Einblicke

Bedeutung von Psychotherapie aus der Perspektive der urmenschlichen Sehnsucht nach Verbundenheit, als grundlegender Aspekt von Heilung

Aus meiner bisherigen, beruflich-menschlichen Erfahrung heraus, möchte ich gerne feststellen: Es gibt im Menschen eine ganz ursprüngliche Sehnsucht nach Verbundenheit. Immer wieder wird mir offenbar, dass Verbundenheit und Verbundensein, etwas existentiell Menschliches ist.
Das Bedürfnis nach Verbundenheit, - ich wage zu behaupten, dass es in jedem von uns existiert, - ist zugleich eine Sehnsucht nach Ganzheit und Heilsein. Dazu gehört für mich, sich in lebendiger Weise verbunden zu erleben mit seinem Körper, aber auch mit seinen Gefühlen, mit seinen Stimmungen und Befindlichkeiten, auch mit dem was wir denken, mit dem, was über uns hinausreicht, was „größer“ ist wie wir.
Mit sich selbst verbunden sein, heißt auch, sich anzunehmen mit schlechten Gefühlen, mit Befürchtungen, mit Ängsten, mit gefühlter Hoffnungslosigkeit, ja auch mit dem eigenen Kranksein.

Es geht darum, nichts auszugrenzen von dem, was in uns ist, ja, von dem, was wir sind. Sondern uns in Liebe zu umfangen.
Alles, was uns ausmacht und was darüber hinausreicht, in unser Herz zu nehmen, es liebend da sein zu lassen und ihm zu folgen. Darauf zu vertrauen, dass das, was in uns ist, richtig ist und dass es in der Lage ist, uns unseren Weg zu zeigen, wenn wir darauf bauen. Das heißt nichts anderes, als uns den in uns liegenden Lebensbewegungen anzuvertrauen, uns ihnen zu überlassen.

In dieser tiefen Art der Verbundenheit, die wirklich existenziell und tief ist, liegt die Kraft, die uns heilen kann. Sie fordert uns auch zu der Frage auf, was brauche ich, um wieder gesund zu werden?
Ich kann dich in meiner Begleitung auf diese Frage stoßen, dich einladen, sich ihr zuzuwenden, aber was genau du brauchst, um wieder gesund zu werden, dich besser zu fühlen, um wieder heil und ganz zu werden, kannst nur du wissen. Denn nur du selbst stehst mit dem tieferen Sinn hinter allem, was dir geschieht, in Verbindung.

Natürlich brauchen wir eine Medizin, die für einen kranken Menschen eine gängige Maßnahme findet, die ihm helfen könnte. Das kann je nachdem eine Operation, eine medikamentöse Therapie, eine physikalische Therapie oder auch anderes bedeuten. Wir brauchen diese Therapieverfahren – sie gehören ins Zentrum unseres Selbstverständnisses im Zusammenhang mit Medizin.

Nur, wenn das alles wäre, was wir jemandem in seinem Kranksein anbieten, übersehen wir möglicherweise etwas, das für den Betroffenen genauso wichtig ist, und verpassen eine weitere Möglichkeit der Hilfe. Denn jemand, der krank ist, braucht mehr als nur medizinische Behandlung.
Er braucht zum Beispiel, dass wir ihm liebevoll, mitfühlend und mit
Respekt begegnen. Er braucht, dass wir ihn als Menschen sehen,
nicht nur als Krankheit, und ihn, wie er ist, als Menschen annehmen
können.
Jeder Mensch, der zu mir kommt, braucht auch mein wirkliches Da-Sein für ihn – auch das gehört für mich zur gesunden Professionalität.
Und ich meine tatsächlich Da-Sein.
Wir müssen nicht immer gleich etwas tun. Jemanden einfach nur bei der Hand nehmen und Da-sein. Viele medizinische Maßnahmen würden sich möglicherweise erübrigen, wenn wir uns mehr Zeit nähmen, um da zu sein. Dieses Da-Sein betrifft alle Ebenen. Wir sind da für die körperlichen Belange des kranken Menschen, wir sind aber auch da für seine psychischen Belange. Wir sind da für das, was ihm Gedanken macht und welche Überzeugungen ihn in Bezug auf sein Kranksein plagen. Das ist sogar sehr wichtig, was der Mensch denkt, denn das bestimmt sehr viel von dem, was geschieht.
Wenn ein Mensch in der Vorstellung lebt „Ich bin so sehr schwer krank, chronisch krank, da komme ich nie wieder raus“, dann bahnt das bereits etwas an, das auch tatsächlich Realität werden kann.
Der Umkehrschluss gilt allerdings nicht eins zu eins. Wir können uns leider nicht einfach so gesund denken.
Beim Gesundwerden spielen ganz tiefe Schichten, die uns oft nicht zugänglich sind, eine gewichtige Rolle.

Aber allein schon die innere Haltung, zu denken, dass wir wieder gesund werden können, lädt bereits zu einem Heilungsprozess ein. Sie stellt Weichen, hilfreiche Schritte zu unternehmen, Stück für Stück mit der Krankheit umgehen zu lernen, sie vielleicht verwandeln zu können oder mit ihr leben zu lernen.
Auch das ist aus meiner Sicht eine zentrale Aufgabe im Heilberuf: Menschen darin zu begleiten, auch mit einer Krankheit, wenn sie sich nicht heilen lässt, leben zu können – und das sinnerfüllt.
Eine Begleitung, die auf Verbundenheit setzt, braucht einen freien, offenen spirituellen Raum: Wir begleiten die erkrankten Menschen auf allen Ebenen – körperlich, emotional, mental und spirituell.
Spiritualität beinhaltet die essenziellste Form von Verbundenheit, denn sie meint immer das, womit wir uns existenziell über uns als Person hinaus verbunden fühlen. Diese Art der transzendenten Verbundenheit muss für jeden ganz offen sein. Denn das muss nicht religiöse Gläubigkeit bedeuten. Auch ein Atheist kann in sich eine tiefe Überzeugung vom Sinn seines Lebens tragen. Die Offenheit des spirituellen Raums ist also zentral. Denn die Menschen, die zu uns kommen und Hilfe suchen, kommen in einer ganzheitlichen Begleitung unweigerlich an ihre essenziellen Fragen und Grenzen, die, wenn sie berührt werden, oft schon heilsam wirken können. Der Schlüssel, der ihnen den Zugang zu diesen essentiellen Fragen und Grenzen eröffnet, ist nur allzu oft durch Schmerzen, durch lange Erkrankung, durch Behinderung oder im vermeintlich oder real eingeleiteten Sterbeprozess zu finden. Wo auch immer wir in einer Lebenskrise sind, berühren wir die Fragen unserer Existenz und damit auch den spirituellen Raum.
Für mich ist eine Psychotherapie der Verbundenheit eine Therapie, die diesen Raum miteinschließt.
Der offene spirituelle Raum muss eine Einladung an alle Menschen
sein: Der eigene spirituelle Hintergrund, die eigene Idee
vom Leben und seiner Quelle, der eigene innere Ort, wo sich
jemand Zuhause und verbunden fühlt, braucht seinen Platz in
der Begegnung zwischen Hilfe suchendem Menschen und Therapeut/in.
Es braucht einen offenen Raum, um den Menschen, die wir begleiten, Angebote der Steuerungshilfe in ihren Raum hinein zu verschenken und mit ihnen gemeinsam nach Antworten auf die für sie wichtigen Lebensfragen zu entwickeln.
Wir können niemandem sagen: Das ist richtig, da geht es lang. Wir können immer nur Fragen: Wie siehst Du es? Wie erlebst Du es? Wie ist es für Dich? … Dann geschieht etwas.
Da sein können – ein fundamentales Ja zu dem, was ist, einnehmen, das ist die zentrale und heilende Aufgabe!
Die Haltung, die darin liegt, ist eine Haltung des Mich-Zuwenden-
Könnens. Wir können das auch als Herzqualität bezeichnen.
Diese Qualität, sich allen Belangen den Uns-Anvertrauten zuwenden
zu können, all dem, was ihnen für ihre Heilung wichtig ist – ob das eine schwere, somatische Krankheit, eine psychische
Krankheit oder eine spirituelle Krise ist, was auch immer – meint
eben ein bedingungsloses Da-Sein für den Anderen.
„Ich wende mich dir zu, ich bin da.“
Dieses Da-Sein und Dabei-Bleiben ist in sich eine liebende Haltung. Byron Katie spricht von „Lieben, was ist“ (Katie 2012).
Können wir ganz da sein, bezeugen wir, was ist. Den Schmerz, das Leiden. „Ich bin nicht mehr allein damit.“ Das ist so wohltuend und bereits ein erster Schritt im Heilungsprozess.
Das ist ein fundamentales Ja. Ich sage „ja“ zu Dir. Und das ganz
und bedingungslos. Und ich meine mit diesem Ja Dich in Deinem
tiefsten Wesen. Wir müssen nicht Ja zu jeder Ecke und Kante
sagen, die jemand hat. Die darf jeder haben, - wir sind so.
Das Menschliche ist menschlich. Aber ich sage Ja zur Dir als menschliches Wesen. Und ich sage Ja zu dem, was gerade mit Dir ist. Ich kann Ja sagen zu Deiner Verzweiflung und Deinem Leiden. Ich kann das sehen. Das ist so. Ja. Und ich kann das, weil ich mich mit meinem eigenen Schmerz, mit meiner eigenen Unzulänglichkeit, mit meinen eigenen Themen auseinandergesetzt habe. Das hilft mir, auch Dich darin anzuschauen und zu erkennen.
Ich muss mich nicht mehr abwenden von Deinem Leid, denn ich kann ihm standhalten, es einen Moment für dich, aber vor allen Dingen mit dir zusammen tragen.
Was keinesfalls heißt, es für den Anderen zu übernehmen!
Was sich verheerend auf unsere Klienten auswirkt, ist, wenn
wir ihr Leid nicht aushalten können und uns abwenden. Denn damit
lassen wir sie in ihrer höchsten Not allein. Wenn wir gelernt
haben, auch mit den existenziellen Themen umzugehen, können
wir einfach da sein und müssen uns nicht mehr abwenden, weil es
uns überfordert. Wir brauchen also auch eine Entwicklungsmöglichkeit
für uns selbst im Heilberuf, um einen guten Umgang mit diesen Dingen lernen zu können.
Am Boden des fundamentalen „Ja, ich bleibe da, was auch immer gerade ist“ wohnt die Liebe.

