In unserem Körper sind all unsere (Lebens-) Erfahrungen, die wir gemacht haben - und ja, sogar Erfahrungen aus Vorgenerationen abgespeichert. Was bedeutet das konkret? Unser Körper, jede einzelne Zelle, besitzt ein Körpergedächtnis. Es gibt vielerlei körpertherapeutische Methoden, aber auch geistige Heilweisen, die dieses Körperwissen aufschließen können. Gelingt es uns mit diesem vordergründig verborgenen Ort in uns in Berührung zu kommen, erhalten wir authentische Antworten und können noch nicht gelebte Potentiale entschlüsseln. Neben alten Traumatas, sind im Körper auch die noch nicht gelebten Impulse für stimmige Entwicklung vorhanden, wenn sie denn in aufmerksamer Begleitung als Schatz gehoben werden können. Dafür braucht es Wissen, Einfühlung, gute Methoden und eine zugewandte, mitfühlende und wertschätzende Haltung, wie auch theoretischen Hintergrund von Systemtheorie, Bindungstheorie, tiefenpsychologisch fundierter Körperpsychotherapie und Hirnforschung; einen selbsterfahrungs- und praxisbezogenen Erfahrungsraum, um Körperwahrnehmung, Körpererfahrung und Körperausdruck in situativer Passung impuls- und haltgebend in die persönliche Arbeit mit dem Klienten (-System) zu integrieren. Im fließenden Wechsel von Interventionen auf allen Ebenen des Bewusstseins öffnet sich der therapeutische Beziehungsraum zu einem wachen, lebendigen Prozess, der den begleiteten Menschen vitalisiert. Es gibt schließlich keinen Menschen ohne einen Körper: Meine Geschichte manifestiert sich ebenso in meinem Körper wie die Art und Weise, wie ich im Hier und Jetzt Beziehungen gestalte und wie ich über meine Zukunft nachdenke. Ich bin meinen Körper und ohne meinen Körper bin ich nicht. Habe ich meinen Körper verloren, so habe ich mich selbst verloren. Finde ich meinen Körper, so finde ich mich selbst. Jeder Mensch verfügt über Selbstheilungskräfte. Selbstheilung ist sowohl biologisch als auch psychisch immer als Prinzip verfügbar. Die Frage ist, schaffen wir es, dieses Prinzip aufzurufen. Deshalb ist jeder Mensch zunächst einmal für sich selbst die beste Medizin. Der achtsame, intuitive Atem kann dabei der Schlüssel sein, der uns die Tür öffnet. Indem der/die Begleiter/in den Menschen als jemanden sieht, der in jedem Augenblick Beziehungen gestaltet und Beziehungen verändern kann und damit auch alte Muster auflösen kann, lädt er ihn dazu ein sich auf sich selbst in neuer Weise zu beziehen und damit aus einer unerhörten Geschichte eine erhörte Geschichte zu machen. Eine Psychotherapie, die den Menschen in seinen Hoffnungen, Sehnsüchten und Visionen von einer besseren Zukunft sieht und ihn unterstützt eine Zukunftsgestalt nach vorne zu entwerfen, lädt letztlich dazu ein, dass er sich von dieser selbst erweckten Zukunftsgestalt in die Gegenwärtigkeit rufen lässt. Mit jedem kleinsten Schritt hin auf diese Zukunftsgestalt zu, wächst ihm Energie und Reifung, im Sinne von erfülltem Wachstum, zu. Wie gut, wenn dieser Blick auf den Menschen in einer stimmigen Balance zwischen Körper, Geist und Seele stattfindet. Auf dem spirituellen Weg geht es vor allem um Integration, das heißt, durchlässiger zu werden, Blockaden und Fixierungen zu lösen, Verdrängtes anzunehmen, Abspaltungen wieder anzukoppeln, sich der (eigenen) Wirklichkeit zu stellen und Zentrierung zu stärken. Integration braucht eine gute Erdung und eine Verankerung im Hier & Jetzt. Die Entwicklung des Körperspürbewusstseins unterstützt diesen Integrationsprozess. Jede/r kann über das Spüren des eigenen Körpers auch seinem eigenen inneren Wesen näher kommen. Spüren ist wie ein Muskel, der entwickelt werden kann und der mich für meine eigene innere Wirklichkeit öffnet und der uns einen Zugang zu tieferen spirituellen Erfahrungen ermöglicht. Wirkliches Spüren ist ein ganzheitlicher Prozess, in dem die Gefühle einbezogen sind. Ich meine, wenn ich von Achtsamkeit spreche, ein ganzheitliches Spürbewusstsein, keine distanzierte, abgespaltene Haltung, sondern „eine Beobachtung des Körpers subjektiv im Körper seiend“ und „eine Beobachtung der Gefühle aus dem inneren der Gefühle heraus“. Das heißt, man ist gleichzeitig im Körper und in den Gefühlen und man ist gleichzeitig der Körper und die Gefühle. Achtsamkeit schließt Spüren und Fühlen ein – sie ist also eher ein ganzheitliches Spürbewusstsein oder ein spürendes Präsentsein.
