbädern, Voll- und Teilbäder mit Zusätzen, Stangerbad, Kneipp-Güsse, Moorpackungen, Heublumensäcke, Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie, Krankengymnastik, Ordnungstherapie, Akupunkturmassage, klassische Massage,
Bindegewebsmassage, Lymphdrainage, Fußreflexzonenmassage, Ernährungs-konzepte für einzelne Krankheitsbilder und konstitutionelle Besonderheiten, Heilfasten, Reinigung und Entschlackung, Darmsanierung und die Umstellung auf eine gesunde Ernährung, Diabeteskost, Ernährungstherapie auf der Grundlage von Vollwertkost, Frischkost, adjuvante biologische Krebstherapie mit Mistelextrakten, Vitaminen, Spurenelementen, Anregungen zur seelisch-geistigen Begleitung im Umgang mit der Erkrankung, Immunmodulierende Therapie inklusive Symbiose-lenkung, Eigenblutbehandlung, autogenes Training, Körperwahrnehmung, Atemübungen, Entspannungstechniken, Meditation oder Stressmanagement, Reiki, Radiästhesie, Hyperthermie, Orthomolekulare Medizin, ganzheitliche Zahnmedizin und weitere komplementärmedizinische Methoden Subtile, feinstoffliche Energie-arbeit, wie Aura-, bzw. Chakrenarbeit, Shiatsu, Tai Chi, Qi Gong, Therapeutic Touch, alle Formen des Handauflegens, Aura Soma, Bachblüten, Radionik, Edelstein-therapie, Kirlianfotografie (zur Diagnose), Elektro-Akupunktur, Orthomolekulare Medizin, ganzheitliche Zahnmedizin, manualtherapeutische Behandlungsmethoden und Neuraltherapie, therapeutische Atemtherapie, verschiedene Verfahren körperorientierter Psychotherapie und künstlerischer Therapie, Biografiearbeit, manuelle Behandlungsmethoden, Bewegungstherapie ergänzt.
Die Verfahren sollen mit ihrem ganzheitlich ausgerichteten Konzept
anerkannter Teil der Medizin, insbesondere für die Aufgabenbereiche
Prävention, kurative Therapie und Rehabilitation, werden. Darüber hinaus gibt es weitere Naturheilverfahren, die wissenschaftlich evaluiert und anerkannt sind.
Allgemeine Geschichte zur Naturheilkunde:
Der Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V. wurde 1951 gegründet und ist mit rund 8 000 Ärzten als Einzelmitglieder der größte und älteste ärztliche Fachverband für Naturheilverfahren europaweit Sein Ziel ist der Erhalt, die Erforschung, die Weiterentwicklung und die Verbreitung der Naturheilverfahren und Regulationsmedizin. In der ärztlichen Fort- und Weiterbildung ist er Vorreiter und Vorbild. Die Kongresse gelten als die zentralen Kongresse für Naturheilverfahren, Komplementärmedizin und Regulationsmedizin.
Seit der 7. Novelle zur ärztlichen Approbationsordnung von Dezember 1989 gehören "Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen von Naturheilverfahren und Homöopathie" zu den verpflichtenden Lehrinhalten des Medizinstudiums.
An der Universität Bern wird eine Vielzahl von Themen aus dem naturheilkundlichen Bereich auch vertiefend angeboten. In Deutschland eher stiefmütterlich behandelt kommt es immerhin zur Bildung von Arbeitskreisen, wie sie an den Universitäten München oder Hannover entstanden sind oder sogar die Einrichtung eines Instituts für Unkonventionelle Medizinische Richtungen an der Universität Witten-Herdecke.
Im Rahmen einer derzeit laufenden Studie der AG Komplementärmedizin werden diese Angebote erfasst. Es gibt Initiativen an den Universitäten Kiel, München, Witten-Herdecke, Exeter/England und Boston/USA. Die Universität Exeter verfügt übrigens über einen eigenen Lehrstuhl für Komplementärmedizin.
1989 war Berlin Moabit die erste und einzige Klinik mit naturheilkundlicher Arbeit und gleichzeitiger Anbindung an ein Universitätsklinikum. Inzwischen bestehen im deutschen Sprachraum weitere wissenschaftliche Einrichtungen mit ausgewiesener personeller Besetzung (Hochschullehrer) an den Universitäten Ulm und Zürich. An weiteren Universitätsklinika wurden naturheilkundlich orientierte Behandlungs- und Forschungsmöglichkeiten institutionalisiert, welche im Rahmen anderer klinischer Einheiten arbeiten (z.B. Bonn, Erlangen, München).
Naturheilkunde wurde zu einem verbindlichen Inhalt der akademischen Lehre, im Bundesforschungsministerium Bonn wurde ein eigener Förderbereich "Unkonventionelle medizinische Richtungen" eröffnet.
I§§63ff des 5. Sozialgesetzbuches (SGB V) regelt den gesetzliche Wille, den Krankenkassen die Erprobung alternativer Behandlungsformen (ganzheitliche Medizin) zu ermöglichen. 1993 initiierte das Zentrum zur Dokumentation von Naturheilverfahren (ZDN) erstmalig eine vom Bundesversicherungsamt über 5 Jahre genehmigte Erprobungsregelung zu Einsatz und Nutzung komplementärer Medizin.
Das Modellvorhaben ermöglichte rund 1200 chronisch erkrankten Patienten alternativmedizinische Diagnose- und Therapieverfahren kostenfrei in Anspruch zu nehmen.