Autor / Copyright  Joachim Armbrust

28. Mai 2022 / Joachim Armbrust


KIT - Kindertagespflege Öhringen - Seminar zum Thema Nachhaltigkeit im Kloster Schöntal

KIT- Kindertagespflege Öhringen
Seminar zum Thema Nachhaltigkeit im Kloster Schöntal

Seminarleiter: Joachim Armbrust und Sandra Rose
https://kit-hohenlohekreis.jimdo.com/home/aktuelles/

27. Februar 2022 / Joachim Armbrust


Psychotherapie und Körperarbeit

In unserem Körper sind all unsere (Lebens-) Erfahrungen, die wir gemacht haben - und ja, sogar Erfahrungen aus Vorgenerationen abgespeichert. Was bedeutet das konkret? Unser Körper, jede einzelne Zelle, besitzt ein Körpergedächtnis. Es gibt vielerlei körpertherapeutische Methoden, aber auch geistige Heilweisen, die dieses Körperwissen aufschließen können. Gelingt es uns mit diesem vordergründig verborgenen Ort in uns in Berührung zu kommen, erhalten wir authentische Antworten und können noch nicht gelebte Potentiale entschlüsseln. Neben alten Traumatas, sind im Körper auch die noch nicht gelebten Impulse für stimmige Entwicklung vorhanden, wenn sie denn in aufmerksamer Begleitung als Schatz gehoben werden können.
Dafür braucht es Wissen, Einfühlung, gute Methoden und eine zugewandte, mitfühlende und wertschätzende Haltung, wie auch theoretischen Hintergrund von Systemtheorie, Bindungstheorie, tiefenpsychologisch fundierter Körperpsychotherapie und Hirnforschung; einen selbsterfahrungs- und praxisbezogenen Erfahrungsraum, um Körperwahrnehmung, Körpererfahrung und Körperausdruck in situativer Passung impuls- und haltgebend in die persönliche Arbeit mit dem Klienten (-System) zu integrieren. Im fließenden Wechsel von Interventionen auf allen Ebenen des Bewusstseins öffnet sich der therapeutische Beziehungsraum zu einem wachen, lebendigen Prozess, der den begleiteten Menschen vitalisiert. Es gibt schließlich keinen Menschen ohne einen Körper: Meine Geschichte manifestiert sich ebenso in meinem Körper wie die Art und Weise, wie ich im Hier und Jetzt Beziehungen gestalte und wie ich über meine Zukunft nachdenke. Ich bin meinen Körper und ohne meinen Körper bin ich nicht. Habe ich meinen Körper verloren, so habe ich mich selbst verloren. Finde ich meinen Körper, so finde ich mich selbst. Jeder Mensch verfügt über Selbstheilungskräfte. Selbstheilung ist sowohl biologisch als auch psychisch immer als Prinzip verfügbar. Die Frage ist, schaffen wir es, dieses Prinzip aufzurufen. Deshalb ist jeder Mensch zunächst einmal für sich selbst die beste Medizin. Der achtsame, intuitive Atem kann dabei der Schlüssel sein, der uns die Tür öffnet.
Indem der/die Begleiter/in den Menschen als jemanden sieht, der in jedem Augenblick Beziehungen gestaltet und Beziehungen verändern kann und damit auch alte Muster auflösen kann, lädt er ihn dazu ein sich auf sich selbst in neuer Weise zu beziehen und damit aus einer unerhörten Geschichte eine erhörte Geschichte zu machen. Eine Psychotherapie, die den Menschen in seinen Hoffnungen, Sehnsüchten und Visionen von einer besseren Zukunft sieht und ihn unterstützt eine Zukunftsgestalt nach vorne zu entwerfen, lädt letztlich dazu ein, dass er sich von dieser selbst erweckten Zukunftsgestalt in die Gegenwärtigkeit rufen lässt. Mit jedem kleinsten Schritt hin auf diese Zukunftsgestalt zu, wächst ihm Energie und Reifung, im Sinne von erfülltem Wachstum, zu. Wie gut, wenn dieser Blick auf den Menschen in einer stimmigen Balance zwischen Körper, Geist und Seele stattfindet.
Auf dem spirituellen Weg geht es vor allem um Integration, das heißt, durchlässiger zu werden, Blockaden und Fixierungen zu lösen, Verdrängtes anzunehmen, Abspaltungen wieder anzukoppeln, sich der (eigenen) Wirklichkeit zu stellen und Zentrierung zu stärken. Integration braucht eine gute Erdung und eine Verankerung im Hier & Jetzt. Die Entwicklung des Körperspürbewusstseins unterstützt diesen Integrationsprozess.
Jede/r kann über das Spüren des eigenen Körpers auch seinem eigenen inneren Wesen näher kommen. Spüren ist wie ein Muskel, der entwickelt werden kann und der mich für meine eigene innere Wirklichkeit öffnet und der uns einen Zugang zu tieferen spirituellen Erfahrungen ermöglicht. Wirkliches Spüren ist ein ganzheitlicher Prozess, in dem die Gefühle einbezogen sind. Ich meine, wenn ich von Achtsamkeit spreche, ein ganzheitliches Spürbewusstsein, keine distanzierte, abgespaltene Haltung, sondern „eine Beobachtung des Körpers subjektiv im Körper seiend“ und „eine Beobachtung der Gefühle aus dem inneren der Gefühle heraus“. Das heißt, man ist gleichzeitig im Körper und in den Gefühlen und man ist gleichzeitig der Körper und die Gefühle. Achtsamkeit schließt Spüren und Fühlen ein – sie ist also eher ein ganzheitliches Spürbewusstsein oder ein spürendes Präsentsein.

Um in der Welt und mit uns selbst einen guten Weg zu finden, brauchen wir einen fühlbaren Grund, der trägt. Wir wollen uns so verankert wissen, dass wir das Gefühl haben, „mit beiden Füßen auf der Erde zu stehen“. Das tun wir dann, wenn wir die Wirklichkeit so sehen wie sie ist, nicht wegschauen, nicht verleugnen, aber auch nicht verteufeln. Annehmen, dass das Leben uns führt und nicht wir mit unserem Willen die Führungs-Hoheit haben, ist eine grundlegend wichtige Ausgangshaltung. Erdung bedeutet in diesem Sinne, mit seinem Wesen verbunden zu sein, anzuerkennen, dass wir ein Teil des universellen Seins sind. Erdung bedeutet also, einen wesensstimmigen Platz in der Welt zu finden, der für uns bestimmt ist. Erdung heißt aber auch, uns innerlich auf der Erde niederzulassen, ihr zu vertrauen, dass sie uns trägt und uns ihr zuzumuten. Erdung bedeutet, die Kraft, die aus der Erde kommt, in uns hineinfließen zu lassen, uns von ihr tragen zu lassen. Erdung meint, uns in uns selbst, in unserem Körper niederzulassen, in unserem Körper zu wohnen. Erdung heißt auch, in der Gegenwart präsent zu sein. Erdung bedeutet, uns den Widersprüchen und Herausforderungen des Lebens auf der Erde zu stellen und nicht (in eine spirituelle Scheinwelt) zu flüchten. Erdung bedeutet, mit der relativen Wirklichkeit, mit unseren Begrenzungen und mit Grenzen, auf die wir stoßen, gesund und reif umgehen zu können. Erdung können wir in und durch unseren Körper entwickeln, indem wir unsere Körperbasis, nämlich unser Becken, unsere Beine und Füße mit unserer Aufmerksamkeit, mit unserem Spürbewusstsein, mit unserer eigenen Präsenz anfüllen, uns in uns selbst in sie niederlassen und immer wieder die Erde unter unseren Füßen spüren. Nur wenn eine gute Erdung und Verankerung im Becken vorhanden ist, kann sich der Bauch als Machtzentrum entspannen und sich das Herz, das oft permanent in Hab-Acht-Stellung und angespannt ist, wenn wir keinen sicheren Ort haben, hingeben und entspannen. Erdung gibt innere Stabilität und Sicherheit und ermöglicht uns, uns niederlassen und entspannen zu können. Gerade, wenn wir einem spirituellen Entwicklungsweg folgen, der uns ruft, ist die Gefahr immer wieder groß, dass die Erdung verloren geht und wir in dieser Welt nicht mehr zurechtkommen. Singen wir also ein Loblied auf den Atem, der die Fähigkeit besitzt, uns Sicherheit zu geben und uns gleichzeitig ermutigt uns auf die Lebens- und Körperprozesse einzulassen, ihnen von innen heraus zu folgen, ein Teil von ihnen zu werden.
Je mehr und je tiefer wir unseren Körper spüren können, desto genuss-voller können wir unseren Körper erfahren. Das liegt daran, dass wir dabei ja nicht nur das Gewebe, die Muskeln und die Knochen spüren, sondern auch mehr und mehr die verschiedenen Flüssigkeiten und die feinstofflichen Energien, die unseren Körper durchdringen, sowie die feinen Schwingungen und Rhythmen. Diese zu spüren können Genuss, innere Freude und das Gefühl, ganz bei sich zu sein, hervor-bringen. Konzentration und körperliche Entspannung lösen warme, freundliche Körperempfindungen aus, die bis hin zu Gefühlen von Verzückung gehen können. Denn wenn sich unser Körper für unser Wesen und damit für unser Sein öffnet und dadurch die Türen zum reinen Bewusstsein aufschließt, verstärkt sich die Selbstregulierungsfähigkeit des Körpers und es aktivieren sich unsere „Zellkinder“ und damit unsere Selbstheilungskräfte.
Wenn ich meinen Körper wirklich spüre, dann gebe ich meinem Körper meine Aufmerksamkeit und bin in ihm präsent. Wenn ich einem lebenden Wesen meine zugewandte, entspannte Aufmerksamkeit schenke, wirkt sich das in der Regel positiv aus. Wir alle kennen das, wenn uns ein anderer, vertrauter Mensch seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt und er in diesem Moment nichts Bestimmtes von uns erwartet, sondern uns so annimmt, wie wir gerade sind, ist das sehr angenehm. Dann fühlen wir uns gestärkt, verstanden, entspannt usw. So ist es auch mit unserem Körper: wenn wir ihm unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, dann kann er etwas entspannen, etwas loslassen, sich etwas besser selbstorganisieren und regulieren. Dann können die in uns wohnenden Selbstheilungskräfte etwas mehr wirken. Dasselbe gilt auch für unsere Gefühle: Wenn wir ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit geben, ohne sie direkt oder subtil zu manipulieren oder zu kontrollieren, können sie ihrer eigenen innewohnenden Bewegung nachgehen und die in uns wohnende Lebenskraft kann auch durch die Gefühle in Richtung Ganzwerdung und Integration wirken.
Ursprünglich ist unser Körper mit seinen Sinnen ein gut funktionierender Signalgeber, wenn es um die Wahrnehmung der grundlegendsten Bedürfnisse des Überlebens und Wohlbefindens geht. Viele Menschen haben die Fähigkeit des Körpers, uns zum Glück zu leiten, nicht ganz verloren. Doch die meisten Menschen können sich auf ihre Sinne und die Signale des Körpers nicht mehr verlassen.
In der Psychotherapie arbeiten wir an der Verbindung von Geist und Körper. Worte können heilen, können bis in den Körper hinein, ja bis in die Zellen hinein, heilend wirken. Wir fragen uns andauernd, wie kann ein Körper, der aufgrund von Erlebnissen in den Kreislauf von Erstarrung, Anspannung und Schmerz geraten ist, sich in der sicheren Gegenwart wieder einladen lassen, weicher, durchlässiger und beweglicher zu werden? Denn wenn sich innerer Friede einstellt, kann sich auch immer ein Gefühl von Geborgenheit und Aufgehobensein einstellen. Physiologisch würde man von „Umschalten auf das vagale, also das autonome, parasympathische Nervensystem“ sprechen, welches die Tür zu den genialen körpereigenen Selbstheilungsressourcen öffnet. Das erlaubt jedem/r, sich zu regenerieren, wieder sich selbst zu werden, sich selbst wieder gerecht zu werden. Ins Üben mit dem Körper zu gehen, ist wie anzukommen, wie heimzukommen. Das Gefühl von Zerrissenheit, von Mangel und Verlust, löst sich auf. Es fühlt sich erfüllt und wesentlich reicher an, wie noch vor einem Augenblick. Und es stellt sich damit auch ein Gefühl von Sicherheit ein.
Der Körper sagt uns dann wieder, wie wir uns wirklich fühlen, deshalb kann unser Körper unser spiritueller Führer sein. Die Wahrheit ist in unserem Körper gespeichert, und obwohl wir in der Lage sind, sie zu verdrängen, können wir sie nie verändern. Unser Verstand kann getäuscht werden, unsere Gefühle können manipuliert und unsere Vorstellungen verwirrt werden, und unser Körper kann mit Medikamenten ausgetrickst werden. Aber eines Tages wird uns unser Körper die Rechnung präsentieren, denn er ist ebenso unbestechlich wie ein Kind, das noch ganz in seiner Seele ist und keine Kompromisse oder Entschuldigungen akzeptiert. Unser Körper wird so lange nicht aufhören, uns zu quälen, bis wir aufhören, vor der Wahrheit zu fliehen.
Es gibt einen inneren, heilen Raum in unserem Körper, einen Seelengrund. Beim tiefen Einatmen in den Bauch erweitert sich der Raum nach unten und nach oben: Nach unten, indem sich das Zwerchfell wie ein umgekehrtes Gewölbe nach unten dehnt. – Nach oben, in dem der Brustkorb wie ein Regenschirm aufgespannt wird. So entsteht eine Art heiliger Leibraum der inneren Mitte, die den universellen Atem und die Gegenwärtigkeit desselben aufnimmt und Heimat gibt. In diesem Seins-Zustand spüren wir ein deutliches Durchströmtsein des ganzen Körpers von Lebenskraft, bis in die Finger- und Zehenspitzen hinein.
Den eigenen Bedürfnissen auf die Spur zu kommen lohnt sich! Denn nur ein wahrgenommenes Bedürfnis kann auch „gestillt“ werden. Wer weiß heute noch etwas von seiner bedürftigen Seele, die es nach dem Urgrund, nach Wahrhaftigkeit und Wesensnähe dürstet? Unser Atem verbindet uns mit dem großen Atem. Der Atem verbindet uns also mit uns und der Welt, er belebt uns. Lasst uns also einen Raumwechsel über den Körper und den Atem vornehmen: Heraus aus der getakteten, zielgerichteten Zeit, hinein in einen Raum von Zeitlosigkeit, Absichtslosigkeit und Verlangsamung. Heraus aus dem Willen, hinein in die Hellhörigkeit, die „hört“, wo wir hingeführt werden bzw. wohin wir eingeladen werden. Raus aus dem strukturierten Vorgehen, hinein in ein intuitives Geführt Werden.