Um in der Welt und mit uns selbst einen guten Weg zu finden, brauchen wir einen fühlbaren Grund, der trägt. Wir wollen uns so verankert wissen, dass wir das Gefühl haben, „mit beiden Füßen auf der Erde zu stehen“. Das tun wir dann, wenn wir die Wirklichkeit so sehen wie sie ist, nicht wegschauen, nicht verleugnen, aber auch nicht verteufeln. Annehmen, dass das Leben uns führt und nicht wir mit unserem Willen die Führungs-Hoheit haben, ist eine grundlegend wichtige Ausgangshaltung. Erdung bedeutet in diesem Sinne, mit seinem Wesen verbunden zu sein, anzuerkennen, dass wir ein Teil des universellen Seins sind. Erdung bedeutet also, einen wesensstimmigen Platz in der Welt zu finden, der für uns bestimmt ist. Erdung heißt aber auch, uns innerlich auf der Erde niederzulassen, ihr zu vertrauen, dass sie uns trägt und uns ihr zuzumuten. Erdung bedeutet, die Kraft, die aus der Erde kommt, in uns hineinfließen zu lassen, uns von ihr tragen zu lassen. Erdung meint, uns in uns selbst, in unserem Körper niederzulassen, in unserem Körper zu wohnen. Erdung heißt auch, in der Gegenwart präsent zu sein. Erdung bedeutet, uns den Widersprüchen und Herausforderungen des Lebens auf der Erde zu stellen und nicht (in eine spirituelle Scheinwelt) zu flüchten. Erdung bedeutet, mit der relativen Wirklichkeit, mit unseren Begrenzungen und mit Grenzen, auf die wir stoßen, gesund und reif umgehen zu können. Erdung können wir in und durch unseren Körper entwickeln, indem wir unsere Körperbasis, nämlich unser Becken, unsere Beine und Füße mit unserer Aufmerksamkeit, mit unserem Spürbewusstsein, mit unserer eigenen Präsenz anfüllen, uns in uns selbst in sie niederlassen und immer wieder die Erde unter unseren Füßen spüren. Nur wenn eine gute Erdung und Verankerung im Becken vorhanden ist, kann sich der Bauch als Machtzentrum entspannen und sich das Herz, das oft permanent in Hab-Acht-Stellung und angespannt ist, wenn wir keinen sicheren Ort haben, hingeben und entspannen. Erdung gibt innere Stabilität und Sicherheit und ermöglicht uns, uns niederlassen und entspannen zu können. Gerade, wenn wir einem spirituellen Entwicklungsweg folgen, der uns ruft, ist die Gefahr immer wieder groß, dass die Erdung verloren geht und wir in dieser Welt nicht mehr zurechtkommen. Singen wir also ein Loblied auf den Atem, der die Fähigkeit besitzt, uns Sicherheit zu geben und uns gleichzeitig ermutigt uns auf die Lebens- und Körperprozesse einzulassen, ihnen von innen heraus zu folgen, ein Teil von ihnen zu werden. Je mehr und je tiefer wir unseren Körper spüren können, desto genuss-voller können wir unseren Körper erfahren. Das liegt daran, dass wir dabei ja nicht nur das Gewebe, die Muskeln und die Knochen spüren, sondern auch mehr und mehr die verschiedenen Flüssigkeiten und die feinstofflichen Energien, die unseren Körper durchdringen, sowie die feinen Schwingungen und Rhythmen. Diese zu spüren können Genuss, innere Freude und das Gefühl, ganz bei sich zu sein, hervor-bringen. Konzentration und körperliche Entspannung lösen warme, freundliche Körperempfindungen aus, die bis hin zu Gefühlen von Verzückung gehen können. Denn wenn sich unser Körper für unser Wesen und damit für unser Sein öffnet und dadurch die Türen zum reinen Bewusstsein aufschließt, verstärkt sich die Selbstregulierungsfähigkeit des Körpers und es aktivieren sich unsere „Zellkinder“ und damit unsere Selbstheilungskräfte. Wenn ich meinen Körper wirklich spüre, dann gebe ich meinem Körper meine Aufmerksamkeit und bin in ihm präsent. Wenn ich einem lebenden Wesen meine zugewandte, entspannte Aufmerksamkeit schenke, wirkt sich das in der Regel positiv aus. Wir alle kennen das, wenn uns ein anderer, vertrauter Mensch seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt und er in diesem Moment nichts Bestimmtes von uns erwartet, sondern uns so annimmt, wie wir gerade sind, ist das sehr angenehm. Dann fühlen wir uns gestärkt, verstanden, entspannt usw. So ist es auch mit unserem Körper: wenn wir ihm unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, dann kann er etwas entspannen, etwas loslassen, sich etwas besser selbstorganisieren und regulieren. Dann können die in uns wohnenden Selbstheilungskräfte etwas mehr wirken. Dasselbe gilt auch für unsere Gefühle: Wenn wir ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit geben, ohne sie direkt oder subtil zu manipulieren oder zu kontrollieren, können sie ihrer eigenen innewohnenden Bewegung nachgehen und die in uns wohnende Lebenskraft kann auch durch die Gefühle in Richtung Ganzwerdung und Integration wirken. Ursprünglich ist unser Körper mit seinen Sinnen ein gut funktionierender Signalgeber, wenn es um die Wahrnehmung der grundlegendsten Bedürfnisse des Überlebens und Wohlbefindens geht. Viele Menschen haben die Fähigkeit des Körpers, uns zum Glück zu leiten, nicht ganz verloren. Doch die meisten Menschen können sich auf ihre Sinne und die Signale des Körpers nicht mehr verlassen. In der Psychotherapie arbeiten wir an der Verbindung von Geist und Körper. Worte können heilen, können bis in den Körper hinein, ja bis in die Zellen hinein, heilend wirken. Wir fragen uns andauernd, wie kann ein Körper, der aufgrund von Erlebnissen in den Kreislauf von Erstarrung, Anspannung und Schmerz geraten ist, sich in der sicheren Gegenwart wieder einladen lassen, weicher, durchlässiger und beweglicher zu werden? Denn wenn sich innerer Friede einstellt, kann sich auch immer ein Gefühl von Geborgenheit und Aufgehobensein einstellen. Physiologisch würde man von „Umschalten auf das vagale, also das autonome, parasympathische Nervensystem“ sprechen, welches die Tür zu den genialen körpereigenen Selbstheilungsressourcen öffnet. Das erlaubt jedem/r, sich zu regenerieren, wieder sich selbst zu werden, sich selbst wieder gerecht zu werden. Ins Üben mit dem Körper zu gehen, ist wie anzukommen, wie heimzukommen. Das Gefühl von Zerrissenheit, von Mangel und Verlust, löst sich auf. Es fühlt sich erfüllt und wesentlich reicher an, wie noch vor einem