Psychotherapie als Arbeit am inneren Frieden

Psychotherapie so verstanden, greift dann als „Werkzeug“ auf das religiöse Momentum zurück. Denn nur dort, wo wir aus dem Urgrund unseres Getragen Seins schöpfen, gelingt es, destruktive Kräfte - prozessual getragen, im Raum zu halten, - neu auszurichten und in eine friedvolle Perspektive des Seins zu überführen

Inne­rer Frie­den erscheint oft abs­trakt, sub­jek­tiv und irgend­wie nicht greif­bar. Ist es mög­lich, inne­ren Frie­den ein­fach dort zu erfahren, wo du gerade bist?

Fühlst du dich manch­mal unruhig, angespannt, erregt, dann jedenfalls hast du deinen inneren Frieden verloren.

Den inne­ren Frie­den zu finden, ist manch­mal gar nicht so leicht. Inne­rer Frie­den bedeu­tet so viel wie im Ein­klang und in Har­mo­nie mit sich selbst zu leben.
Der innere Frie­den legt den Grund­stein dafür, auch im Außen Frie­den finden zu können und Frie­den in die Welt hin­aus­zu­tra­gen.

Inne­rer Frie­den ist erfahr­bar als eine Art innere Aus­ge­gli­chen­heit, Balance, eine Leich­tig­keit und Gelas­sen­heit, die sich vor allem in der Nicht-Bewer­tung und Annahme des eige­nen Seins wider­spie­gelt. Doch wie ist dieser innere Frie­den erfahr­bar in einem Alltag voller Pflich­ten und Ter­mi­nen? Ich bringe inne­ren Frie­den in meinen Alltag und schaffe es, auch in all­täg­li­chen Situa­tio­nen lie­be­voll, gelas­sen und fried­voll zu sein. 

Die erste Vor­aus­set­zung für inne­ren Frie­den ist das Erken­nen von Bewer­tun­gen und unnö­ti­gen Ver­glei­chen. Unsere Gedan­ken krei­sen über­wie­gend um nega­tive Aspekte unse­res Lebens. Wir sind im Alltag getrie­ben durch Wün­sche, Ver­glei­che und Bewer­tun­gen. Dies führt dazu, dass Unzu­frie­den­heit in unse­rem Geist ent­steht. Wir sind unzu­frie­den mit dem was ist, weil wir ja nach dem stre­ben, was viel­leicht andere besit­zen, sich leis­ten können, usw. Wir kon­zen­trie­ren uns lieber auf das, was wir nicht sind/​was wir nicht haben, als auf die Fähig­kei­ten, Talente und Res­sour­cen, die uns aus­ma­chen.

Durch das stän­dige Ver­glei­chen und Bewer­ten manö­vrie­ren wir uns tag­täg­lich selbst in eine Situa­tion des Defi­zits, des Man­gels. Wir erschaf­fen Man­gel­erfah­run­gen, selbst wenn gar kein echter Mangel erkenn­bar ist. Dadurch blo­ckie­ren wir die Mög­lich­keit, zufrie­den und glück­lich zu sein mit dem was ist, was uns aus­macht. Und schließ­lich blo­ckie­ren wir den Zustand des inne­ren Frie­dens.

Richte deine Gedan­ken immer wieder auf das Posi­tive, auf deine wun­der­vol­len Eigen­schaf­ten und Fähig­kei­ten und erkenne den Ver­gleich oder die Bewer­tung, anstatt dem Gedan­ken eines bes­se­ren, opti­mier­ten Selbst zu ver­fal­len. Viel­leicht magst du dir gedank­lich ein­fach sagen: ​“Ah, jetzt ver­glei­che ich mich wieder.“ 

Eine wei­tere Vor­aus­set­zung für den inne­ren Frie­den ist das Ankom­men im Hier und Jetzt. Das tag­täg­li­che Gedan­ken­ka­rus­sell führt dazu, dass wir unse­ren Fokus ent­we­der auf das rich­ten, was war oder auf das, was noch sein wird. Wir bewer­ten lieber die Ver­gan­gen­heit und ver­fal­len den Wün­schen der Zukunft, als den Moment, der gerade geschieht, zu erle­ben. Acht­sam im Hier und Jetzt anzu­kom­men hilft uns, weni­ger zu ana­ly­sie­ren und mehr zu erfah­ren.

Auf dem Weg zum inne­ren Frie­den spielt auch der Umgang mit unse­rem Umfeld eine große Rolle. Genauso wie du nicht in die kon­ti­nu­ier­li­che Bewer­tung der eige­nen Person gehen soll­test, kannst du auf­hö­ren, andere Per­so­nen zu kri­ti­sie­ren, ihr Ver­hal­ten zu bewer­ten oder sogar ändern zu wollen. Gehe auch hier in die Annahme und Akzep­tanz, dass jede Person unter­schied­lich ist. Jeder Mensch ist ein Indi­vi­duum und besitzt eigene Gefühle, Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten und Poten­tiale. Es wäre doch lang­wei­lig, wenn jeder Mensch auf diesem Pla­ne­ten Scho­ko­la­den­pud­ding essen würde oder rotkarierte Hemden tragen würde. 

Viel­leicht exis­tiert sogar eine Person aus deiner Ver­gan­gen­heit, mit der du dich gestrit­ten hast oder mit wel­cher du unlieb­sam aus­ein­an­der gegan­gen bist.
Spüre einen Moment in dich hinein.
Auch diese unge­klärte Bezie­hung oder Situa­tion kann dich daran hin­dern, inne­ren Frie­den im Hier und Jetzt erfah­ren zu können.

Ein Weg, die Situa­tion auf­zu­lö­sen ist die Ver­söh­nung. Viel­leicht magst du dem Men­schen eine gedank­li­che oder auch phy­si­sche Frie­dens­bot­schaft senden? Ver­söh­nung bedeu­tet nicht, einen gemein­sa­men Nenner zu erzwin­gen. Ver­söh­nung bedeu­tet manch­mal ein­fach die Situa­tion, den Umstand, so anzu­neh­men wie er ist und zu signa­li­sie­ren, dass man dem Gegen­über nichts Böses möchte. Es gibt Phasen, in denen sich Men­schen aus­ein­an­der­le­ben, es exis­tie­ren Momente, in denen kein Kom­pro­miss gefun­den werden kann und in denen unter­schied­li­che Wege ein­ge­schla­gen werden. Wich­tig ist, dass dieser Umstand dich nicht davon abhält, glück­lich zu sein und du trotz dessen inne­ren Frie­den erfah­ren kannst. 

Inne­rer Frie­den bedeu­tet, im Ein­klang mit dir selbst zu sein. Inne­rer Frie­den bedeu­tet Liebe, Zufrie­den­heit, Annahme und Akzep­tanz zu kul­ti­vie­ren. Und schließ­lich mit dieser Liebe, Annahme und Akzep­tanz nach außen zu treten.
Und schon ist inne­rer Frie­den nicht mehr abs­trakt son­dern für jeden greif — und erfahr­bar.

15. Oktober 2026 / Joachim Armbrust / Psychotherapie