Wer eine Krise durchsteht, sieht bereits einen Lichtstrahl am Horizont. Oftmals ist das ein Aufbruchsignal, um wieder neue Energie und Bewegungsfreiheit zu erlangen. Dabei kann es helfen, gleichsam einen Blickwinkel aus der eigenen Zukunft einzunehmen und aus der Vision der Überwindung des dunklen Tages auf die momentan schöne Zeit zu schauen. Hoffnung gibt Kraft, tief Luft zu holen, - sich aufzurichten auch. Von der Zukunftsgestalt her gerufen zu werden, führt uns bei jedem Schritt den wir in die eingeladene Richtung gehen, Energie zu.
Mit jedem Atemzug kann der gerade vergangene Augenblick neu anfangen, taufrisch. Wir können Schweres wegatmen, wir können in Schweres hinein atmen, frische Luft dazu lassen und alles zusammen mit dem Atem verabschieden. Der Mensch kann sich in jedem Atemzug mit den universellen Kräften verbinden und das ist wahrlich eine spirituelle Ressource. Ohne Sehnsucht gibt es keinen Aufbruch zu einem spirituell-geistlichen Weg. Der Atem kann uns die Wirklichkeit der universellen Liebe erfahrbar machen und wir können darin die Tür zu Vertrauen und Zuversicht finden.
Was ist nun das Wichtigste für die Entwicklung eines praktisch wirkenden Selbst-bewusstseins?
Es ist die Erweckung, Differenzierung und Artikulierung eines Spürsinns. Dabei handelt es sich um ein feinsinniges Organ, das zuverlässig die Abweichungen von der rechten Innenordnung vernimmt, insbesondere aber für die falsche bzw. richtige Zentrierung des Subjekts empfindsam ist und immer empfindsamer wird. Wir sind also auf die Ausbildung eines Organs zum Spüren der rechten Mitte und dessen, was von ihr abweicht angehalten. Ausdrücken tut sich dieses Organ eben auch über unseren resonanzfähigen und spürfähigen Körper, der uns Signale sendet oder einfach ist, was er ist, in Unordnung, im Lot, in Freude, in vollem Wachbewusstsein oder im sich aufgebenden Fallenlassen.
Der Mensch hat einen zweifachen Auftrag. Einerseits geht es darum, die Welt zu gestalten und gleichzeitig im Werk zu reifen auf dem inneren Weg. Psychotherapie als prozessualer Initialraum verstanden hilft die Tür zum Geheimen hin zu öffnen. Das Wort Tiefe bedeutet etwas anders als Intensität: tief ist immer, was den Menschen in seiner ganzen Person betrifft; je mehr sein ganzes Sein betroffen ist, umso tiefer sind seine Empfindungen. Je oberflächlicher Empfindungen sind, desto mehr ist er nur mit einem Teil seiner Selbst beteiligt. Mit der Tiefe der Erfahrung steht das Sein auf dem Spiel. Es fordert den ganzen Menschen und gibt ihm seine wahre Verantwortlichkeit zurück.
Texte sind oft Schlüssel zum Zugang des Numinosen. Auch unser Körper kann ein solcher Schlüssel sein. Unser Körper verkörpert, was oder wer wir sind. Der Verstand kann nur entziffern, was der Körper längst erfahren hat. Bevor wir begreifen, erfahren und spüren wir.
Durch den Einbezug von Körper und Stimme wird eine physisch-psychische Balance wiederhergestellt, die ganz natürlich ist, weil jeder Mensch sie auf die Welt mitgebracht hat. Das Unbewusste äußert sich über diffuse Gefühle und/oder Körperempfindungen. Es wird z.B. als mulmiges Gefühl im Bauch, als Freude im Herzen, oder als Kloß im Hals wahrgenommen. Das isolierte Nachdenken mit dem Verstand stößt an Grenzen. Sinnhaftigkeit ist etwas ausgesprochen Subjektives und liegt in unserer Persönlichkeit und in unseren Erfahrungen begründet. Unser Körper ist das Gedächtnis unserer Erfahrungen. Das Selbst ist eine Schnittstelle zwischen Körper und Geist. Es benötigt Körpersignale als Wegweiser zur Orientierung in seine unendlichen Weiten und es kann auf Körperprozesse einschließlich der in vielen Körperreaktionen verankerten Emotionen Einfluss nehmen. Selbst und Körper sind miteinander verbunden. Genauso, wie das Selbst die Signale des Körpers zur Orientierung benötigt, kann der Körper wiederum das Selbst aktivieren.

Körperspüren

Das aktiv erweckende Körperspüren ist eine zentrale Qualität, die durch folgende Schritte eingeladen werden kann: Sich Zeit und Raum geben, außerhalb von getakteter und gerichteter Zeit, vielmehr in einem Raum von Eigenrhythmus und Zeitlosigkeit, um wahrzunehmen, wie sich mein Körper von innen her anfühlt, wenn ich quasi sein Pulsieren und Atmen bin. Ich muss dabei nichts tun, außer in wacher Weise da sein und subjektives Spüren zulassen. In einem weiteren Schritt können wir bewusst und kraftvoll tief ein- und ausatmen; um mit dem Einatmen den inneren Körper-Raum noch etwas (aus-) zu weiten. Mit dem Weiten entsteht Spielraum, der uns ermöglicht, verschiedene Seinszustände abspürend zu vergleichen oder noch besser nebeneinander stehen zu lassen und diesen inneren Raum der Möglichkeiten zu spüren und sich in den Ausatem hinein zu entspannen. Durch das kraftvolle Einatmen spüre ich meine eigene Kraft und nehme bewusst wahr, was mich nährt.
Ich kann spüren, wie sich mein Körper von innen her anfühlt und welche inneren Räume sich dabei öffnen, welche Möglichkeits- und Spielräume, welche Weite dabei entstehen kann. Nach jeder Sequenz des übenden Atmens lohnt es sich nachzuspüren, wie sich der Körper nun anfühlt, was sich verändert hat, was sich leichter und entspannter anfühlt, was mich in wache Aufmerksamkeit bringt usw..
Wir lernen begreifen, wie wir mit dem Atem in Fühlbewusstsein und Spürbewusstsein nicht nur zu unserem Körper kommen, sondern auch zu den sich vollziehenden Körperprozessen. Je feiner die Ebenen sind und je tiefer die wache Entspannung sich vollzieht, desto mehr gelingt es uns, in Kontakt mit unserem Wesen zu kommen oder besser gesagt, umso leichter und freier schenkt es sich uns, in dem es sich uns offenbart. Die regelmäßige Praxis des prozessualen und intuitiven Atmens kann unser Körperspürbewusstsein enorm stärken.
Dabei ist einiges zu beachten: Dass man den Körper wirklich von innen her spürt, so als würde man in ihm spazieren gehen und dass man lernt gleichzeitig den eigenen Atem zu spüren, den man in seinem jeweiligen ganz eigenen Rhythmus frei fließen lässt, so dass Atem, Aufmerksamkeit und Spürbewusstsein sich verbinden können.
Körper und Geist stehen in engster Wechselwirkung miteinander. Dabei können wir unseren Körper als Spiegel und Seismograf für unsere seelischen Prozesse verstehen. Darüber hinaus können wir den Körper im wahrsten Sinne des Wortes als Basis für unseren psycho-spirituellen Weg mit seinen Prozessen der Ent-Identifikation, Auflösung und Zentrierung begreifen. Schließlich können wir uns im Praktizieren der wachen Aufmerksamkeit und der gegenwärtigen Präsenz voll und ganz in ihm niederlassen und über das ganzheitliche Körperspürbewusstsein in Kontakt kommen mit dem umfassenden, reinen Gewahrsein, das alles Existierende durchdringt und doch unabhängig von ihm ist.

7. Februar 2022 / Joachim Armbrust


Psychotherapie und Spiritualität

Autor: Joachim Armbrust

Wir leben in einem säkularen Zeitalter. Werte und Leitbilder werden heute im öffentlichen Raum primär rational und ökonomisch begründet.
Eine religiöse Grundhaltung oder die aus dem eigenen Inneren aufsteigende Spiritualität können allerdings zwei elementare menschliche Bedürfnisse befriedigen, auf die eine säkulare Gesellschaft keine Antwort weiß:
Wie können wir trotz unserer tief verwurzelten egoistischen und gewalttätigen Impulse harmonisch in Gemeinschaften und herzverbunden zusammen leben? Und wie können wir unserer Endlichkeit, dem ungerechten Leiden und dem Schmerz standhalten, ohne zu verzweifeln?

Für eine größer werdende Gruppe von Menschen werden religiöse oder spirituelle Sinndeutungen - oftmals nicht konfessionell gebunden - gerade heute in allen Lebensbereichen immer relevanter. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren angestiegen und wird noch weiter wachsen.
In Bezug auf psychologische Beratung und Therapie sind unterschiedliche Auffassungen bedeutsam. Je nach Rollenverständnis arbeitet die gleiche Berufsgruppe– trotz mancher Gemeinsamkeiten – in ganz verschiedenen Kontexten, weil sich ihre Voraussetzungen, Bedingungen und Absichten in vielerlei Hinsicht unterscheiden. Als „Sinnkonstruktivismus“ bezeichnen sie die Strategie von säkularen Menschen, die sich keiner höheren Macht verpflichtet fühlen. Angesichts des Tragischen und Absurden im Leben seien sie vor die Notwendigkeit gestellt, in existenziellen Krisen selber einen persönlichen Sinn zu entwickeln, d. h. zu konstruieren. Als „Sinnobjektivismus“ bezeichnen sie die Strategie von religiösen Menschen, die sich einer „höheren Macht“ verpflichtet fühlen, also „religiös bzw. spirituell“ sind. Diese Menschen verfügen in der Regel über einen persönlichen Interpretationsrahmen bzw. entsprechende spirituelle Tiefenerfahrungen die die existenzielle Krisenbewältigung erleichtern.

Psychotherapeuten/innen, die Menschen in Sinnkrisen helfen möchten, benötigen im Hinblick auf das benannte Thema besondere Qualitäten:
„Reflektierte Zurückhaltung“: Der Therapeut muss seine eigenen Werte und weltanschaulichen Perspektiven so gut kennen, dass diese ihm bei der Begegnung mit einem von ihm begleiteten Menschen nicht (mehr oder weniger subtil) in die Quere kommen. Der Therapeut sollte dabei aktiv hilfreich sein, den Klienten bei seiner Suche nach einem sinnstiftenden und lebbaren Weltbild im Allgemeinen und tragfähigen Werten im Besonderen zu unterstützen.
Viele Menschen sind auf der Suche nach einem „ultimativen Retter“ – einer Instanz, die „höher“ oder „weiser“ ist als sie selbst, um Geborgenheit und Schutz bei ihm/ihr zu finden. Hier ist es wichtig, offen und fest zur eigenen Begrenztheit zu stehen und keine Illusionen zu wecken. So kann dem ratsuchenden Menschen verdeutlicht werden, was ihn beim Therapeuten erwartet – nämlich ein tabu- und Doktrin- freier „Forschungsraum“ zur inneren Auseinandersetzung mit der Sinnfrage. Ausgehend von dieser Grundhaltung kann die eigentliche Arbeit beginnen: „Welche Weltanschauung hat der begleitete Mensch? Ist er gläubig/religiös/spirituell oder nicht? Schöpft er aus eigener, erlebter Glaubenserfahrung? Gibt es Tätigkeiten, Erlebnisse oder irgendetwas anderes, das von sich aus von ihm als wertvoll oder sinnvoll erlebt wird?“ Um die Bewältigung von Sinnkrisen, besser unterstützen zu können, braucht es eines Dritten, was sich aus der Begegnung heraus eröffnet und leuchtend den Weg zeigt. Die Postmoderne ist geprägt von einer Vielfalt an unterschiedlichen Lebensentwürfen und konkurrierenden Sinndeutungen, die auch für Psychotherapeuten neue Herausforderungen birgt. Wie gehe ich mit fremden Glaubensüberzeugungen um? Woran erkenne ich, ob sie eher heilsam-stabilisierend oder krank-machend-destruktiv sind? Kann ich das überhaupt so einfach erkennen?