Augenblick. Und es stellt sich damit auch ein Gefühl von Sicherheit ein. Der Körper sagt uns dann wieder, wie wir uns wirklich fühlen, deshalb kann unser Körper unser spiritueller Führer sein. Die Wahrheit ist in unserem Körper gespeichert, und obwohl wir in der Lage sind, sie zu verdrängen, können wir sie nie verändern. Unser Verstand kann getäuscht werden, unsere Gefühle können manipuliert und unsere Vorstellungen verwirrt werden, und unser Körper kann mit Medikamenten ausgetrickst werden. Aber eines Tages wird uns unser Körper die Rechnung präsentieren, denn er ist ebenso unbestechlich wie ein Kind, das noch ganz in seiner Seele ist und keine Kompromisse oder Entschuldigungen akzeptiert. Unser Körper wird so lange nicht aufhören, uns zu quälen, bis wir aufhören, vor der Wahrheit zu fliehen. Es gibt einen inneren, heilen Raum in unserem Körper, einen Seelengrund. Beim tiefen Einatmen in den Bauch erweitert sich der Raum nach unten und nach oben: Nach unten, indem sich das Zwerchfell wie ein umgekehrtes Gewölbe nach unten dehnt. – Nach oben, in dem der Brustkorb wie ein Regenschirm aufgespannt wird. So entsteht eine Art heiliger Leibraum der inneren Mitte, die den universellen Atem und die Gegenwärtigkeit desselben aufnimmt und Heimat gibt. In diesem Seins-Zustand spüren wir ein deutliches Durchströmtsein des ganzen Körpers von Lebenskraft, bis in die Finger- und Zehenspitzen hinein. Den eigenen Bedürfnissen auf die Spur zu kommen lohnt sich! Denn nur ein wahrgenommenes Bedürfnis kann auch „gestillt“ werden. Wer weiß heute noch etwas von seiner bedürftigen Seele, die es nach dem Urgrund, nach Wahrhaftigkeit und Wesensnähe dürstet? Unser Atem verbindet uns mit dem großen Atem. Der Atem verbindet uns also mit uns und der Welt, er belebt uns. Lasst uns also einen Raumwechsel über den Körper und den Atem vornehmen: Heraus aus der getakteten, zielgerichteten Zeit, hinein in einen Raum von Zeitlosigkeit, Absichtslosigkeit und Verlangsamung. Heraus aus dem Willen, hinein in die Hellhörigkeit, die „hört“, wo wir hingeführt werden bzw. wohin wir eingeladen werden. Raus aus dem strukturierten Vorgehen, hinein in ein intuitives Geführt Werden.
Wer eine Krise durchsteht, sieht bereits einen Lichtstrahl am Horizont. Oftmals ist das ein Aufbruchsignal, um wieder neue Energie und Bewegungsfreiheit zu erlangen. Dabei kann es helfen, gleichsam einen Blickwinkel aus der eigenen Zukunft einzunehmen und aus der Vision der Überwindung des dunklen Tages auf die momentan schöne Zeit zu schauen. Hoffnung gibt Kraft, tief Luft zu holen, - sich aufzurichten auch. Von der Zukunftsgestalt her gerufen zu werden, führt uns bei jedem Schritt den wir in die eingeladene Richtung gehen, Energie zu. Mit jedem Atemzug kann der gerade vergangene Augenblick neu anfangen, taufrisch. Wir können Schweres wegatmen, wir können in Schweres hinein atmen, frische Luft dazu lassen und alles zusammen mit dem Atem verabschieden. Der Mensch kann sich in jedem Atemzug mit den universellen Kräften verbinden und das ist wahrlich eine spirituelle Ressource. Ohne Sehnsucht gibt es keinen Aufbruch zu einem spirituell-geistlichen Weg. Der Atem kann uns die Wirklichkeit der universellen Liebe erfahrbar machen und wir können darin die Tür zu Vertrauen und Zuversicht finden. Was ist nun das Wichtigste für die Entwicklung eines praktisch wirkenden Selbst-bewusstseins? Es ist die Erweckung, Differenzierung und Artikulierung eines Spürsinns. Dabei handelt es sich um ein feinsinniges Organ, das zuverlässig die Abweichungen von der rechten Innenordnung vernimmt, insbesondere aber für die falsche bzw. richtige Zentrierung des Subjekts empfindsam ist und immer empfindsamer wird. Wir sind also auf die Ausbildung eines Organs zum Spüren der rechten Mitte und dessen, was von ihr abweicht angehalten. Ausdrücken tut sich dieses Organ eben auch über unseren resonanzfähigen und spürfähigen Körper, der uns Signale sendet oder einfach ist, was er ist, in Unordnung, im Lot, in Freude, in vollem Wachbewusstsein oder im sich aufgebenden Fallenlassen. Der Mensch hat einen zweifachen Auftrag. Einerseits geht es darum, die Welt zu gestalten und gleichzeitig im Werk zu reifen auf dem inneren Weg. Psychotherapie als prozessualer Initialraum verstanden hilft die Tür zum Geheimen hin zu öffnen. Das Wort Tiefe bedeutet etwas anders als Intensität: tief ist immer, was den Menschen in seiner ganzen Person betrifft; je mehr sein ganzes Sein betroffen ist, umso tiefer sind seine Empfindungen. Je oberflächlicher Empfindungen sind, desto mehr ist er nur mit einem Teil seiner Selbst beteiligt. Mit der Tiefe der Erfahrung steht das Sein auf dem Spiel. Es fordert den ganzen Menschen und gibt ihm seine wahre Verantwortlichkeit zurück. Texte sind oft Schlüssel zum Zugang des Numinosen. Auch unser Körper kann ein solcher Schlüssel sein. Unser Körper verkörpert, was oder wer wir sind. Der Verstand kann nur entziffern, was der Körper längst erfahren hat. Bevor wir begreifen, erfahren und spüren wir. Durch den Einbezug von Körper und Stimme wird eine physisch-psychische Balance wiederhergestellt, die ganz natürlich ist, weil jeder Mensch sie auf die Welt mitgebracht hat. Das Unbewusste äußert sich über diffuse Gefühle und/oder Körperempfindungen. Es wird z.B. als mulmiges Gefühl im Bauch, als Freude im Herzen, oder als Kloß im Hals wahrgenommen. Das isolierte Nachdenken mit dem Verstand stößt an Grenzen. Sinnhaftigkeit ist etwas ausgesprochen Subjektives und liegt in unserer Persönlichkeit und in unseren Erfahrungen begründet. Unser Körper ist das Gedächtnis unserer Erfahrungen. Das Selbst ist eine Schnittstelle zwischen Körper und Geist. Es benötigt Körpersignale als Wegweiser zur Orientierung in seine unendlichen Weiten und es kann auf Körperprozesse einschließlich der in vielen Körperreaktionen verankerten Emotionen Einfluss nehmen. Selbst und Körper sind miteinander verbunden. Genauso, wie das Selbst die Signale des Körpers zur Orientierung benötigt, kann der Körper wiederum das Selbst aktivieren.
