Jede Krankheit tritt ungebeten im Leben des Menschen auf. Mit dem Ernst der Erkrankung wird vieles klein und bedeutungslos. Die Krankheit verweist auf das Innerste Wesen des Menschen, auf seine Individualität.
Aus vielen einsamen Situationen des Lebens hebt sich die Einsamkeit eines Schwerkranken in besonderer Weise heraus. Krankheit ist nicht nur ein Störfall im Betrieb des Organismus. Bei der Vielfalt der Faktoren, die an einer Krankheit beteiligt sind, ist das Erleben des Menschen ein wesentlicher Aspekt. Es gibt kaum ein Krankheitsbild, an dem das Seelische nicht einen unübersehbaren Anteil hat - als ruhelose Anspannung, als Sorge, als nicht gelöstes Problem. Krankheit ist daher immer auch ein Appell an den werdenden, sich entwickelnden Menschen.
Das Entwicklungspotenzial der Krankheit anzunehmen, ist oft der erste Schritt zur Genesung und der Aktivierung der Selbstheilungskräfte.
Heilung hat im ursprünglichen Sinn die Bedeutung von (wieder) “ganz sein”, d.h. im Einklang mit sich und dem Leben sein. Heilung muss nicht immer zur medizinischen Genesung führen. Sie kann auch entstehen im Annehmen von Krankheit oder Tod. Heil wird, wer in Liebe zu sich stehen kann, wenn es um den nächsten/letzten Schritt geht, wer ihn annimmt und das Unvermeidliche zulassen kann.
Leid entsteht oftmals auch durch Ablehnung, durch Erwartungen & (Ver-) Urteilen. Wir können dann vor lauter Wolken, das Strahlen, das hinter allem liegt, nicht mehr sehen.
Die Heilung beginnt im Annehmen von dem, was gerade da ist.
Annehmen bedeutet nicht, Gefühle von Verletzt sein, Wut, Angst, etc. zu unterdrücken oder etwas unter den Teppich zu kehren. Die Essenz des Annehmens ist es, nicht gegen das zu kämpfen, was sowieso schon gerade da ist. Wenn der begleitete Mensch etwas Unumkehrbares unter den Teppich kehrt, verschwindet es deshalb noch lange nicht. Ja, im Gegenteil, es meldet sich mit umso lauterer Stimme zurück.
Wenn es um unser Aussehen, unsere Gesundheit, unsere persönliche Entwicklung, um unsere Beziehungen geht, halten wir oft an Wunschvorstellungen fest, anstatt das Gegebene anzunehmen. Wie wir aber im tiefsten Inneren spüren, führt dies zu unnötigen Komplikationen.
Sich die Erkrankung übel nehmen, das wäre, wie wenn der kranke Mensch einem Wegweiser die Schuld gibt für die Richtung, die er anzeigt und dafür, dass er ihn damit darauf aufmerksam macht, wenn er in die falsche Richtung fährt. Im normalen Leben mit dem Auto auf der Straße wird er den Hinweis für eine Korrektur seiner Fahrtrichtung nutzen.
Annehmen heißt nicht, dass der kranke Mensch alles dauerhaft so lassen muss, wie es ist. Auf einer Reise nimmt er seinen momentanen Standort auch nur als Ausgangspunkt und bewegt sich dann von dort aus auf sein Ziel zu. Zum Annehmen gehört auch, zu lernen ja, statt nein zu sagen. Deswegen braucht der kranke Mensch nicht alles mit sich machen zu lassen. Es geht um das Ja sagen zu dem, was er will, statt sich darauf zu konzentrieren, was er alles nicht will. Beim Nein verbraucht er seine Kraft im Kampf gegen etwas, was er gar nicht will. Beim Ja setzt er sie effektiv für das ein, was er will. Der kranke Mensch braucht die Dunkelheit nicht zu bekämpfen. Er soll einfach das Licht anmachen!