Im Fokus meiner Praxis steht die psychotherapeutische Begleitung von Menschen in Krisen, mit Depressionen, mit Angst-und Persönlichkeitsstörungen, mit Stresserkrankungen, bei emotionaler Instabilität, Selbstwertthemen, Sinnfragen und Grenzerfahrungen. In meinem Sinne bedeutet Spiritualität hierbei in der Therapie und Beratung ein übergeordneter, positiver, integrativer und dogmenfreier Prozess aus Denken, Fühlen und Sein mit dem Ziel, dem Sein in uns selbst näherzukommen, das er/sie, neben der persönlichen Ebene, in der Tiefe erfährt.
Mein Ziel ist es, den Menschen in seiner Gesamtheit einschließlich seiner spirituellen Dimension zu begreifen und zu begleiten, um ihm/ihr dabei zu helfen, unser wahres Menschsein in allen Dimensionen für unser individuelles Leben zu erschließen.
Im Fokus einer alltagsrelevanten, erfahrungsbasierten Spiritualität steht kein Glaubenssystem, sondern vielmehr eine in jedem Mensch angelegte Erfahrungs-und Bewusstseinsmöglichkeit. Dabei muss betont werden, dass das Ziel der Spiritualität innerhalb des therapeutischen oder beratenden Rahmens nicht identisch ist mit der, in der Spiritualität vorrangig angestrebten Auflösung der Ich-Persönlichkeit im Sinne eines sogenannten „Erwachens“, sondern in einer positiven Ich-Stabilisierung und Flexibilisierung der Ich-Persönlichkeit durch die erfahrbare Seinsebene liegt.
Diese Seinsebene wird im Menschen als still, friedlich, liebend, mitfühlend, frei, freudvoll, sinnhaft, angstfrei und oftmals als lichtvoll wahrgenommen. Wann immer der Mensch diese Ebene betritt, fühlt er sich angenommen, lebendig und kohärent. Er erhält Inspiration und Energie, sich dem Alltag mit seinen Problemen zu stellen.
Diese Ebene stellt die innere Grundlage dar, für seelisch wirksame Tugenden wie Dankbarkeit, Verbundenheit, Weisheit, Mitgefühl, Empathie, Güte, Hingabe, Demut, Selbstwirksamkeit, Großzügigkeit, Wertschätzung, Vergebung und Friedfertigkeit. Spiritualität beschreibt somit eine individuelle Erfahrung, die jedoch zu einer objektiven Verhaltensänderung und sogar zu einer positiv veränderten Biologie des Menschen führen kann.
In der Spiritualität macht der Mensch die Erfahrung, dass er weit mehr ist als seine biologische und kognitive Existenz. In dieser Erfahrung kann er sich zutiefst verankern und Mut, Hoffnung und Kraft zur Lösung seiner Probleme, oder besser, seiner Aufgaben finden. In dieser Erfahrung erfährt sich der Mensch über seine individuell konditionierte Persönlichkeit hinaus und kann sich als ein Teil eines umfassenden geistigen Feldes wahrnehmen und im besten Falle Lösungen in erweiterten Bewusstseinsebenen finden. Es ist ebenso die Erfahrung von Klarheit, Weisheit und einer bedingungslosen Liebe, die ihm zuteilwerden kann.
Spiritualität in diesem Sinn ist somit unter anderem die Fähigkeit eine größere umfassendere Perspektive als die der geläufigen Persönlichkeit einzunehmen und somit das Wahrnehmungsfeld des Ich-Bewusstseins zu erweitern. Erfahrbar wird Spiritualität als Verbundenheit mit sich selbst, mit der sozialen Umwelt, mit dem Ganzen und darüber hinaus als grenzenlose Liebe. Spiritualität entsteht im Gewahrwerden des Augenblicks und führt zu vermehrter Intuition, gesteigerter Kreativität, erhöhter Achtsamkeit, sowie in eine Offenheit und in ein Vertrauen dem Leben und allem Lebendigen gegenüber.

Meine Arbeit basiert auf der Grundannahme, dass der versperrte Zugang zu diesem ureigenen Sein eine der Hauptursachen für psychisches Leiden und Konflikte darstellt und deshalb handelt es sich um einen Ansatz, der davon ausgeht, dass wer diesen Zugang nicht parallel zum therapeutischen Prozess im Fokus hat, die individuellen Probleme nicht nachhaltig lösen kann. Aufgrund schmerzhafter Erfahrungen in der Vergangenheit, aber auch aus Unkenntnis der tieferen Wirklichkeit, wird das ursprüngliche Sein von begrenzenden Gedanken, Handlungen und Gefühlen überlagert und in seinem freien Ausdruck gehemmt. Der Zugang zum ursprünglichen Sein als Quelle für Entwicklung, Weisheit und letztlich Heilung bleibt weitgehend versperrt, und die Persönlichkeit muss im begrenzten Rahmen nach Lösungen suchen. Der konfliktbehafteten Persönlichkeit mit ihren destruktiven Gedanken-, Handlungs-und Gefühlsfeldern zu helfen, die Persönlichkeit in einem stimmigen Kontext zu stabilisieren, ist eine der Hauptaufgaben der Psychotherapie. Hierbei besteht das Ziel darin, dass der Klient ein Bewusstsein für und einen Zugang zu seinen begrenzenden Impulsen entwickelt und neue Handlungsoptionen erprobt. Eine der stärksten und häufigsten Ängste im Menschen, neben der Angst vor dem Tod, ist die Angst, nicht liebenswert. nicht gut genug zu sein und infolgedessen Verlust, Bestrafung oder Trennung zu erfahren.

In dem Versuch eine Lösung zu finden, wird oftmals die Quelle des Seins übersehen. Blind für sein eigenes inneres Wesen, kreist der Mensch verzweifelt um sich selbst und verliert gerade dadurch sich selbst und die Offenheit für die Seinsebene, die Linderung und Heilung schenken kann. In der Erfahrung der Spiritualität, dass Liebe die wahre Natur des eigenen Seins und der Welt ist, oder wie Teilhard de Chardin, der Jesuit und Wissenschaftler, sagte: „Liebe ist die materielle Struktur des Universums“, kann der Mensch, neben den Interventionen der klassischen Psychotherapie, auf Ressourcen innerhalb seines Seins zurückgreifen. Erst durch die tiefere Erfahrung des Angenommen seins und der Liebe ist der Mensch in der Lage sich der ganzen Wahrheit seines eigenen Lebens zu stellen und dem begrenzenden Schatten innerhalb der eigenen Persönlichkeit zu begegnen. In der Erfahrung von Liebe, kann das eigene Leben wahrhafter gewagt werden, ohne die lähmende Angst vor Trennung, Fehlern oder Schuld. Genau hier setzt auf Klienten-Ebene und in der Beratung mein Verständnis von „Spiritualität in der Therapie“ an.

Durch eine Vielzahl von Interventionen und Übungen wird der Mensch in die verschiedenen Bewusstseinsräume geleitet, in denen er selbst unverstellt die verschiedenen Aspekte des Seins explorieren kann. Dabei steht im Fokus von Einzel-und Gruppenprozessen, das Initiieren und Einüben der Erfahrung von Verbundenheit, Liebe, Mitgefühl, Hingabe, Dankbarkeit, Güte, Demut, Großzügigkeit, Vergebung und Friedfertigkeit. Aus diesem inneren Raum können Probleme oft in einem größeren Bezugsrahmen gelöst und innerer Stress reduziert werden.

Der andere entscheidende Aspekt von „Spiritualität in der Therapie“ bezieht sich auf die Ebene des Therapeuten selbst. Je mehr der Therapeut selbst in der Lage ist, heilende innere Räume zu betreten, diese zu modulieren und bei Bedarf zu verstärken, desto mehr kann er diese Räume im Klienten selbst öffnen helfen, bzw. für diesen in seiner Person eine Einladung „aussprechen“.
So wie wir uns neben einer unruhigen Person unruhig fühlen, so können wir uns neben einer friedlichen Person friedvoller fühlen.
Dabei kommt es zu einer Überlagerung von heilsamen Bewusstseinsfeldern, die ermöglichen, das Feld des Klienten zu stabilisieren und ihn zu neuen heilenden Erfahrungen zu befähigen.

Des Weiteren hält der in der Liebe verankerte Therapeut den größeren Bezugsrahmen für den Klienten und reduziert ihn nicht auf sein momentanes persönliches Leid. Allein dieser größere Bezugsrahmen, in dem ein Therapeut tätig ist, erzeugt zutiefst heilende Qualitäten und bietet dem Klienten eine energetische Orientierung. Der Therapeut ist also, neben seiner fachlichen Kompetenz und seinen Interventionen, im Idealfall ein Mensch, der sein Gegenüber so lange im übertragenen Sinne authentisch lieben kann, bis der Klient selbst in der Lage ist, sich an seine eigene Liebe zu erinnern und diese in ihm die Führung übernimmt. Oder anderes gesagt: Den Geist zu dem innersten Selbst hinzuführen, wo Wunder möglich werden und die blockierende Angst nicht überleben kann, ist die Aufgabe eines Therapeuten, der neben seinem Fachwissen auch in spirituellen Bewusstseinsfeldern verankert ist.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Herzens-und Bewusstseinsqualitäten eminent unterschätzte Wirkungsfaktoren in Therapie und Beratung sind. Unser Bewusstseinsfeld, das Feld, in dem der Therapeut oder jeder Einzelne agiert, ist maßgeblich für das innere Empfinden und den Heilvorgang mitverantwortlich und somit zutiefst zukunftsgestaltend.

Nur in der Stille, im Zustand des entspannten Seins, können Sie lernen Ihrer inneren Stimme zu folgen. Erst im Einklang mit einer großen Kraft, die uns alle umgibt, entstehen großartige Veränderungen und Impulse, die dann von der inneren Quelle des Menschen kommen können. Persönliches und universelles Herz werden hier eins. Liebe ist auf diesem Weg das vollkommenste Hilfsmittel, sie ist gelebtes Interesse, Sinn, die stärkste Verteidigung und die einzige Sicherheit. Liebe ist letztendlich die einzige Autorität, der es sich lohnt zu folgen. Liebe ist die Basis, auf der wir alle stehen. Zu dieser Liebe sind wir eingeladen uns wieder hin zu entwickeln. Aus meiner persönlichen Sicht und in meiner Welt gilt immer noch „Das Heilende ist die Liebe von Seele zu Seele, von Mensch zu Mensch.“

Psychotherapie und Spiritualitaet

In diesem Sinne ist es erforderlich, unser Bewusstsein zu schulen und tiefere Ebenen unseres Menschseins zu erschließen. Es bedarf einer Rückkehr des Menschen zu sich selbst, einer Rückkehr zum Sinn, eine Verbundenheit mit dem Leben. Es bedarf einer alltagstauglichen Seelenkompetenz und Anbindung an die in jedem Menschen angelegte Spiritualität. Verbunden mit dem Wunsch, dem Menschen in der Begegnung das Wissen einer nachhaltigen Seelenkompetenz zu eröffnen, und ihn darin zu unterstützen, seine ganz eigene, persönliche, ganzheitliche, umfassende Persönlichkeits-und Bewusstseinsentwicklung als Aufgabe zu bejahen, und aus einer erweiterten Wahrnehmungskompetenz sowie der Entfaltung von tragfähigen Herzens- und Bewusstseinsqualitäten im Sinne einer erfahrbaren Spiritualität zu schöpfen.