Körperspüren
Das aktiv erweckende Körperspüren ist eine zentrale Qualität, die durch folgende Schritte eingeladen werden kann: Sich Zeit und Raum geben, außerhalb von getakteter und gerichteter Zeit, vielmehr in einem Raum von Eigenrhythmus und Zeitlosigkeit, um wahrzunehmen, wie sich mein Körper von innen her anfühlt, wenn ich quasi sein Pulsieren und Atmen bin. Ich muss dabei nichts tun, außer in wacher Weise da sein und subjektives Spüren zulassen. In einem weiteren Schritt können wir bewusst und kraftvoll tief ein- und ausatmen; um mit dem Einatmen den inneren Körper-Raum noch etwas (aus-) zu weiten. Mit dem Weiten entsteht Spielraum, der uns ermöglicht, verschiedene Seinszustände abspürend zu vergleichen oder noch besser nebeneinander stehen zu lassen und diesen inneren Raum der Möglichkeiten zu spüren und sich in den Ausatem hinein zu entspannen. Durch das kraftvolle Einatmen spüre ich meine eigene Kraft und nehme bewusst wahr, was mich nährt. Ich kann spüren, wie sich mein Körper von innen her anfühlt und welche inneren Räume sich dabei öffnen, welche Möglichkeits- und Spielräume, welche Weite dabei entstehen kann. Nach jeder Sequenz des übenden Atmens lohnt es sich nachzuspüren, wie sich der Körper nun anfühlt, was sich verändert hat, was sich leichter und entspannter anfühlt, was mich in wache Aufmerksamkeit bringt usw.. Wir lernen begreifen, wie wir mit dem Atem in Fühlbewusstsein und Spürbewusstsein nicht nur zu unserem Körper kommen, sondern auch zu den sich vollziehenden Körperprozessen. Je feiner die Ebenen sind und je tiefer die wache Entspannung sich vollzieht, desto mehr gelingt es uns, in Kontakt mit unserem Wesen zu kommen oder besser gesagt, umso leichter und freier schenkt es sich uns, in dem es sich uns offenbart. Die regelmäßige Praxis des prozessualen und intuitiven Atmens kann unser Körperspürbewusstsein enorm stärken. Dabei ist einiges zu beachten: Dass man den Körper wirklich von innen her spürt, so als würde man in ihm spazieren gehen und dass man lernt gleichzeitig den eigenen Atem zu spüren, den man in seinem jeweiligen ganz eigenen Rhythmus frei fließen lässt, so dass Atem, Aufmerksamkeit und Spürbewusstsein sich verbinden können. Körper und Geist stehen in engster Wechselwirkung miteinander. Dabei können wir unseren Körper als Spiegel und Seismograf für unsere seelischen Prozesse verstehen. Darüber hinaus können wir den Körper im wahrsten Sinne des Wortes als Basis für unseren psycho-spirituellen Weg mit seinen Prozessen der Ent-Identifikation, Auflösung und Zentrierung begreifen. Schließlich können wir uns im Praktizieren der wachen Aufmerksamkeit und der gegenwärtigen Präsenz voll und ganz in ihm niederlassen und über das ganzheitliche Körperspürbewusstsein in Kontakt kommen mit dem umfassenden, reinen Gewahrsein, das alles Existierende durchdringt und doch unabhängig von ihm ist.
Wir leben in einem säkularen Zeitalter. Werte und Leitbilder werden heute im öffentlichen Raum primär rational und ökonomisch begründet. Eine religiöse Grundhaltung oder die aus dem eigenen Inneren aufsteigende Spiritualität können allerdings zwei elementare menschliche Bedürfnisse befriedigen, auf die eine säkulare Gesellschaft keine Antwort weiß: Wie können wir trotz unserer tief verwurzelten egoistischen und gewalttätigen Impulse harmonisch in Gemeinschaften und herzverbunden zusammen leben? Und wie können wir unserer Endlichkeit, dem ungerechten Leiden und dem Schmerz standhalten, ohne zu verzweifeln?
Für eine größer werdende Gruppe von Menschen werden religiöse oder spirituelle Sinndeutungen - oftmals nicht konfessionell gebunden - gerade heute in allen Lebensbereichen immer relevanter. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren angestiegen und wird noch weiter wachsen. In Bezug auf psychologische Beratung und Therapie sind unterschiedliche Auffassungen bedeutsam. Je nach Rollenverständnis arbeitet die gleiche Berufsgruppe– trotz mancher Gemeinsamkeiten – in ganz verschiedenen Kontexten, weil sich ihre Voraussetzungen, Bedingungen und Absichten in vielerlei Hinsicht unterscheiden. Als „Sinnkonstruktivismus“ bezeichnen sie die Strategie von säkularen Menschen, die sich keiner höheren Macht verpflichtet fühlen. Angesichts des Tragischen und Absurden im Leben seien sie vor die Notwendigkeit gestellt, in existenziellen Krisen selber einen persönlichen Sinn zu entwickeln, d. h. zu konstruieren. Als „Sinnobjektivismus“ bezeichnen sie die Strategie von religiösen Menschen, die sich einer „höheren Macht“ verpflichtet fühlen, also „religiös bzw. spirituell“ sind. Diese Menschen verfügen in der Regel über einen persönlichen Interpretationsrahmen bzw. entsprechende spirituelle Tiefenerfahrungen die die existenzielle Krisenbewältigung erleichtern.