Ein weiterer wichtiger Schritt zur Heilung ist es, zu vergeben und zu verzeihen: Wir haben immer die Wahlmöglichkeit, wie wir auf etwas reagieren. Je nachdem aus welchem Blickwinkel wir die Situation betrachten, erleben wir ganz unterschiedliche Gefühle. Ist es dem Kranken wichtiger sich aufzuregen und zu leiden oder zu verzeihen und frei und glücklich zu sein?
Erkennt ein Mensch die Tragweite einer Erkrankung in ihrer ganzen Dimension, auch in ihrer persönlichen und sozialen Reichweite an, und stuft Krankheit nicht nur als ärgerlichen Reparaturanlass ein, besteht die Chance einer Neubesinnung. Der definitive Einbruch der Krankheit in den Lebensplan kann so zur notwendigen, auch gesundheitsförderlichen Modifikation der bisher als stabil angesehenen Lebensweise führen. In diesem Sinne kann zeitlich begrenzte Krankheit eine wichtige Determinante von Gesundheit im weiteren Lebenslauf sein.
Um Sorgen und Nöte zu erfahren, braucht es die Bereitschaft zum Hinhören. Der kranke Mensch hat vielleicht einen schweren Weg vor sich. Hier ist eine treue Begleitung wichtig. Wenn der kranke Mensch spürt, dass Begleiter/innen mit Geduld und Einfühlungsvermögen an ihn herantreten, entsteht das Vertrauen, das nötig ist, um einen bestmöglichen Therapieverlauf zu gewährleisten. Begleiter/innen sollten in einem gewissen Maß Echtheit, Einfühlung, die Fähigkeit zum Mitgefühl, menschliche Wärme, Achtsamkeit eigenen wie fremden Empfindungen und Bedürfnissen gegenüber, sowie die Fähigkeit zur Zuwendung mitbringen.
Manchmal ist Stärkung von Selbstsicherheit und Selbstverantwortlichkeit im Umgang mit dem medizinischen System notwendig, um die Mündigkeit des einzelnen Patienten zu fördern.
Lebensqualität im Sinn von "Leben mit der Krankheit" wird wesentlich von einer vertrauensvollen Begleiter/innen-Patient/in-Beziehung bestimmt.
Man kann allgemein sagen, dass die Erkrankung zu allen Zeiten die Fähigkeit eines Systems, mit Belastungen fertig zu werden, auf eine harte Probe stellt.
Diese Fähigkeit ist, wie wir wissen, abhängig von Faktoren wie persönliche Biographie und Krankheitserfahrung, Persönlichkeitsstruktur, die Fähigkeit, Hilfe bei anderen zu suchen und anzunehmen, sowie das Vorhandensein von äußeren Angeboten an Hilfe und Stütze. Emotionale und soziale Unterstützung kann eine soziale Isolation verhindern.
Im Schatten der Schulmedizin haben sich eine Vielzahl von alternativen Denk- und Heilweisen entwickelt, die am bestehenden wissenschaftlichen Denken und der daraus resultierenden medizinischen Praxis erhebliche Bedenken haben. Ihnen allen gemeinsam ist ein ganzheitlicher Anspruch bzw. ein energetisches Denken. Insbesondere das reine Behandeln von Symptomen, meist auch noch durch unterdrückende Medikamente, wird als nicht wirklich heilsam angesehen, da es selten die Ursache angeht - und die kann schließlich auf sehr unterschiedlichen Ebenen liegen. Grundsätzlich sehen wir den Menschen ganzheitlich, d.h. als Einheit aus Körper, Seele und Geist. Das beinhaltet feinstoffliche und energetische Aspekte, die heute von der Wissenschaft noch nicht anerkannt sind. Ganz wichtig sind dabei auch die psychischen bzw. psychosomatischen Hintergründe eines Krankheitsgeschehens.
Die ganzheitliche Medizin zeigt uns, wie wir unseren Alltag mit Kopf, Herz und Händen gestalten: Wie wir lernen können, die Signale des eigenen Körpers ebenso achtsam wahrzunehmen wie seelisch-geistige Vorgänge, verantwortungsvoll mit Natur und Umwelt umzugehen, unser Denken, Fühlen und Wollen zu schulen und anzuwenden. All dies sind Voraussetzungen für Lebensqualität, für gelebte Qualität.