Ich unterstütze Menschen auf Ihrem Weg, in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung und eben auch bei der Findung einer alltagstauglichen für sie selbst hilfreichen, selbst entwickelten Spiritualität, sowie bei der Entwicklung von tragenden Herzens-und Bewusstseinsqualitäten. Ich sehe es als meine Aufgabe an, gerade auch non-verbale Energieaspekte und deren Einfluss auf unser Leben zu beleuchten, sowie Menschen bei der Entwicklung von emotionaler und spiritueller Intelligenz zu begleiten. Dabei spielt unter anderem auch die klare und strukturierte Darstellung von neurobiolo-gischen, verhaltenserlernten, energetischen und körperorientierten Zusammen-hängen eine wichtige Rolle für mich. Außerdem sind mir in meiner Arbeit die Verbin-dung von Wissenschaft und Spiritualität, und die Dialektik von Selbstverantwortung und der Erfahrung von Gnade wesentlich. Ich bin der festen Überzeugung: „Wir sind alle dazu bestimmt zu leuchten“, wie es Marianne Williamson einmal sagte. Das Schaubild von Otto Scharmer beschreibt den Prozess in wunderbarer Weise, den wir durchlaufen, um dieses Leuchten aus uns heraus oder gemeinsam in der Gruppe zu erwecken. Der Gang in die Tiefe wird von uns dabei immer auch als Risiko und Abenteuer, ja als Selbstveräußerung erlebt.

Theorie U - Otto Scharmer - Psychotherapie
Theorie U - Otto Scharmer

30. Dezember 2021 / Joachim Armbrust


Corona und Nachhaltigkeitsperspektiven

Einige Überlegungen, die weder Corona leugnen wollen, noch politische Entscheidungen unterlaufen wollen, aber ein Beitrag sein wollen, über das kurzfristige und manchmal auch atemlose Alltagshandeln hinaus zu schauen. Viel Spaß und Aufschluss beim Lesen!

Kleiner Vorspann

Wenn ich körperliche Symptome habe, dann stelle ich sie in einen Zusammenhang mit meiner Verfassung und versuche mir deren Ursächlichkeit zu erschließen.
Wenn meine Sehnen überdehnt sind, ahne ich vielleicht, dass ich sie überanstrengt habe, wenn ich am ganzen Körper Warzen habe, stelle ich vielleicht fest, dass mein Körper übersäuert ist.
Wenn ich Kopfschmerzen habe, habe ich mich vielleicht beim Nachdenken überanstrengt oder ich stehe unter großem Druck…
Herzrasen gibt mir vielleicht einen Wink dahingehend, dass ich Angst habe, vielleicht davor, verlassen zu werden…
Geht das Ihnen /Euch auch so?

Nehmen wir an, dass es auch eine Art gesellschaftlichen „Globalkörper“ gibt, dann wäre es unsere Aufgabe, nachzuspüren, warum in diesem globalen Zusammenhang Viren alles außer Kontrolle bringen können.
Was sehen wir nicht, was beachten wir nicht, worauf käme es vielleicht an? Worauf könnten Sie uns aufmerksam machen?
Der Text will ohne Anspruch auf Wahrheit und ohne globale Kritik an politischen Entscheidungsträgern zu üben, - die können im Moment nur im Nebel stochern und nur bedingt gleich die ganze Ursächlichkeit der möglichen im Hintergrund arbeitenden Themen treffen – einfach ermutigen selbst einmal darüber nachzudenken und nachzusinnen…

Ich erwarte keine kritiklose Zustimmung, keine solidarisch sein, ich wünsche mir, dass Du dir selbst Gedanken machst und zu verstehen versuchst.
Viele Menschen, die viele Gedanken haben, eröffnen vielleicht einen neuen Blick, der über das kurzfristige Handeln,, um Gefahr abzuwenden hinausführt,… Das wäre doch klasse!
Vielleicht kommen wir ja nicht nur auf eine Geschichte die uns Identität gibt und das Gefühl, Kontrolle zurückzugewinnen, vielleicht gibt es ja auch eine Geschichte, die uns einen Weg zeigt und zum Aufruf wird…

Corona

Das Virus war ein ungeschriebenes Blatt – erst nach und nach erweiterte sich der Erkenntnisstand im Hinblick auf Infektionswege, sowie typische Symptome und Verlaufsformen der Erkrankung. Die Behandlungsmöglichkeiten waren zunächst begrenzt, so dass Symptomlinderung und Verhaltensempfehlungen, die sich im Zusammenhang mit anderen hoch ansteckenden Erkrankungen bewährt haben, im Vordergrund standen (Abstand halten & Hygiene, später auch Alltagsmaske und vermehrtes Lüften). Angesichts der wahrgenommenen Bedrohungslage war es nachvollziehbar, dass größte Anstrengungen für die schnellstmögliche Entwicklung eines Impfstoffes verwandt wurden.
Zwischenzeitlich mussten die politisch Handelnden reagieren. In dem Bewusstsein vorläufig nur „auf Sicht“ fahren zu können, wurden Entscheidungen zur Krisenbewältigung – zumindest in der öffentlichen Darstellung – eng mit „der Wissenschaft“ abgestimmt und immer wieder nachjustiert.
Bei näherer Betrachtung wird allerdings deutlich, dass sich die Rat gebenden Wissenschaftler überwiegend aus den neuen Leitwissenschaften Virologie und Epidemiologie rekrutieren und diese Auswahl eine biopolitische Verkürzung eines Gesundheitsverständnisses begünstigt.
Die weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens (lock down) kann als die bisher größte nicht-medizinische Interventionsmaßnahme begriffen werden, die sich entgegen dem vorgestellten Schulterschluss mit „den Wissenschaften“ zu großem Teil nicht auf evidenzbasierten Annahmen stützen kann.
Mag dies in den ersten Monaten der Pandemie angesichts des Handlungsdrucks noch nachvollziehbar gewesen sein, so wird länderübergreifend nach Wirksamkeitsbelegen gefragt. Auch nicht-medikamentöse Maßnahmen können Nebenwirkungen haben.
Die Maßnahmen haben Konsequenzen für die sozialen Beziehungen der Bürger, für deren emotionale Verfasstheit, für die Organisierung des Gesellschafts-Körpers, und für die symbolische Ordnung. Dies weist über die Pandemie selbst hinaus und setzt bereits länger andauernde Entwicklungsprozesse fort.
Wir lernen uns in verordneten Rastern zu bewegen und unsere Bedürfnisse zurückzunehmen. Für die Älteren unter uns eine kleine Einschränkung, für die kleinen Kinder unter uns ein grundlegend persönlichkeitskultivierender Vorgang!
Sie lernen folgsam zu sein und ihre Bedürfnisse auszublenden.
Mit Ausbruch von Corona, war es aus gutem Willen fürs Ganze naheliegend, anzunehmen, dass die Corona-bezogene inflationierende Ängstigung und das damit verbundene kopflose Handeln ein Ergebnis von Überforderung, vielleicht auch von Blindheit gegenüber eigenen Ängsten und Bedrohungsgefühlen oder auch von aufkeimenden sich selbst überhöhenden Omnipotenz-Gefühlen war.

Denn nicht nur Patienten/innen oder die Bevölkerung schlechthin haben Ängste, sondern z.B. auch Ärzte/innen. Sie sind dem ungefilterten Patientenaufkommen ausgesetzt, wissen nicht, ob sie sich selbst anstecken, haben zusätzlichen Stress, weil sie Aufgaben der Gesundheitsbehörden übernehmen müssen und - sie müssen, wenn sie Kinder haben, die Schließung von Kita oder Schule auffangen oder bei eigenen Jugendlichen das Getrenntsein von ihren Peergroups auffangen helfen. Leider findet eine beziehungsmedizinische Sicht auf die Situation bis jetzt kaum statt.

Jeder Arzt wurstelt vor sich hin und entwickelt seine ganz eigenen Lösungen und schließt sich dem Mainstream unreflektiert an, um nicht herauszufallen. Denn die, die sich eine individuelle Handhabe erlaubt haben wurde in die Ecke von Verantwortungslosigkeit gestellt.

Aber auch Politiker haben Ängste, z.B. davor, in der eigenen Schockstarre politisch unterzugehen, unsichtbar zu werden. Oder davor, falsche Entscheidungen zu treffen und dafür ins Abseits zu geraten. Oder davor, als verantwortungsloses Weichei betrachtet zu werden, das keine Haltung findet und auch nicht den Mumm hat, Lösungen in Struktur- und Handlungsvorgaben hinein, vorzugeben.

Mit Großherzigkeit sei zunächst einmal darauf geschaut. Aber wir wollen darin jedoch nicht verharren. Denn eine Krise bringt immer auch eine Chance mit sich, das eigene Verhalten zu reflektieren und zu verändern. Die Kunst im Leben ist es, aus einer Krise zu lernen und im besten Fall gestärkt daraus hervorzugehen.

Wenn wir etwas Abstand zu den ganzen Prozessen suchen, die uns im Moment bewegen, dann dürfen wir festhalten: Die Arbeitsunfähigkeitsstatistiken der letzten Jahre zeigten bereits vor der Corona-Krise einen deutlichen Anstieg psychischer Erkrankungen. Ein steigender Kosten- und Zeitdruck, kognitive und zwischenmenschliche Anforderungen, sowie die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust tragen dazu bei, dass Arbeitsnehmer zunehmend psychisch belastet sind.
Um die Arbeitnehmer in diesen Punkten zu entlasten, bedarf es Methoden, die in ihren Alltag passen und einfach anwendbar sind. Das Ziel ist dabei immer, den Arbeitnehmer dabei zu unterstützen, in einen Zustand zu finden, der es ermöglicht, unter allen denkbaren Bedingungen, die eigene Leistungsfähigkeit zu erfahren. Eine große Leistungssteigerung ergibt sich z.B. daraus, wenn es uns gelingt, dass die Amygdala im Gehirn, welche bei Bedrohungen aktiv wird, keine weiteren Stressreize empfängt. Somit wird das Abwehrsystem in einen ruhenden Zustand versetzt und der Körper schüttet weniger Stresshormone, wie z.B. Cortisol aus. Allein das ermöglicht es, auf die vorhandenen Ressourcen zurückzugreifen und sachliche Entscheidungen oder Denkkonstruktionen zu entwickeln, die uns dabei helfen die Herausforderung aus der Ruhe anzunehmen und kreativ-schöpferisch zu bestehen. In Verbindung zukommen mit dem eigenen Sein, dem Urgrund also, aus dem wir leben, kann Wunder bewirken und das allgemeine Wohlbefinden unglaublich steigern.
Doch genau das Gegenteil haben unsere politischen Kräfte, auch die öffentlichen Medien, als Sinnerzeuger und den Zusammenhängen Bedeutung gebende Instanzen, auf den Weg gebracht. Dialog, multidisziplinärer Austausch, Diskurse über verschiedene Ansätze, wurden unterdrückt und Angst bei den Menschen geschürt. Allmählich konnte bei der/dem wachen Beobachter/in das Gefühl entstehen, dass das Vorgehen beabsichtigt ist.
Die Maßnahmen waren alle so angelegt, dass wir über Zahlen, technische Daten, verwaltungstechnische Kontrollmechanismen und Datensammelkorridore uns Informationen kreieren, die uns dann zum Leitstern für unser automatisiert geführtes Handeln werden, das sich an nicht mehr tragfähigen Werten orientiert. Im schlimmsten Fall könnte sich daraus eine neue Gesellschaftsordnung ergeben, die sehr stark über künstliche Intelligenz und Digitalisierung geprägt ist.
Digitalisierte Vorgabesysteme, machen es dem Verwaltungshandeln leicht, Menschen „auf Spur“ zu bringen, in jedwedem Sinne. Außerhalb der angelegten und eingeladenen Vorgangsstrukturen tut sich ein Unraum auf, der uns vereinsamen lässt und uns ins Nichts stürzt, wenn wir auf das Leben außerhalb in freieren, aber auch gemeinschaftsbezogenen, Räumen beharren. Diese Mechanismen ermöglichen es also, jeden Menschen bis ins Detail zu kontrollieren.
Zudem wird der Mensch über die Logik des Verwaltungshandelns seinen Subjektstatus verlieren und mehr und mehr zu einem Objekt werden, das am Ergebnis gemessen wird und daran, ob er sich „einspurt“ oder „ausschert“. Wie können wir den Trend zu einer totalen Instrumentalisierung des Menschen entgegenwirken?
Oder noch grundlegender gefragt, wollen wir das überhaupt oder fühlen wir uns nicht in diesem geführten „Pups-warmen“, Gemeinschaftsbrei, der von uns allen das Gleiche verlangt, aufgehoben und von unserer Eigenverantwortung entlastet? Macht es Sinn, die Vorschrifts- und Hygiene-Diktatur, die wir aus der Tierhaltung kennen, auf den Menschen zu übertragen, obwohl wir doch dort die Erfahrung gemacht haben, dass die alleinige Beschäftigung mit Kennziffern, Vorgabekontrollen rechnerischer Art nicht zu einer Verbesserung der tierischen Lebensumstände geführt haben, sondern uns abgelenkt haben von dem, was das Wesen der Tiere an Lebensbedingungsraum braucht, damit sie ein Leben in Selbstwürde leben können, auch wenn sie uns gleichzeitig als Nahrung dienen.

