Psychotherapie als Begleithilfe, um die EINE SCHÖPFERISCHE KRAFT als Wurzel unseres Seins sinnlich erfahrbar zu machen
Alles Lebendige, alle Tier- und Menschenwesen, alle Pflanzenwesen sind entstanden aus der einen schöpferischen Kraft, die viele Gott oder wahre Quelle nennen. Diese schöpferische Kraft wohnt in jedem von uns und in allem Lebendigen.
In uns Menschen hat diese Kraft, die ich jetzt Schöpferkraft nennen möchte, die Chance, bewusst zu werden. Wird sie unserem Bewusst-Sein gewahr, können wir sie als Teil von uns wahrnehmen. So können die große, universelle Schöpferkraft und die in uns wohnende Schöpferkraft sich verbinden und eine Einheit miteinander bilden. Denn sie sind aus dem gleichen Urgrund genährt und gemacht, sie schöpfen beide aus dem großen Bewusstsein, - das kleine, menschliche insoweit, wie es dazu bereit und resonanzfähig ist. Sie können sich gegenseitig in ihrer tragenden, niemals fertigen, Potentialität erkennen. Diese Potentialität ist in uns, also ist sie in allem und somit ist sie Teil aller Natur.
Wenn die Schöpferkraft Teil der Natur ist, und Teil von uns, dann verkümmert sie in uns oder auch in der Natur, wenn wir sie abschneiden, abtöten, beherrschen oder kontrollieren wollen; denn sie will nicht von unserem (Verstandes-)Willen geführt werden. Sie will in uns und in der Natur als tragende, eigendynamische Kraft erkannt werden, die ihre ganz eigenen Rhythmen lebt. Sie schöpft aus der Zeitlosigkeit, aus dem freien Raum und aus der freien, sich entwickelnden Bewegung. Sie zwingt nicht und sie will nicht gezwungen werden. Sie will sich im freien Raum - und aus dem freien Raum heraus – finden und entwickeln. Sie macht Sprünge, fällt zurück, entwickelt sich in Parallelwelten weiter, hält inne, stößt eine vorher undenkbare Tür auf, braucht von uns erwartungsfreie Geduld, die den Raum hält usw.
Diese Kraft ist in (uns) allen anwesend. Hier in dir und in mir ist der Ort der Begegnung, hier will diese Kraft ihren Ausdruck finden und von uns erkannt und geliebt werden.
Wenn wir es zulassen können, werden wir von dieser Kraft einerseits belebt und beseelt, und andererseits strahlen wir sie zeitgleich auch aus und sie strahlt durch uns hindurch nach „draußen“, - und damit erfüllen wir unseren schöpferischen Sinn. Indirekt sind wir sogar dafür geschaffen, diese Kraft des unsichtbaren Schöpfers in uns - und damit in allem - zu offenbaren.
Diese Kraft und uns verbindet also ein unzertrennliches, nicht immer harmonisches Band der Liebe. Denn Liebe entspringt aus der Synthese mit dem „Geliebten“ bzw. ergibt sich aus dem aufeinander bezogenen Wachstums- und Spiegelungsverhältnis. Aus diesem beschriebenen unaufgeregten, schwingend-resonierenden Tätigsein, entsteht ständig neues Leben, neue Kraft und neue, immer vorläufige Form.
Der Mensch darf in der Einheit mit dieser Kraft leben, um ein Mensch zu werden, - aus eigener, schöpferischer Bestimmung. Dort wo sie wirkt und wir ihr Raum lassen, wird sie auch ins Leben hinein ihren Ausdruck und ihre Gestalt finden. Immer wieder neu. Sie selbst seiend und sich zugleich selbst erkennend. In diesem wachen, mitfühlenden aufmerksamen Da-Sein lässt der Mensch diese Kraft durch sich hindurchfließen bzw. er nimmt sie wahr, wie sie durch ihn hindurchfließt. Im besten Sinne entscheidet er sich dafür, sich für diese Kraft durchlässig zu machen, um die Kraft durch sich zur Vergeistigung und zur Vergöttlichung hindurchzulassen und um sie- immer wieder neu -, in der Gegenwärtigkeit als die vorausgeschaute, zukünftige Seins-Form zu leben bzw. in die Welt zu bringen. Wir können einen in solcher Weise tätigen Menschen also daran erkennen, dass diese Kraft durch ihn hindurchstrahlt und ihn lichtdurchflutet erscheinen lässt. In diesem Sinne sind wir also alle schöpferische Wesen oder wie Joseph Boys es ausdrückte, jeder Mensch ist ein Künstler.