Psychotherapeuten/innen, die Menschen in Sinnkrisen helfen möchten, benötigen im Hinblick auf das benannte Thema besondere Qualitäten: „Reflektierte Zurückhaltung“: Der Therapeut muss seine eigenen Werte und weltanschaulichen Perspektiven so gut kennen, dass diese ihm bei der Begegnung mit einem von ihm begleiteten Menschen nicht (mehr oder weniger subtil) in die Quere kommen. Der Therapeut sollte dabei aktiv hilfreich sein, den Klienten bei seiner Suche nach einem sinnstiftenden und lebbaren Weltbild im Allgemeinen und tragfähigen Werten im Besonderen zu unterstützen. Viele Menschen sind auf der Suche nach einem „ultimativen Retter“ – einer Instanz, die „höher“ oder „weiser“ ist als sie selbst, um Geborgenheit und Schutz bei ihm/ihr zu finden. Hier ist es wichtig, offen und fest zur eigenen Begrenztheit zu stehen und keine Illusionen zu wecken. So kann dem ratsuchenden Menschen verdeutlicht werden, was ihn beim Therapeuten erwartet – nämlich ein tabu- und Doktrin- freier „Forschungsraum“ zur inneren Auseinandersetzung mit der Sinnfrage. Ausgehend von dieser Grundhaltung kann die eigentliche Arbeit beginnen: „Welche Weltanschauung hat der begleitete Mensch? Ist er gläubig/religiös/spirituell oder nicht? Schöpft er aus eigener, erlebter Glaubenserfahrung? Gibt es Tätigkeiten, Erlebnisse oder irgendetwas anderes, das von sich aus von ihm als wertvoll oder sinnvoll erlebt wird?“ Um die Bewältigung von Sinnkrisen, besser unterstützen zu können, braucht es eines Dritten, was sich aus der Begegnung heraus eröffnet und leuchtend den Weg zeigt. Die Postmoderne ist geprägt von einer Vielfalt an unterschiedlichen Lebensentwürfen und konkurrierenden Sinndeutungen, die auch für Psychotherapeuten neue Herausforderungen birgt. Wie gehe ich mit fremden Glaubensüberzeugungen um? Woran erkenne ich, ob sie eher heilsam-stabilisierend oder krank-machend-destruktiv sind? Kann ich das überhaupt so einfach erkennen?
Im Fokus meiner Praxis steht die psychotherapeutische Begleitung von Menschen in Krisen, mit Depressionen, mit Angst-und Persönlichkeitsstörungen, mit Stresserkrankungen, bei emotionaler Instabilität, Selbstwertthemen, Sinnfragen und Grenzerfahrungen. In meinem Sinne bedeutet Spiritualität hierbei in der Therapie und Beratung ein übergeordneter, positiver, integrativer und dogmenfreier Prozess aus Denken, Fühlen und Sein mit dem Ziel, dem Sein in uns selbst näherzukommen, das er/sie, neben der persönlichen Ebene, in der Tiefe erfährt. Mein Ziel ist es, den Menschen in seiner Gesamtheit einschließlich seiner spirituellen Dimension zu begreifen und zu begleiten, um ihm/ihr dabei zu helfen, unser wahres Menschsein in allen Dimensionen für unser individuelles Leben zu erschließen. Im Fokus einer alltagsrelevanten, erfahrungsbasierten Spiritualität steht kein Glaubenssystem, sondern vielmehr eine in jedem Mensch angelegte Erfahrungs-und Bewusstseinsmöglichkeit. Dabei muss betont werden, dass das Ziel der Spiritualität innerhalb des therapeutischen oder beratenden Rahmens nicht identisch ist mit der, in der Spiritualität vorrangig angestrebten Auflösung der Ich-Persönlichkeit im Sinne eines sogenannten „Erwachens“, sondern in einer positiven Ich-Stabilisierung und Flexibilisierung der Ich-Persönlichkeit durch die erfahrbare Seinsebene liegt. Diese Seinsebene wird im Menschen als still, friedlich, liebend, mitfühlend, frei, freudvoll, sinnhaft, angstfrei und oftmals als lichtvoll wahrgenommen. Wann immer der Mensch diese Ebene betritt, fühlt er sich angenommen, lebendig und kohärent. Er erhält Inspiration und Energie, sich dem Alltag mit seinen Problemen zu stellen. Diese Ebene stellt die innere Grundlage dar, für seelisch wirksame Tugenden wie Dankbarkeit, Verbundenheit, Weisheit, Mitgefühl, Empathie, Güte, Hingabe, Demut, Selbstwirksamkeit, Großzügigkeit, Wertschätzung, Vergebung und Friedfertigkeit. Spiritualität beschreibt somit eine individuelle Erfahrung, die jedoch zu einer objektiven Verhaltensänderung und sogar zu einer positiv veränderten Biologie des Menschen führen kann. In der Spiritualität macht der Mensch die Erfahrung, dass er weit mehr ist als seine biologische und kognitive Existenz. In dieser Erfahrung kann er sich zutiefst verankern und Mut, Hoffnung und Kraft zur Lösung seiner Probleme, oder besser, seiner Aufgaben finden. In dieser Erfahrung erfährt sich der Mensch über seine individuell konditionierte Persönlichkeit hinaus und kann sich als ein Teil eines umfassenden geistigen Feldes wahrnehmen und im besten Falle Lösungen in erweiterten Bewusstseinsebenen finden. Es ist ebenso die Erfahrung von Klarheit, Weisheit und einer bedingungslosen Liebe, die ihm zuteilwerden kann. Spiritualität in diesem Sinn ist somit unter anderem die Fähigkeit eine größere umfassendere Perspektive als die der geläufigen Persönlichkeit einzunehmen und somit das Wahrnehmungsfeld des Ich-Bewusstseins zu erweitern. Erfahrbar wird Spiritualität als Verbundenheit mit sich selbst, mit der sozialen Umwelt, mit dem Ganzen und darüber hinaus als grenzenlose Liebe. Spiritualität entsteht im Gewahrwerden des Augenblicks und führt zu vermehrter Intuition, gesteigerter Kreativität, erhöhter Achtsamkeit, sowie in eine Offenheit und in ein Vertrauen dem Leben und allem Lebendigen gegenüber.