Die Frage, die ich mir an diesem Punkt stelle und die ich mir erlaube auch Ihnen als Leser zu stellen, lautet:

„Wofür möchtest du leben?“

Leider können sehr viele Menschen mit einer solchen Frage gar nichts mehr anfangen. Unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben ist heute so strukturiert, dass die meisten von uns sich solch einer Frage gar nicht mehr stellen müssen und damit leicht manipulierbar werden. Dies geschieht schon allein dadurch, dass sich Prozesse von uns Menschen und unseren Bedürfnissen abgekoppelt haben und uns nicht mehr dienen, sondern zu Selbstläufern geworden sind, die aus ihrer inneren Logik des immer mehr und immer besser, immer schneller und immer effektiver und möglichst auch immer kostensparender, uns Menschen aus dem Auge verloren haben und ihrem selbsternannten Selbstzweck dienen.
Wer die von mir gestellte Frage allerdings klar für sich beantwortet im Sinne seiner Natur und seines angelegten Grundwesens unter Blick auf unsere Primärbedürfnisse, wie z.B. unsere Mitwelt intakt zu erhalten, Naturschutz, Artenschutz aktiv zu betreiben und unser Klimabewusstsein zu schärfen, um die Auswirkungen unseres Handelns besser einschätzen zu lernen und dafür Verantwortung zu übernehmen, der kann sich in diesen Systemabläufen mit ihrer selbstproduzierten und abgekoppelten Logik nicht mehr bewegen.
Wie aber nun könnte die Logik aussehen?
Das Gesellschaftsmodell heißt möglicherweise individualisierte Gemeinschaft. Eine solche Gemeinschaft lässt sich allerdings nur mit Menschen aufbauen, die wissen, wer sie sind und was sie wollen. Wenn sich solche Individuen zusammenschließen, ist die Entfaltung der in jedem Einzelnen und auch der in jeder Gemeinschaft angelegten Potentiale unvermeidbar.
Klasse wäre es, wenn sich Menschen finden würden, die zusammen arbeiten wollen, die an solchen Findungsprozesse interessiert sind, die nach gelebten Antworten suchen, die Individualität, Gemeinschaft und unsere Lebensgrundlage - die Erde auf der wir leben - miteinander in einer vereinbarten und sich weiter entwickelnden Lebensgestalt verknüpfen. Natürlich unter Einbeziehung vielerlei Perspektiven, die die Notwendigkeiten für unsere Lebensgrundlage mit implizieren.
Offenbar ist man beim Hineinwachsen in unsere Welt aufgefordert, Bedürfnisse auszublenden und zu unterdrücken. Zum Beispiel das Bedürfnis nach Aufgehoben sein und sich sicher fühlen zu wollen im Vertraut gemachten oder das Bedürfnis, dieses zunächst als schützend empfundene Milieu, schrittweise in Abstimmung mit unserer Reifestufe bzw. unserer Entwicklung neugierig-zögernd dialektisch zu überwachsen hinein in mehr Autonomie..
Das Bedürfnis nach Autonomie, das Bedürfnis nach Selbstgestaltung, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit, das Bedürfnis nach Gehört werden und Verstanden werden, das Bedürfnis in der Sprache der begleitenden „Beschützer“ so vorzukommen, dass wir uns darin wiederfinden und uns erkennen und verstehen lernen und damit auch in Kontakt mit den grundlegenderen Lebensgesetze in Kontakt zu kommen und ein Gespür für sie zu entwickeln. Auch das Bedürfnis nach Bewegung und Körperlichkeit, wie auch nach Sinnlichkeit, müssen wir, wollen wir uns im vorgegebenen Rahmen bewegen, ausblenden lernen, in der bisher vorherrschenden Kultur. Das geht oft soweit, dass wir den Kontakt dazu verlieren und auch nichts mehr von den unterdrückten Bedürfnissen wissen.
Denn das Unterdrücken unserer lebendigen Bedürfnisse ist eine aktive Leistung, die dadurch gelingt, dass ich mich mit dem operativen Täter der Bedürfnisunterdrückung identifiziere und die zunächst wahrgenommenen Bedürfnisse aus meinem Bewusstsein nehme, um unausgesprochen geforderte Loyalität zu leben und mir dadurch die Verbundenheit zum Regelgeber zu erhalten. Gelingt mir dieser Schritt, habe ich selbst die Verbindung zu meinen ursprünglichen Bedürfnissen verloren.
Da das ja in dieser äußeren wie auch inneren Konfliktsituation hilfreich ist, identifiziert man sich auch mit dieser Lösung und kann nur schlecht davon abweichen, weil das nämlich die damit verbundenen existentiellen Ängste wieder wecken würde.
Gelingt es uns durch sich wiederholende einschneidende Erlebnisse wieder in Kontakt mit den unterdrückten, gehemmten, umgelenkten Bedürfnissen zu kommen, spüren wir einerseits Wärme, Mitgefühl für uns selbst und es entstehen berührende Situationen, weil in uns etwas anklingt, wozu wir lange schon keine Verbindung mehr hatten. Es keimt aber auch Angst auf, weil es schwer ist, Vorstellungen zu entwickeln und Lebensräume zu finden oder zu gestalten, in denen das auch gelebt werden darf.
Wir sind also neben dem Coronavirus SARS-CoV-2 wohl zudem mit einer ganz anderen Art Virus befallen, einem „geistigen Virus“. Ist es doch so, dass wir uns vor der Corona-Pandemie in der Hektik des Alltags mehrheitlich keine Ruhe gegönnt haben und von Ort zu Ort eilten. Wir waren von den technologischen Errungenschaften unserer Kultur in konsumtiver und einer extrem beschleunigten Lebensweise getrieben. Die industrielle Revolution 4.0 und deren ungeahnte Möglichkeiten wurden ausgerufen. Die Welt schien auf grenzenlose Weise verfügbar, zugleich war sie in der Sehnsucht nach Geborgenheit entortet und entfremdet. Und bei all dem Verlangen nach einer entschleunigten Lebensweise schauten wir uns zur vermeintlichen Entspannung die aktuellen Krimiserien an, als würde es nicht ausreichen, die kriegerischen Auseinandersetzungen zur Kenntnis zu nehmen zu müssen. Und bei den „ungebetenen“ Gästen, denen wir zusehen, wie sie dem Tod im Meer ausgeliefert sind und ihr Land wergen der verheerenden Kriege verlassen müssen, inszenieren wir ein angstdominiertes Schreckensszenario, indem wir wieder fremdenfeindliche Reflexe der Aussperrung bedienen. Sind wir Menschen gegen die Not von Flüchtlingen immun geworden? Sehen wir nicht, dass unsere Lebensweise in vielen dieser Länder auch zu klimatischen Veränderungen führen, die deren Not vergrößert und für die wir in Verantwortung stehen? Gleichzeitig bringt uns Corona wieder in Kontakt mit der Endlichkeit unseres Lebens. Und das ist mehr als wichtig, es ist not-wendig: Denn der Tod wird gesellschaftlich schon lange so gestaltet, dass jedes Aufkommen von Affekten und leiblichen Regungen möglichst vermieden wird.
Sterben und Trauer sind im öffentlichen Raum weitgehend abhandengekommen, wenn sie nicht gerade für „Menschen mit Bedeutung im öffentlichen Leben“ inszeniert werden, aber dann doch nur, damit sie in unserer Erinnerung „überleben“ und dadurch unsterblich werden.

Es ist vor allem die Angst um den Verlust der materiellen Errungenschaften, die den „homo oeconomicus“ in der Nutzenmaximierung fest im Würgegriff hat. Ist es gar der „homo consumens“, den der Psychoanalytiker Erich Fromm als ängstlichen und entfremdeten Menschen beschreibt, der hier wirkt? Konsumieren ist etwas Zweideutiges: Es vermindert die Angst, weil mir das Konsumierte nicht weggenommen werden kann, aber es zwingt mich auch, immer mehr zu konsumieren, denn das einmal Konsumierte hört bald auf, mich zu befriedigen.

Haben wir denn nicht bemerkt, wie uns die Angst leitet? - Dass sich in uns längst eine Schockstarre ausgebreitet hat, die uns lähmt und die uns gleichzeitig in eingeübten Handlungsbereitschaften und gesellschaftlich eingespieltem Kulturhandeln verharren lässt, die lange schon ausgedient haben?

Viele von uns sehnen sich nach der Stille, wollen neu anfangen, ahnen, dass wir neu anfangen müssen. Corona hat uns eine erste kleine Möglichkeit geschaffen, etwas von dieser Qualität wieder in uns hineinzulassen, mit mehr oder weniger Angst bzw. Erfüllung. Bei denen, die erfolgreich sind, hilft die Zeit der Besinnung wieder Kontakt mit ihren primären Sehnsüchten und Wünschen aufzunehmen. Sie sind nicht mehr nur von Sorge getrieben, ihre Kinder für die Wissensgesellschaft fit machen zu
müssen. Sie fangen an zu erkennen, dass das Spiel selbst, das experimentelle Ausprobieren und neugierig Erfahrung machen, die nachhaltigste Form des Lernens als Kultur schaffende Funktion von Fantasie und Kreativität darstellt. Hier wird vom Subjekt her gelebt, als auch ausprobiert - und damit auch aus Erfahrung gelernt. Es wird nicht länger mehr dem Objekt eingeflößt, was von seiner vermittelten Perspektive her längst anfängt, sich aufzubröseln.

Wir entdecken schon seit längerer Zeit existierende Methoden der Geistesschulung, z. B. die Achtsamkeit. In einer bisher noch nie praktizierten Rücksichtnahme für unsere Mitmenschen bietet uns gleichwohl die auf uns selbst gerichtete Beobachtung ungeahnte Möglichkeiten für die Erfahrung des inneren Standortes. Wir hatten uns ein inneres Trugbild geschaffen. Wir erkennen plötzlich unser bisheriges Bestreben vor anderen im besten Licht dazu zu stehen und können heute dem inneren Wachstum den Vorrang gegenüber der Verdrängung der Selbsterkenntnis in geschäftigem Alltag den Vorrang einräumen. Es entsteht Selbstmitgefühl und dadurch auch Mitgefühl für andere. Das für den inneren Fortschritt so bedeutungsvolle Selbstvertrauen erfährt auf diese Weise eine Entfaltung, die Wissensklarheit und Zufriedenheit befördert. Anstatt nach Außen alles immer größer, besser und noch effektiver und billiger zu machen, fangen wir an, zu begreifen, wieviel wichtiger es ist, nach innen zu reifen.