Was die Schöpfung uns als lebensspendende Kräfte aussendet, das erwartet die Schöpfung auch von uns in noch stärkerem Maße. Sie wartet auf die Offenbarung des schöpfergeist-erfüllten Menschen, auf dass sie erlöst wird aus der Knechtschaft des „Pseudo-Menschen“, der wir eben noch sind, solange wir noch nicht ausgerichtet auf unsere (Wesens-)Wahrheit leben, die mit dem Geist des Schöpfers identisch ist.
Leben wir aus und in dieser Wahrheit, verhelfen wir der Kraft des Ursprünglichen in uns, - die wir lange gedeckelt und abgeschnitten haben von uns, - wieder zurück in die offene Fließbewegung, raus aus der verschütteten Beziehung hin zu dem Ursprung des Lebendigen. Wir übernehmen also dienende Verantwortung dieser Kraft gegenüber und stehen mit ihr in einem wechselseitigen Austauschverhältnis.
Ich wünsche uns Menschen, dass wir in uns wieder zu jener Dimension schöpferischen Lebens erwachen, die diese Schöpferkraft in uns offenbar werden lässt. Ohne Hinwendung zu unserer Wahrheit, ohne Bewusstsein der in unserer Schöpfung verborgenen Kraft des Schöpfers, können wir nicht gewahr werden, dass wir selbst als Mensch aus der Einheit mit dieser Kraft kommen und nur mit ihr verbunden, als wahres Wesen hervorzutreten in der Lage sind. Diese Kraft allein, verbunden mit unserer Selbstverpflichtung ihr gegenüber, kann echte Menschwerdung bewirken!
Der Schöpfer darf also verstanden werden, als der sich selbst in allem Geschaffene offenbarende Eine, als die stets gegenwärtige Kraft des Lebens in allem, was ist. Die Unterordnung der ganzen Schöpfung unter das Wirken dieser Kraft, führt dazu, dass die Schöpferkraft vom Schöpfergeist erfüllt ist. Gott ist erreichbar für einen jeden Menschen über das in ihm seiende und wirkende Göttliche, das wir als die menschbildende Kraft Gottes in uns erkennen dürfen, als das Leben, das uns fehlt und das sich selbst durch uns zukünftig, - in der Gegenwärtigkeit beginnend -, kundtun will. Wir sind die Gestalt, die aus sich selbst heraustretend sich in der Zukunft immer wieder neu entdeckt und in der Gegenwärtigkeit neu leben will. Durch die Schöpferkraft Gottes, die in uns wirkt, wird aus dem Dunkel der noch nicht gelebten Zukunft ein zu erwartender Möglichkeitsraum, der seine Potentialität ausgestalten und zum Ausdruck bringen wird.
Kommt dies zur Verwirklichung, erfüllt der Mensch seinen schöpferischen (Gestaltungs-) Sinn und wird zur leibhaftigen Gottesoffenbarung. Gott ist alles in allem und deshalb sind wir Gott in manifestierter Gestalt. Wollen wir Gott begegnen, so dürfen wir in das göttliche Geheimnis unserer eigenen Schöpfung hineingehen und hier den Ort der Anbetung erkennen. Und dies hat nichts mit Aneignung, damit verbundener Überheblichkeit, oder falschem Stolz zu tun, denn überall wo Gott ist, ist es uns in diesem Leben geliehen und es gehört uns nicht. Wir sind es und sind es doch nicht. Wir sind Gast und Träger auf Zeit in dieser unserer hiesigen, weltlichen Zeit.
Uns auszurichten auf die eine Kraft, die uns lebt (und liebt), und ihren Weisungen zu folgen, uns ihrem Wirken im Glauben und Vertrauen hinzugeben, wissend, dass nur sie verantwortlich sein kann für die Vollendung der von ihr geschaffenen Schöpfung, dies alles bedeutet, Gott recht zu erkennen und in einer lebendigen Verbindung mit unserem Ursprung anzukommen und daheim zu sein. Hier findet im wahrsten Sinne des Wortes ein Tätigsein statt, das uns in religio, zu unserem Ursprung hin- führt und uns damit verbindet.
Wenn wir unter die verwandelnde und erneuernde Kraft Gottes in unserer Schöpfung kommen, und uns seiner nie aussetzenden Gegenwart bewusstwerden, dann sind alle menschlich begrenzten Vorstellungen von einem außerweltlichen Gott aufgehoben.