Meine Arbeit basiert auf der Grundannahme, dass der versperrte Zugang zu diesem ureigenen Sein eine der Hauptursachen für psychisches Leiden und Konflikte darstellt und deshalb handelt es sich um einen Ansatz, der davon ausgeht, dass wer diesen Zugang nicht parallel zum therapeutischen Prozess im Fokus hat, die individuellen Probleme nicht nachhaltig lösen kann. Aufgrund schmerzhafter Erfahrungen in der Vergangenheit, aber auch aus Unkenntnis der tieferen Wirklichkeit, wird das ursprüngliche Sein von begrenzenden Gedanken, Handlungen und Gefühlen überlagert und in seinem freien Ausdruck gehemmt. Der Zugang zum ursprünglichen Sein als Quelle für Entwicklung, Weisheit und letztlich Heilung bleibt weitgehend versperrt, und die Persönlichkeit muss im begrenzten Rahmen nach Lösungen suchen. Der konfliktbehafteten Persönlichkeit mit ihren destruktiven Gedanken-, Handlungs-und Gefühlsfeldern zu helfen, die Persönlichkeit in einem stimmigen Kontext zu stabilisieren, ist eine der Hauptaufgaben der Psychotherapie. Hierbei besteht das Ziel darin, dass der Klient ein Bewusstsein für und einen Zugang zu seinen begrenzenden Impulsen entwickelt und neue Handlungsoptionen erprobt. Eine der stärksten und häufigsten Ängste im Menschen, neben der Angst vor dem Tod, ist die Angst, nicht liebenswert. nicht gut genug zu sein und infolgedessen Verlust, Bestrafung oder Trennung zu erfahren.
In dem Versuch eine Lösung zu finden, wird oftmals die Quelle des Seins übersehen. Blind für sein eigenes inneres Wesen, kreist der Mensch verzweifelt um sich selbst und verliert gerade dadurch sich selbst und die Offenheit für die Seinsebene, die Linderung und Heilung schenken kann. In der Erfahrung der Spiritualität, dass Liebe die wahre Natur des eigenen Seins und der Welt ist, oder wie Teilhard de Chardin, der Jesuit und Wissenschaftler, sagte: „Liebe ist die materielle Struktur des Universums“, kann der Mensch, neben den Interventionen der klassischen Psychotherapie, auf Ressourcen innerhalb seines Seins zurückgreifen. Erst durch die tiefere Erfahrung des Angenommen seins und der Liebe ist der Mensch in der Lage sich der ganzen Wahrheit seines eigenen Lebens zu stellen und dem begrenzenden Schatten innerhalb der eigenen Persönlichkeit zu begegnen. In der Erfahrung von Liebe, kann das eigene Leben wahrhafter gewagt werden, ohne die lähmende Angst vor Trennung, Fehlern oder Schuld. Genau hier setzt auf Klienten-Ebene und in der Beratung mein Verständnis von „Spiritualität in der Therapie“ an.
Durch eine Vielzahl von Interventionen und Übungen wird der Mensch in die verschiedenen Bewusstseinsräume geleitet, in denen er selbst unverstellt die verschiedenen Aspekte des Seins explorieren kann. Dabei steht im Fokus von Einzel-und Gruppenprozessen, das Initiieren und Einüben der Erfahrung von Verbundenheit, Liebe, Mitgefühl, Hingabe, Dankbarkeit, Güte, Demut, Großzügigkeit, Vergebung und Friedfertigkeit. Aus diesem inneren Raum können Probleme oft in einem größeren Bezugsrahmen gelöst und innerer Stress reduziert werden.
Der andere entscheidende Aspekt von „Spiritualität in der Therapie“ bezieht sich auf die Ebene des Therapeuten selbst. Je mehr der Therapeut selbst in der Lage ist, heilende innere Räume zu betreten, diese zu modulieren und bei Bedarf zu verstärken, desto mehr kann er diese Räume im Klienten selbst öffnen helfen, bzw. für diesen in seiner Person eine Einladung „aussprechen“. So wie wir uns neben einer unruhigen Person unruhig fühlen, so können wir uns neben einer friedlichen Person friedvoller fühlen. Dabei kommt es zu einer Überlagerung von heilsamen Bewusstseinsfeldern, die ermöglichen, das Feld des Klienten zu stabilisieren und ihn zu neuen heilenden Erfahrungen zu befähigen.
Des Weiteren hält der in der Liebe verankerte Therapeut den größeren Bezugsrahmen für den Klienten und reduziert ihn nicht auf sein momentanes persönliches Leid. Allein dieser größere Bezugsrahmen, in dem ein Therapeut tätig ist, erzeugt zutiefst heilende Qualitäten und bietet dem Klienten eine energetische Orientierung. Der Therapeut ist also, neben seiner fachlichen Kompetenz und seinen Interventionen, im Idealfall ein Mensch, der sein Gegenüber so lange im übertragenen Sinne authentisch lieben kann, bis der Klient selbst in der Lage ist, sich an seine eigene Liebe zu erinnern und diese in ihm die Führung übernimmt. Oder anderes gesagt: Den Geist zu dem innersten Selbst hinzuführen, wo Wunder möglich werden und die blockierende Angst nicht überleben kann, ist die Aufgabe eines Therapeuten, der neben seinem Fachwissen auch in spirituellen Bewusstseinsfeldern verankert ist.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Herzens-und Bewusstseinsqualitäten eminent unterschätzte Wirkungsfaktoren in Therapie und Beratung sind. Unser Bewusstseinsfeld, das Feld, in dem der Therapeut oder jeder Einzelne agiert, ist maßgeblich für das innere Empfinden und den Heilvorgang mitverantwortlich und somit zutiefst zukunftsgestaltend.
Nur in der Stille, im Zustand des entspannten Seins, können Sie lernen Ihrer inneren Stimme zu folgen. Erst im Einklang mit einer großen Kraft, die uns alle umgibt, entstehen großartige Veränderungen und Impulse, die dann von der inneren Quelle des Menschen kommen können. Persönliches und universelles Herz werden hier eins. Liebe ist auf diesem Weg das vollkommenste Hilfsmittel, sie ist gelebtes Interesse, Sinn, die stärkste Verteidigung und die einzige Sicherheit. Liebe ist letztendlich die einzige Autorität, der es sich lohnt zu folgen. Liebe ist die Basis, auf der wir alle stehen. Zu dieser Liebe sind wir eingeladen uns wieder hin zu entwickeln. Aus meiner persönlichen Sicht und in meiner Welt gilt immer noch „Das Heilende ist die Liebe von Seele zu Seele, von Mensch zu Mensch.“
In diesem Sinne ist es erforderlich, unser Bewusstsein zu schulen und tiefere Ebenen unseres Menschseins zu erschließen. Es bedarf einer Rückkehr des Menschen zu sich selbst, einer Rückkehr zum Sinn, eine Verbundenheit mit dem Leben. Es bedarf einer alltagstauglichen Seelenkompetenz und Anbindung an die in jedem Menschen angelegte Spiritualität. Verbunden mit dem Wunsch, dem Menschen in der Begegnung das Wissen einer nachhaltigen Seelenkompetenz zu eröffnen, und ihn darin zu unterstützen, seine ganz eigene, persönliche, ganzheitliche, umfassende Persönlichkeits-und Bewusstseinsentwicklung als Aufgabe zu bejahen, und aus einer erweiterten Wahrnehmungskompetenz sowie der Entfaltung von tragfähigen Herzens- und Bewusstseinsqualitäten im Sinne einer erfahrbaren Spiritualität zu schöpfen.