Die Wissenschaft erhält inzwischen die Anerkennung, die ihr gebührt, indem sie im interdisziplinären Dialog nach und nach in die politischen Entscheidungen einbezogen wird. So wird die Forschung nicht mehr abstrakt im Olymp angesiedelt, sondern sie bietet für das Verständnis der komplexen Fragen im politischen Diskurs entscheidende Impulse. Wir beginnen, Wissenschaft als einen Lernprozess zu betrachten, in dem neues Wissen generiert wird. Traditionelle Erkenntnislage ist, Wissensstände stets als korrigierbar zu definieren. In diesem Zusammenhang erinnern wir uns an den klugen Hinweis in der griechischen Philosophie, namentlich von Sokrates ausgesprochen, „ Ich weiß, dass ich nicht weiß.“, welcher schon seinerzeit grundlegende Bedeutung hatte.

Was hält nun in einer solchen Zeit Menschen gesund, ist hier die salutogenetische Frage. Salutogenetisch sind die Menschen am besten ausgestattet, die eine relativ stabile Lebensorientierung und durchtragende Zuversicht im Hinblick darauf entwickeln können, dass ihr Leben prinzipiell nachvollziehbar bzw. verstehbar, sinnstiftend und zu bewältigen ist. Sie sind getragen von der Grundüberzeugung und Zuversicht, die Anforderungen des Lebens mit den ihnen gegebenen Ressourcen zu bewältigen und zwar unter dem Zeichen von Naturschutz, Lebensschutz, Klimaschutz, also von grundlegender Achtung und Liebe für unsere Lebensgrundlage. Es ist die Verstehbarkeit, die Bewältigbarkeit und die Sicht auf den Sinn des Geschehens, die den Menschen in die Lage versetzen mag, im Kontext des Lebens trotz aller Herausforderungen stets einen kohärenten, Sicherheit bietenden Halt in sich selbst, zu finden.

Möglicherweise geht es auch für uns als gesellschaftliche Gemeinschaft darum, Globalität neu zu denken, bisherige Werte zu überprüfen und zuzulassen, dass wir alle vor diesen bevorstehenden Neuerfindungs- und Veränderungsprozessen Angst haben. Anzuerkennen, dass uns das Klima im Nacken sitzt, dass unsere Welt größer und verbundener und damit schneller und „heißer“ geworden ist und dass es eine neue Verlangsamung geben muss, die mehr Raum lässt - und die entstandenen Reibungsnähen, die dazu geführt haben, dass wir uns in einem Hamsterrad der Rituale haben gefangen nehmen lassen wieder abkühlen hilft - die wieder mehr Abstand ermöglicht, dass jeder Einzelne von uns diesen Prozess des Neuerfindens mit mehr Respekt und Achtung vor der Natur, vor dem Lebendigen, vor unserer eigenen Natur und Lebendigkeit, ergreifen und gestalten kann.

Natürlich sehnen wir uns nach einem Orchesterleiter, der uns jetzt sagt, wo es hingehen soll, der uns die Töne und die Melodiefolgen in ihrer Betonung vorgibt. Doch der Ruf nach dem Orchesterleiter verhallt, wenn alle Beteiligten bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und wenn sich alle in Abstimmung mit dem vorhandenen Wissen und dem neuen Blick auf das Wissen, gemeinsam beraten und abstimmen. Statt auf die Bekanntgabe von Entscheidungen zu warten, geht es doch um koordiniertes Lernen auf der Suche nach den effizientesten Reaktionen auf eine Herausforderung, die zum Gelingen eines förderlichen Gesamtwerkes, eben dem der Gesundheit, beitragen.

Noch eines:
Die Langeweile oder Plackerei einer sicheren, nicht stimulierenden Beschäftigung. Das Leugnen eines Problems verschlimmert ein Ergebnis. Das Vermeiden von schwierigen Dingen führt zu Abhängigkeit, Stagnation oder Selbstverlust. Machen Sie Fehler mit dem Ziel, aus ihnen zu lernen! Bemühen Sie sich, Stress zu bewältigen, anstatt ihn zu eliminieren. Minimieren Sie den Schaden, indem Sie eine Schwierigkeit zu Ihrem Vorteil wenden. Eine Herausforderung bringt den nötigen Ansporn.
Eine Herausforderung hilft Ihnen, sich der Angst zu stellen und sie zu überwinden. Die Herausforderung ist ein Segen, der Sie in gewisser Weise stärker und widerstandsfähiger machen wird. Öffnen Sie sich für das Licht der Welt, lassen Sie es in sich hineinfließen, lassen Sie sich davon bestärken und öffnen Sie es für Ihre Umgebung, lassen Sie es in ein zirkulierendes Fließen kommen, damit alle davon profitieren können. Stellen Sie sich allem, was auf Sie zukommt, und vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeit, zu den notwendigen Veränderungen, die dem Wohle aller dienen sollen, beitragen zu können, auch durch Ihre oder gerade durch Ihre ganz persönlichen Lösungen auf die Sie kommen.
Denken Sie daran, dass innerer Druck, der sich ergibt, wenn das äußere oder das innere System in Bewegung kommt, eine wichtige Voraussetzung, ein wichtiges Element für Kreativität, Wachstum und Fülle ist!!

Je größer die Angst oder besser, die gefühlte Bedrohung, desto mehr wünschen sich viele Bürger/innen den Staat als Vormund, der neben dem, dass er die Richtung vorgibt, auch alle bestraft, die nicht folgsam sind. In der Krise, wollen viele Entschlossenheit sehen und Autorität spüren, gerne sogar Autoritäres, in der Hoffnung, dass das zu einem schnellen Ende der Krise führt. Regieren ohne Debatten im Bundestag, das kommt in solchen Zeiten gut an. Politische Kräfte, die nicht lange fackeln, Nägel mit Köpfen machen, zeigen, was jetzt Sache ist, sind bei den vielen beliebt. Vor Corona haben sich Menschen, die sich mit Video- und Kommunikationsüberwachung, mit Vorratsdatenspeicherung und Gendateien ausgesprochen haben, verdächtig gemacht, jetzt gilt er als Lebensretter, weil einem die Gefahr so nah auf den eigenen Leib gerückt ist. Mit Neid schauen heute viele auf Staaten wie China oder Südkorea, wo es mehr Disziplin, weniger Debatten und niedrigere Infektionszahlen gibt als in Europa. Da stehen die Überwachungskameras dicht an dicht, da müssen die Menschen ein iPhone/Handy tragen mit dem ihre Bewegungen staatlich nachverfolgt werden können. In China werden Menschen, die keine Maske tragen, von Überwachungsdrohnen per Lautsprecher scharf zurechtgewiesen. In Südkorea werden Kreditkartendaten nach jeder Nutzung der Karte an staatliche Stellen weitergemeldet. Solche Kontrollsysteme, erinnern an die Überwachung mit der elektronischen Fußfessel, wie wir es auch in Deutschland kennen, - allerdings beschränkt auf Verurteilte, die zuhause ihre Haftstrafe absitzen. In sehr obrigkeitsstaatlichen Systemen wird jeder Mensch zum Gefangenen der „Volksgesundheit“.
Die Risikogesellschaft sah sich auch bisher schon, also auch vor Corona, wachsenden Gefahren ausgesetzt: Organisierte Kriminalität, Wirtschaftskriminalität, Drogenkriminalität, Terrorismus, bewusst in Kauf genommene Umweltzerstörung… Diese bisherigen Unsicherheiten kulminieren nun in der Corona-Krise. Die Bedrohung ist mit Corona für jeden so spürbar, wie noch nie, bei welch auch immer bisher erfahrenen Bedrohungsszenarien.
Deshalb lässt sich beobachten, wie sonst eher kritische Bürger/innen schon abwehrend reagieren, wenn ein Skeptiker bloß zu fragen wagt, ob das angemessen sei, was Vater Staat da an Verboten, Ausgangssperren, Schul- und Betriebsschließungen, verordnet.
In Zeiten, in denen der Täter Corona heißt, gilt der Datenschutz für viele plötzlich nichts mehr. Wenn man sich auf den Begriff genauer einlässt, dann stellt man fest, er ist auch irreführend. Er klingt so, als schütze er abstrakte Daten. Er schützt aber Menschen, ihre Integrität, ihren persönlichen Raum und ihre Privatheit. Plötzlich genießt dieser Schutz nicht mehr dieselbe Achtung, wie er sie vorher hatte.
Das gesellschaftlich fokusierte Corona-Denken ist dabei, die Individualgrundrechte zu vergemeinschaften und der Volksgesundheit unterzuordnen. Die Individualrechte werden kollektiviert. Der einzelne Mensch und seine Rechte treten zurück hinter dem Großen und Ganzen, hinter kollektiven Werten.
Ein freiheitsfeindlicher Zeitgeist diskreditiert Grundrechte als Egoisten-Rechte. Das ist eindeutig nicht richtig!
Es sind schlicht Rechte, die nach unserem Grundgesetz voraussetzungslos gelten – und zwar für jeden; man kann und muss sie nicht erwerben, auch nicht durch eine Impfung. Sie gelten für Geimpfte und Ungeimpfte.
Es ist dies die Gefahr: Die Menschen gewöhnen sich daran, dass heftige Einschränkungen der Grund- und Bürgerrechte zu den Bewältigungsstrategien einer Krise gehören – und dass das Unverhältnismäßige in Krisen als verhältnismäßig gilt. Die Individualgrundrechte werden aber auf diese Weise nicht nur eingeschränkt, sie verändern komplett ihren Charakter. Sie werden gebraucht, verbraucht und vernutzt, um Kollektivgüter zu schützen. Wenn Corona durchgestanden ist, könnte sich das bei anderen Krisen und Katastrophen fortsetzen.
In 50 Jahren werden die Menschen möglicherweise mit unserer Lebenszeit die Ära verknüpfen, in der mithilfe der Digitalisierung die allgegenwärtige Überwachung durch den Staat begann. Ich finde, unsere Gesellschaft, sollte sich gegen diese mögliche Gefahr impfen. Hier gilt meiner Ansicht nach Impfpflicht!

Wir befinden uns mitten in einer Neuordnung des Sozialraums.
Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Nähe und Distanz, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert werden (müssen). Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet. Ich behaupte, dass in dem, was wir als Einbruch in die uns „normal“ erscheinende Welt erleben, langfristige Entwicklungen zu Ausdruck kommen und im umfassenden Sinne neue Formen der gesellschaftlichen Interaktion und Organisation ankündigen.
Die Corona-Krise darf deshalb als umfassende Wandlungskrise der Gegenwartsgesellschaft verstanden werden und der Umbruchscharakter kommt in der Rede von den „Corona-Zeiten“ verdichtet zum Ausdruck.
In der frühen Phase des Lockdowns bestand eine bemerkenswerte Sensibilisierung für die Umstrukturierung des Sozialraums und die Folgen für die sozialen Beziehungen, die sich aus dem Gebot des Abstandhaltens und des Zuhause-Bleibens ergeben.
Die mit dem Lockdown verbundene, soziale Isolation erinnert an die von Norbert Elias beschriebene Figur des „homo clausus“ (Figurations- und Prozesssoziologie) als Resultat der Verinnerung von Fremdzwängen zu Selbsstzwängen im Prozess der Zivilisation.
Könnte das, was in der Akutsituation epidemiologisch geboten erscheint, über das Ende der Pandemie hinausgehend Folgen für die Gestaltung künftiger sozialer Interaktionen haben und sich dauerhaft in der psychischen und affektiven Struktur der Menschen niederschlagen?
Die große Frage lautet: „ Verändern die in der existenziell empfundenen Krise als direkte Antwort und Intervention eingeführten Verhaltensregulationen längerfristig die Art und Weise, wie wir einander begegnen, ohne, dass es dann gesetzlicher Verordnungen und Strafandrohung braucht, und die Art und Weise, wie wir wahrnehmen, denken und fühlen?“
Die Veränderung der Regeln zur Distanzregulierung zeichnet sich in Gestik (Ellenbogen statt Händeschütteln) und Mimik (Maske statt Ausdruck) ab und ist auch symbolisch wirksam.
Der wechselseitige Ellenbogenstoß hat paradoxer Weise eine Verringerung des Abstandes zur Voraussetzung und transportiert gegensinnig mit dem Zeichen der wechselseitigen Rücksichtnahme stärker als der Händedruck zugleich das vorhandene Aggressionspotential. In ähnlicher Weise verdeckt die Maske den Ausdruck und stimuliert parallel die Phantasien über das Verdeckte. Die Umsetzung erfordert also in besonderem Maße Ambiguitätstoleranz.

