2026

Sich annähern, Beziehung verdichten, committen und dankbar wertschätzen

Autor: Joachim Armbust

Sich zufällig begegnen.
Sich kennen lernen.
Erste Zugänge zueinander finden.
Sich wieder begegnen.
Zu-fällig – absichts-los.
Gespräche, die von individuellen Vergangenheiten erzählen.
Sich teilhaben lassen am Erlebten.
Teil werden vom Erlebten des Anderen.
Mit-fühlender Zeuge sein.
Sich füreinander interessieren.
Mehr und mehr.
Am gemeinsam entstehenden Beziehungsteppich weben.
Immer wieder neue Webfäden einarbeiten.
Unbemerkt fangen wir an, an einer gemeinsamen Zukunft zu modellieren
– und sie zu gestalten.
Miteinander träumen.
Aufeinander zuwachsen.
Vorstellungen, Sehnsüchte, Wünsche miteinander teilen.
Sich vorauswerfende Zukunftsbilder werden konkreter und sichtbarer,
gewinnen Kontur.
Fangen an, uns aus der Zukunft zu rufen,
in die Gegenwärtigkeit hinein Funken zu sprühen,
Licht zu entzünden.
Dann ein erstes längeres (auf-)Leuchten.
Unversehens sind wir fast plötzlich vertrauter.
So fühlt sich „sich vortastende“ Verbundenheit an.
Wir fangen an, zu ahnen, dass wir uns etwas angehen.
Wir ergreifen Gelegenheiten des Miteinanders bewusster.
Wir werden mutiger, bestimmter und selbstverständlicher.
Wir sorgen für Gelegenheiten.
Wir fangen an Suchbilder aufkommen zu lassen,
sie auszusprechen,
sie gemeinsam weiter zu entwickeln,
werden, was wir irgendwo ohne unser Wissen schon sind.
Noch jede /jeder aus seiner eigenen, bisherigen Welt heraus.
Noch sind wir im alten Leben,
aber das Neue schöpft Kraft und Aufwind,
nimmt Fahrt auf.
Wir fangen an, uns konkret zu interessieren,
für Objekte, für Preise, für eingekaufte Möglichkeitsräume…
Wir freuen uns voraus, für kleine Momente überwiegt aber auch das
Muffensausen.
Wir erkennen, was wir bereit sind, zu wagen,
dass es sich um ein Lebensprojekt handelt.
Wir trauen uns was zu, wir fangen an,
bis sich eine Tür aufmacht, die das Entscheiden nahelegt.
Wir zögern noch, wir verhandeln noch.
Doch dann, auf einmal, wie aus dem Nichts, springen wir.
Wir landen - nicht alle gleichzeitig – aber doch urplötzlich…
….in einem neuen Leben.
Ein gemeinsames Leben.
Wir fangen an anzukommen,
jede /jeder aus seinem bisherigen Leben,
aber wir sind entschieden!
Wir alle wollen es!
Jede/Jeder auf seine Art.
Wir spüren, dass uns diese gemeinsam getragene Entschiedenheit,
altes Leben zu verlassen und Neues zu wagen, vereint.
Sehr schnell merken wir aber auch,
dass wir Bruchstücke von altem Leben mitbringen:
Unsere Denkgewohnheiten, alte Muster, gelernte Rollen, verfestigte,
scheinbare Selbstverständlichkeiten.
Wir sind herausgefordert.
Im Fühlen von Unverstandenem, Fremden, scheinbar Unverdaubarem
Immer wieder das Gemeinsame zu finden.
Zu erkennen, dass wir alle ein „gleiches Ziel“ haben,
dass aber jede/jeder aus seiner Struktur heraus darauf zu – lebt.
Unsere Einladungsbewegungen für das Miteinander passen nicht immer,
finden sich nicht immer, beißen sich, stoßen sich aneinander.
Mitgefühl, Selbstmitgefühl und Spürbewusstsein werden wichtig.
Gleichwürdigkeit als Ziel steht still und leuchtend im Raum.
Anerkennen, dass wir verschieden sind,
dass wir uns nicht „an uns vorbei“ finden können.
Sich verstehen lernen im Festen, im Unverrückbaren.
Sich verflüssigen lernen – freiwillig – wo es weh tut,
und uns was abverlangt.
Wo innere Sicherheitsfragen berührt werden,
manchmal auch Angst entsteht.
Miteinander streiten,
sich einander Vorwürfe machen,
ausgesprochene und unausgesprochene.
Sich voneinander abgrenzen.
Gegeneinander kämpfen.
Den Anderen unbemerkt zum Feind machen.
Sich gesehen fühlen. - Sich schuldig fühlen.
Scham empfinden.
Sich ausgeschlossen fühlen.
Getrennt sein wahrnehmen, ehrlich und schonungslos.
Sich erschöpft fühlen,
weil sich das Gegenüber nicht passend machen kann-
für uns und unsere Vorstellungen.
Sich zwischendrin finden.
Hoffnung schöpfen.
Schöne, gemeinsame Momente schöpfen,
die bleiben und Mut machen.
Immer wieder neu.
Erkennen, dass alles Zeit braucht.
Lernen, nichts zu erzwingen und sich nicht auszubeuten.
Anerkennen, dass jede und jeder andere Grenzen hat,
andere Möglichkeiten, andere Schätze, andere Beschränkungen.
Es nicht länger persönlich nehmen.
Als Schatz begreifen lernen.
Jede /jeder ist wichtig, genau so wie sie / er ist.
Jedes Wesen ist heilig.
Sich in einem Schmelztiegel fühlen,
der in der Verflüssigung von Eingebrachtem Neues kreiert,
Zukunft entstehen lässt, die über unser bisheriges Sein hinauswächst.
Die uns in der Gegenwärtigkeit neu erfahren lässt.
Sein und Werden.
Danke an uns, an uns alle, - für dieses Geschenk.

11. Februar 2026 / Joachim Armbrust / Gemeinschaftsbildender Wir-Prozess