Ich unterstütze Menschen auf Ihrem Weg, in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung und eben auch bei der Findung einer alltagstauglichen für sie selbst hilfreichen, selbst entwickelten Spiritualität, sowie bei der Entwicklung von tragenden Herzens-und Bewusstseinsqualitäten. Ich sehe es als meine Aufgabe an, gerade auch non-verbale Energieaspekte und deren Einfluss auf unser Leben zu beleuchten, sowie Menschen bei der Entwicklung von emotionaler und spiritueller Intelligenz zu begleiten. Dabei spielt unter anderem auch die klare und strukturierte Darstellung von neurobiolo-gischen, verhaltenserlernten, energetischen und körperorientierten Zusammen-hängen eine wichtige Rolle für mich. Außerdem sind mir in meiner Arbeit die Verbin-dung von Wissenschaft und Spiritualität, und die Dialektik von Selbstverantwortung und der Erfahrung von Gnade wesentlich. Ich bin der festen Überzeugung: „Wir sind alle dazu bestimmt zu leuchten“, wie es Marianne Williamson einmal sagte. Das Schaubild von Otto Scharmer beschreibt den Prozess in wunderbarer Weise, den wir durchlaufen, um dieses Leuchten aus uns heraus oder gemeinsam in der Gruppe zu erwecken. Der Gang in die Tiefe wird von uns dabei immer auch als Risiko und Abenteuer, ja als Selbstveräußerung erlebt.
Durchbruch zum Wesen, Psychotherapie als prozessualer Initialraum des „zu sich selbst und seinem Wesenskern“ finden
„Der Mensch zeigt in seinem eigenen Wesen einen Drang in Richtung auf das immer vollere Sein, auf die immer vollendetere Verwirklichung seiner Menschlichkeit.“ Abraham Maslow
„Werde, was du bist.“ Wir haben offensichtlich ein unbewusstes Wissen darum, wohin wir uns entwickeln wollen. Vertrauen wir uns diesem Entwicklungsimpuls an, so kann sich unsere Schönheit entfalten, unser inneres Wesen kann durch uns hindurchstrahlen, und beides kann nach außen sichtbar und wirksam werden. Wir können zu wahrem Menschsein reifen.
In jedem von uns gibt es einen solchen Ort des Wissens, einen Urgrund des Seins. Aus dieser Quelle können wir neue Impulse für unser Leben schöpfen. Wenn wir unsere Rollen, unsere mit Energie gefüllten Lebensgestalten zum Zurückweichen einladen, uns von ihnen lösen, können wir in wachem Gewahrsein dort, an diesem „heiligen“ Ort, einkehren. Dort kann es dann zu einem Wende- und Erneuerungs-Punkt kommen.
Wenn wir eine Form, zum Beispiel ein Glas, unter Wasser drücken, drücken wir mit ihr auch die Luft hinunter, die darin gesammelt ist. Wir alle kennen das, sobald wir die Form etwas schräg halten, steigt die Luft, die sich darunter gesammelt hat, auf. Sie bekommt „Auftrieb“ und setzt sich nach oben in Bewegung. Sie will an die Luft, ans „Licht“.
Wenn uns Verzweiflung und Leid an dieses letzte Tor des „Wissens und des Herzen-hörens“ führt, dann sind wir meist schon bereit, anzunehmen was ist, anzunehmen, was kommen mag. Dieser Prozess hat etwas zu tun mit einem kleinen „La petit mort“, mit einem kleinen Tod, der den kurzen Verlust oder die Schwächung des Bewusstseins mit sich bringt, damit unser Wesen durchbrechen kann.
Wir stehen an einem Punkt in unserem Leben, an dem sich unsere ehemals vorausgeträumten Zukunftsgestalten ins Leben gebracht haben und sich in Vollendung verwirklicht haben. Mit Sonnen- und Schattenseiten hat sich unsere Identität ausgelebt und will sich wieder neu finden. Vielleicht will sie sich in einen neuen Lebensabschnitt hinein gebären, vielleicht etwas noch Festgehaltenes aus der Vergangenheit endgültig verabschieden. Vielleicht will etwas, was uns noch hält, ins Licht und sich dort in Licht oder im Licht verwandeln.
Auf diesem Weg, in diesem beschriebenen Prozess, fließt uns neue Energie zu, mit der wir kleine Schritte mit „Noch-Schatten“ in ein Neues Leben wagen können.
Für Karl Fried Graf Dürckheim, den Begründer der „Initiatischen Therapie“, bedeutet das Wort „Initiare“, das Tor zum Innersten und Geheimsten öffnen. Indem sich dieses Tor öffnet, kommen wir zur Botschaft unseres Wesenskerns, der sich in seiner Vielschichtigkeit und Vielseitigkeit ins Leben bringen möchte und so viel größer ist als unser kleines weltliches Ich. Im Wesenskern ist nicht nur unser gelebtes Leben und unser Gewordensein enthalten, sondern auch unser ganzes noch zu erschließendes Potential, unsere Möglichkeit ein „Ganzer Mensch“ zu werden.
Auch C.G. Jung hat mit seinen Überlegungen in Zusammenhang mit Individuation und Selbstwerdung, sein Erfahrungswissen mit sich selbst und mit den Menschen, die er begleitet hat, in Sprache gegossen.
Ihm ist die Wichtigkeit des Transzendenz-Bezuges in unserer menschlichen Entwicklung, mehr als deutlich und eine Herzensangelegenheit geworden.