Der Mensch findet Gott in seiner eigenen Schöpfung und ebenso in der Weltschöpfung und betet ihn hier an und sehend wird er von seiner Gegenwart überwältigt. Der Ort der Anbetung Gottes für einen jeden Menschen ist sein eigenes, von Gott geschaffenes Leben, wie der Mensch auch die Gegenwart des Schöpfers in allem, was lebt, erkennt und so sich in Liebe allem Geschaffenen zuwendet.
Wenn Gott als unser Leben, das uns lebt, von uns erkannt wird und wir uns auf ihn in uns ausrichten, bedeutet dies das Ende der Herrschaft religiös - konfessioneller Macht und den Beginn der einladenden persönlichen Führung des lebendigen Gottes im Hinblick auf sein Geschöpf Mensch. Diese Wahrheit lehrt uns auch, demütig und dienend mit ihm in Zwiesprache zu bleiben, um so an ihm unseren inneren Kompass immer wieder neu auszurichten. Nicht unser ICH führt mehr unser Leben, sondern unser Ich arbeitet Gott oder wie ich es nenne, der wahren Quelle zu und findet aus der Resonanz mit dieser Kraft immer wieder neu heraus, wohin der nächste Schritt gehen soll.
Der Mensch fällt aus dem Rhythmus des schöpferischen Geschehens, wenn er aus der Verbindung mit dem Schöpfergeist fällt und dem Wahn unterliegt, dass er durch die Entwicklung seines (Verstandes-) Geistes in ein erfülltes und vor dem Schöpfer gerechtes Leben hineinkommen kann.
Die Zeit ist mehr als reif für einen spirituellen Durchbruch, für die Entdeckung der Dimension unserer Seele, und damit beginnt eine neue Epoche in der Menschheitsentwicklung. Ja, sie hat längst angefangen. Je mehr wir begreifen, dass unser Leben kein ausschließlich willentlich gerichtetes Leben ist, sondern ein zyklisches, - natürlichen Rhythmen unterliegendes - Leben ist, desto hellhöriger werden wir für die seelischen Kräfte, die immer auch auf Verlangsamung, Heilung und Ausgleich aus sind. Das ist das Wunderbare des in uns wohnenden Schöpfergeistes, dass sein Wirken unentwegt weiter geht, auch dann, wenn wir es nicht erkennen können. Mit allen Menschen, die sich in Liebe dem inneren Geschehen zuwenden, und die die unsichtbaren Kräfte entbinden, wächst das Potential spirituellen Lebens in unserer Welt, und in naher Zukunft werden wir vor dem großen Durchbruch des Lebens in ein neues Bewusstsein stehen und mit dem Durchbruch wird eine Neuwerdung in uns und außerhalb von uns stattfinden. Es wird eine Neue Zeit beginnen. Wir sind die Fülle des Lebens, denn diese unsere Lebens-Wirklichkeit, der Schöpfergeist, verbindet uns mit allen Offenbarungen dieses Geistes. Wir sind im Reich des Schöpfergeistes und wir haben Zugang zu allen Kräften und Klarheiten dieser Dimension, die bisher im Schatten gehalten wurde und jetzt ans Licht drängt. Wer seine Wahrheit als in dem Schöpfergeist liegend erkennt, erkennt damit auch die Wahrheit allen Lebens als in diesem Geist liegend, und wer die Einheit gewinnt mit diesem Geist, ist eins mit allem Leben, das von diesem Geist ständig ausgeht.
In der Vergangenheit sind wir in eine Fehlhaltung gegenüber der sinn-erfüllenden Kraft geraten, wodurch die Weiterentwicklung der Menschwerdung stockte. Wenn ein Geschöpf nicht das wird, was der Schöpfer mit ihm gemeint hat, dann ist etwas im Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf gestört, dann ist das schöpferische Geschehen unterbrochen. Ich bin davon überzeugt, dass es natürlich ist, dass eine Schöpfung sich nach inneren Gesetzen entfaltet und ihren Sinn im Zusammenhang des Ganzen erfüllt.
Und nur, wenn wir in Ein-Klang mit diesen Entfaltungsbewegungen sind, kann es zu einer Heilung unseres „un-heilen“, leidvollen Da-Seins kommen. Und genau deshalb, ist es auch ein Herzensthema meines Verständnisses von Psychotherapie: es geht letztlich darum, ein neues Verhältnis zu unserem Selbst, zu unserer Seele und zu unserem Schöpfergeist und zu unserem Eingebettet sein in Kräfte, die größer sind als wir, zu entwickeln und zeitgleich, psychodynamisch betrachtet, immer auch in unserem Feld mitwirken, weil wir Teil dieses Feldes sind.
Copyright: Joachim Armbust
23. Oktober 2026 / Joachim Armbrust / Einblicke / Psychotherapie