Unsere Herangehensweise ergänzt das Wissen über körperliche Vorgänge um die Kenntnis der seelischen und geistigen Kräfte, die ebenfalls im Menschen wirken. Der Patient wird nicht als mechanisch funktionierende Zusammensetzung lebloser Moleküle betrachtet, sondern in seiner Ganzheit von Körper, Lebenskraft, Seele und Geist wahrgenommen und behandelt.
Aufklärung sollte immer im Dialog stattfinden, in einem Prozess des wechselseitigen Aufeinander-Eingehens. Damit wird auch deutlich, dass es kein allgemeingültiges Rezept für "die Aufklärung des Patienten" gibt. Inter- und intrapersonelle Faktoren sowie Aspekte der situativen Gegebenheiten beeinflussen jeweils die Art und Weise des Aufklärungsgespräches. Die "Wahrheit am Krankenbett" erschöpft sich keinesfalls nur in der Information über eine Diagnose. Ziel des begleitenden Vorgehens sollte sein, mit dem Patienten so zu kommunizieren, dass dieser seinen Zustand verstehen und für ihn bedeutsame Fragen, zum Beispiel über Ursachen und Prognose, formulieren kann. Zur Verarbeitung des Gehörten, zur Auseinandersetzung mit vielleicht unangenehmen Tatsachen und nicht zuletzt zum Einlassen auf die eigenen Gefühle brauchen Patienten Zeit - oft mehr Zeit als es die klinische Situation erlaubt.
Schon während der stattfindenden diagnostischen Maßnahmen sollte der Umgang mit der möglichen Diagnose die Grundlage für eine vertrauensvolle, tragfähige Therapiebeziehung bilden. Mit dem Aufklärungsgespräch werden für den Patienten die Weichen für seinen Umgang mit der eigenen Krankheit und für die Akzeptanz der Krankheit und der oft belastenden Therapiemaßnahmen gestellt. Eine von innerlicher Überzeugung getragene Entscheidung des Patienten für bestimmte therapeutische Maßnahmen fördert seine ‚Compliance’ bezüglich der Therapie und auch seine Möglichkeiten der subjektiven Krankheitsbewältigung. Die Initiative für eine offene Kommunikation über Diagnose und Therapie liegt in besonderer Weise beim Arzt. Er ist als Fachmann mit seiner medizinischen Kompetenz gefragt, soll dem Patienten als Laien den Hintergrund der Krankheit erhellen, sowie die Möglichkeiten der Behandlung oder zumindest der Besserung seines Zustandes erläutern. Keinesfalls sollte er mit Angst und Druck arbeiten, sondern die Entscheidungsautonomie beim Patienten lassen. Dort wo dieser dazu nicht in der Lage ist, ist der vertrauensvolle Begleiter/ die vertrauensvolle Begleiterin aufgefordert, dazu beizutragen, dass dies möglich wird.
Die Kenntnis der Prognose eines Leidens ist eine wichtige Voraussetzung für die Führung eines Aufklärungsgespräches.
Die Behandlung des Leidens kann Heilung erbringen.
Die Behandlung des Leidens kann nur das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
Der Patient muss eine Vorstellung von dem künftigen Verlauf seiner Erkrankung entwickeln können. Nicht nur zur Gestaltung seiner sozialen Beziehungen und ökonomischer Absicherungen muss die Tatsache der Begrenztheit der Zeit nach bestem Wissen und Gewissen mitgeteilt werden. Dies ist häufig schwierig, da die Abschätzung der individuellen Prognose nur mit größeren Unsicherheiten gelingt, und der Arzt ja nicht über hellseherische Fähigkeiten verfügt.
Ist der Schweregrad der Krankheit einmal mitgeteilt, und die Behandlung beginnt und zeigt Erfolge, so treten in dieser Situation die Fakten des Initialen Aufklärungsgespräches zur Prognose wieder in den Hintergrund. Dieser Prozess der Verarbeitung oder Verdrängung ist von Hoffnung getrieben.