„Wie soll das denn gehen: der Mensch, der doch ein soziales Wesen ist, soll nun eben das Soziale meiden, das plötzlich existentielle Risiken für ihn bedeutet. Menschen mit Handschuhen, mit Mundschutz, besorgter Blick, ängstliche Bewegungen.“

Mit der Veränderung des Verhaltens der Einzelnen verändert sich auch ihr Verhältnis zueinander. Elias zufolge lassen sich Gesellschaften als Figurationen von Körpern beschreiben, die sich nach Regeln bewegen.
Hervorzuheben ist, dass die Körper dabei zugleich als biologische Wesen und als Kommunikationsmedien zu begreifen sind. „Just diesen Doppelcharakter machen sich Viren ja zunutze. Um sie zu bekämpfen, wird jetzt die Sozialfunktion der Körper extrem reduziert.“
Anders gesagt: Die Bewegungsregeln werden verändert, Erfahrungs- und Begegnungsräume begrenzt.
Damit steigt auch unabhängig vom Infektionsgeschehen das Risiko sozialer Distanzierung, Spaltungsprozesse sind die Folge und der über die alltägliche soziale Interaktion als selbstverständlich erlebte Unterbau der pluralistischen Demokratie wackelt. Gesellschaft ist ein körperlicher – oft stummer – Prozess.
Diese den Alltag strukturierenden Veränderungen gehen mit Verunsicherung einher, und die sich etablierenden Regeln werden selbst von politisch Verantwortlichen immer wieder übertreten.
In der derzeitigen Debatte besteht keine Einigung darüber, wie dieser soziale Prozess zu bewerten ist. Während Horx im Virus einen Evolutionsbeschleuniger sieht und die Frage aufwirft, „ob das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso ändern wollte?“, befürchten andere, eine parteiliche Zunahme sozialer Kontrolle oder gar eine Art Hygienediktatur.
Während Horx angesichts der sich ausbreitenden Krise hoffnungsvoll darauf setzt, dass mit dieser eine neue sinnstiftenden Erzählung entstehen werde, konstatierte Phil Langer zeitgleich, dass derzeit keine Orientierung in der Informationsflut möglich sei, da ein gemeinsames Narrativ fehle. Dies verweist darauf, dass die Frage, welche Deutungskonzepte sich durchsetzen nicht unabhängig von sozialer Macht, sowie unterschiedlichen Bedürfnislagen und Interessen gedacht werden kann. Knoblauch interpretiert die Corona-Krise als Konflikt zweier Raumkonfigurationen, nämlich der – derzeit typischerweise von Territorialregierungen und Experten favorisierten Container-Lösung tendenziell geschlossener Räume, die mit einem weitgehenden Verlust der Öffentlichkeit einhergehen und der eher bottom-up entwickelten Netzwerkstrukturen. (Zunächst werden abgegrenzte, detaillierte Teilprobleme gelöst, mit deren Hilfe dann größere, darüber liegende Probleme etc. Die einzelnen Teillösungen werden von „unten” nach „oben” zusammengesetzt, bis das Gesamtproblem gelöst ist.)
„Territoriale Räume folgen der Logik des Setzens und Ordnens mit klar gezogenen Grenzen und Einschränkungen der Vielfalt (nach innen). Demgegenüber folgen Netzwerkräume der Logik der Relationalisierung des Heterogenen. In Netzwerkräumen werden entfernte Elemente in Beziehung gesetzt und Unterschiede zwischen den Elementen sind die grundlegenden Merkmale.

Das Eigene und das Fremde

Das Virus ist uns fremd – und wir können nicht einmal sagen, ob es sich um „Leben“ handelt. Und doch ist es in der Lage uns zu infiltrieren – und diese mögliche Grenzüberschreitung knüpft an archaische Ängste an.
Dieses Fremde erscheint als gefährlich, es kann schwerwiegende Krankheitsverläufe hervorrufen, und weil das Virus hochansteckend ist, werden auch mögliche Überträger zur Gefahr. Damit gibt es gute Gründe, sich vor dem Anderen zu fürchten, und dieses schienen zunächst Menschen (und Tiere) aus der Fremde zu sein. Doch die Grenzschließungen schützen nicht, das Virus breitet sich aus, auch hierzulande, zunächst in sogenannten Hotspots, und mittlerweile flächendeckend. Damit kann ein jeder zum gefährlichen Anderen werden – eine Grundsituation, die Abgrenzung fördert und Misstrauen begünstigt.
Die Angst vor dem Anderen rührt nicht zuletzt daher, dass wir uns unserer Selbst nicht sicher sind. Hier lohnt sich ein Umdenken.
Reinhold Görling erinnert daran, dass auch wir Menschen schon immer in Gemeinschaft mit Viren leben und diese Interaktionen geradezu zu besseren Interaktionen mit der jeweiligen Umwelt beitragen kann.
Das Covid19-Virus ist demnach kein Außen, es ist ein anderes in uns, das uns nicht guttut, das wir uns aber auch nicht einfach gegenüberstellen können.
Wir müssen uns selbst verändern, unser soziales Verhalten, unser bewusstes Denken, aber auch das Wissen unseres Körpers.
Statt von unabhängig gedachten Organismen auszugehen, die wechselseitig füreinander lediglich Umwelt darstellen und gegen die wir uns jeweils immunisieren können, ist es sinnvoll, von einem immer schon ineinander verwobenen, emergenten Geschehen her denken zu lernen.
Wir müssen lernen mit dem Virus zu leben, statt gegen ihn zu agieren. So paradox das auch klingen mag: wir leben in Gemeinschaft mit dem Virus, wir müssen Gemeinschaften mit ihm bilden.
Wenn wir uns das Geschehen einmal so versuchen zu denken, dass es uns Hoffnung und Anstoß gibt, wie könnte sich das formulieren? „Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine Richtung in der es keine Zukunft gibt.“ Anders formuliert: Wir stehen gegenwärtig vor der Aufgabe, uns vermehrt Schutzräume vor übergriffig werdenden gesellschaftlichen Anforderungen zu schaffen, um unsere Naturbasis – die eigene wie die der uns nährenden Umwelt – zu erhalten. Insofern steht die Neuaushandlung des Verhältnisses von Nähe und Distanz auf der Tagesordnung. Sie steht dann aber nicht im Dienst sozialer Kontrolle, sondern der Stärkung von Autonomie und Partizipation. Sie orientiert sich nicht auf einen „homo clausus“ zu, sondern auf einen homo integrus, und sie ist untrennbar verbunden mit dem Abbau sozialer Distanz innerhalb der Gesellschaft und zwischen Gesellschaften.
Deshalb die ganz wichtige Frage: Wie können wir reifen statt wachsen?
Wir zerstören unsere Erde, weil wir gegenwartsversessen und zukunftsvergessen sind.

Viele Kinder und Jugendliche beginnen, uns zu durchschauen und sich gegen den Verbrennungswahn gegen unsere Pyromanie, zu wehren. Die rasche solare Energiewende ist zur Überlebensfrage der Menschheit geworden. Wir brauchen laut Dalai Lama eine Weltrevolution des Mitgefühls. Die letzte entscheidende Frage lautet: Wie bekommen wir den wirklichen Wandel?
Nicht mit Angst, sondern mit positiv besetzten Emotionen wie Mitgefühl und Achtsamkeit. Die Technik allein wird uns nicht retten, wir brauchen eine Spiritualität, die in Verbindung steht mit unserem Urgrund, der uns trägt, und uns dahingehend führt, dass wir diesen Urgrund und damit ja auch uns selbst schützen und wiedererstarken lassen wollen.
Wir brauchen einen Neuen Gott, der unser aller Akzeptanz findet. Denn Gott ist geistige Energie – die Sonne hinter der Sonne.

Die Klimaerhitzung ist ein Weltkrieg gegen die Natur und das betrifft alle Länder. Wir werden unterscheiden lernen müssen zwischen Kriegsflüchtlingen und Flüchtlingen, die durch den Klimawandel von uns zur Flucht gezwungen wurden. Danach gibt es kein zurück.
Mit den Urwäldern stirbt nicht nur die Idee einer beseelten Natur, in der alles mit allem zusammenhängt, sondern wir zerstören sogar unsere eigenen Lebensgrundlagen. Wir Menschen sind vom Klima abhängig und unser vernetztes Denken ruft uns in ein Verantwortungsbewusstsein für das Weltganze.
Franz Alt postuliert seit Jahren:
Klimaschutz ist möglich.
Nachhaltiges Wirtschaften ist möglich.
Gerechtigkeit ist möglich.
Frieden ist möglich.
Mitgefühl ist möglich.
Liebe ist möglich.
Eine bessere Welt ist möglich.
Menschen sind grundsätzlich in der Lage, sich zu ändern und zu wandeln. Unser Gehirn kann, so wie wir einmal Radfahren, Schwimmen oder Autofahren gelernt haben, dazu lernen.
Menschen können lernen, wenn sie nur wollen.
Unser Wille ist zwar oft blind, aber blöd ist er nicht. Wir können unseren Willen trainieren, wie einen Muskel.
Nur deshalb ist im Laufe der Geschichte scheinbar Unmögliches immer wieder möglich geworden.
Wir sollten endlich tun, was wir für richtig halten. Einfacher leben, damit andere einfach überleben.
Die Weltrevolution des Mitgefühls kann dabei eine große, vielleicht sogar die entscheidende Hilfe sein. Die Zeit scheint gerade jetzt dafür reif zu sein. Die Menschen – ob jung, ob alt, - scheinen dafür offen. Unsere Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun. Wer hindert uns daran, damit anzufangen, wenn nicht wir selber? Eine bessere Welt beginnt beim einzelnen Menschen.

Wenn wir nicht lernen, dass die Gesundheit des Waldes unsere eigene Gesundheit ist, droht die Gefahr, dass wir verschwinden.
Wir entscheiden, ob wir ressourcenschonend bauen oder ressourcenvernichtend, ob wir uns umweltbewusst fortbewegen oder klimazerstörend, ob wir uns ressourcenvernichtend ernähren oder aus biologischer Landwirtschaft, ob wir Öko-Energie nutzen oder fossil-atomare.

Ökoprozesse sind Liebesprozesse

Alles Leben ist beseelt und das Leben ist keine Maschine. Natur ist ein Raum der Verwandlung und der Begegnung, ein Seelenraum. Wir teilen den Atem des Lebens mit allen Tieren und allen Pflanzen und allen Bäumen und mit allen Menschen aller Zeiten. Grundvoraussetzung für ein freiheitlich-kreatives Leben ist, dass die Menschenrechte geachtet werden, aber auch eine intakte Natur. Die wirtschaftliche Freiheit in einer ökosozialen Marktwirtschaft hängt immer mit allen anderen Freiheiten zusammen. Es geht darum, unser Denken aus alten Strukturen zu befreien und zu transformieren. Wie werden wir Teil der Lösung?

24. Januar 2021 / Joachim Armbrust


Einjährige Ausbildung zur/zum Systemischen Berater/in - Naturscheck 2020

Naturscheck - Das Magazin für ein neues, ökologisches Bewusstsein

Einjährige Ausbildung zur/zum Systemischen Berater/in mit Joachim Armbrust & Sandra Rose

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8. August 2020 / Joachim Armbrust


"Unser Wirtschaftshandeln" in w.news Wirtschaftsmagazin 07/08 2020

"Unser Wirtschaftshandeln" Sandra Rose & Joachim Armbrust 07/08 2020

in w.news Wirtschaftsmagazin der IHK Heilbronn-Franken

Unser Wirtschaftshandeln w.news IHK

8. August 2020 / Joachim Armbrust


Marianne Sägebrecht im Alten Schulhaus in Geislingen - Haller Tagblatt

Der Bericht im Haller Tagblatt und in der Gaildorfer Rundschau über die Veranstaltung mit Marianne Sägebrecht am Sonntag, den 9. Dezember 2018 um 17.00 Uhr im Alten Schulhaus in Geislingen.

15. Dezember 2018 / Joachim Armbrust


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