Was ich hier beschreibe, ist die Weise, in der sich das Absolute, das was außerhalb von Raum und Zeit ist, sich in unserer kleinen Existenz Raum schafft. Eine Existenz, die letztendlich zwischen Leben und Tod vergeht.
Von uns allen wird in unserem gegenwärtigen Sein ein Bewusstseinssprung eingefordert. Nachdem es eine Ära gab, in der wir mit der Natur und in der Natur gelebt haben, in einer mütterlich tragenden Welt also, haben wir eine Ära durchschritten, in der wir uns von dieser Natur abgrenzen wollten, uns über sie erheben, uns aus ihr herausheben wollten. Wir wollten uns ihrer bemächtigen und sie beherrschen auf ganz männliche Art gestaltend und bestimmend eingreifen, andere dominieren uns zum Herrscher machen.
Unsere Aufgabe besteht nun darin unser weltliches Leben rückzubinden und mit unserem überweltlichen, göttlichen Ursprung zu verbinden. Unser Kompass muss mehr als nur unseren Erfolg im Auge haben, er muss den Blick für eine ganzheitliche Schau entwickeln. Wir alle sehnen uns nach einem Leben mit mehr Tiefe und mit mehr Menschlichkeit. Wir alle wären wesentlich froher, wenn wir unser Leben mit mehr Selbstmitgefühl und das anderer Menschen und Lebewesen mit mehr Mitgefühl begleiten könnten.
Hätten wir ein Gespür für die Selbstwürde, die in sich in allem Lebendigen zeigt und könnten wir zum Erhalt dieser Selbstwürde beitragen, dann wäre die Welt weniger dunkel und weniger bedrohlich. Sie würde auf Ausgleich und organisches Wachstum achten.
Es gibt eine Dimension jenseits von Schmerz und Freude, in ihr liegen tiefe Wahrheiten verborgen, aus denen wir schöpfen können, wenn wir unseren Weg aus den Augen verlieren, wenn wir unser inneres Gleichgewicht verlieren, wenn wir mehr Rolle, denn Wesen, ans Licht bringen. Diese Dimension hilft uns zurück in ein Leben zu finden, das getragen ist von Wahrhaftigkeit und Versöhnung,
Meine Arbeit in der prozessual-initialen Therapie lädt Menschen ein, die
nach Besinnung, Vertiefung und Entfaltung,
nach Lebensorientierung und Ortung,
nach dem Sinn ihres Lebens, nach dem Woher und nach dem Wohin
nach den tragenden Wurzeln unseres Seins
suchen. Deren Leben danach brennt auf diesem Wege weiter zu gehen.
Bei mir in der initial-prozessualen Psychotherapie bist genau Du, ja Du, als Mensch gemeint.
Der Raum (im räumlichen, wie auch im geistig-seelischen Sinne), den ich anbiete, öffnet ein Feld, in dem sich der Mensch als "Getroffener" auf seinen Weg machen kann: "Ich bin es, der gemeint ist. Der Aufruf gilt mir.“
Dieses 'Selbst als Wesenskern' steigt aus der Tiefe auf, es liegt im Innersten des Menschen und ist nicht das „Welt-Ich“.
Der einzelne Mensch fühlt sich heute zunehmend in seinem täglichen Umfeld nicht mehr angesprochen und gemeint. Er spielt oftmals keine Rolle mehr und kann seine Wirkmächtigkeit nicht spüren. Oft wird er von außen geführt, Strukturen und Vorgaben zwingen ihn auf eine Bahn, so jedenfalls fühlt er das persönlich.
Deshalb tauchen auch Fragen in ihm auf:
Wer bin ich wirklich im Grunde meines Wesens?
Was ist der Sinn meines Daseins?
Stehe ich am rechten Platz?
Was ist der Sinn dessen, was ich gerade erlebe?
Warum passiert mir das?
Lebensbilder geraten in Bewegung. Grenzen werden spürbar und stellen das bisherige Dasein grundlegend in Frage. Eine Kraft wird geahnt, die nach Ausgestaltung und Verwirklichung verlangt, eine Kraft, die auch ver-rücken und verstören kann. Dieses Geschehen, als "göttliche Störung" verstanden, meint den ganzen Menschen und ruft ihn zu einer neuen Ordnung auf. Es fordert zur Bereitschaft, sich verwandeln zu lassen, auf. Wandlung geschieht, wenn wir es zulassen und den Mut haben, ein Anderer zu werden.
Wenn Sie solche Erfahrungen und Fragen ernst nehmen, können Sie in Ihrem Kern angerührt werden. Dies kann eine Wandlung einleiten.
Diese Wandlung geht nicht ohne inneres gefühl der Not-Wendig-keit vor sich. Verzweiflung, Orientierungslosigkeit, Angst, Trauer, Schmerzen und Sehnsucht wie auch tiefe Lebensfreude und vielleicht ungekanntes Glück und eine neue Liebesqualität begleiten diesen Prozess der Individuation, der Wiederherstellung einer Ganzheit in einem neuen übergeordneten Sinn.
Dabei lässt die Erfahrung ureigenster und zugleich menschheitlich geprägter Seelentiefen den Einzelnen allmählich zu sich selbst hin reifen und einen schöpferischen Umgang mit den Lebenskräften finden.
Initiation und Individuation
Die von mir entwickelte initial-prozessuale Psychotherapie meint immer zugleich Initiation und Individuation, Erfahrung und Wandlung. Sie will Menschen in ihrer Suche unterstützen und begleiten. Sie ist Arbeit am Kern und umfasst die individuelle Begleitung in Lebenskrisen. Sie bietet Hilfe bei einer Gestaltung des Lebensweges, die sich auf die existentielle Dimension des Menschen gründet.
Seelische und psychosomatische Störungen werden in der initial-prozessualen Therapie als Anzeiger für Verhinderungen auf dem Weg der Menschwerdung (Individuation) verstanden. In diesem Sinne steht im Vordergrund der Arbeit die ganzheitliche Heilung des Menschen, die Rückbindung an seinen immanenten Wesenskern, nicht die Beseitigung von Krankheitssymptomen.
Psychotherapie kann auch verstanden werden als Hilfe, die Lebensbalance zu (er-)halten oder neu zu finden zwischen Arbeit, Finanzen, selbstgestaltetem Leben, Familie, Freizeit, Wohnen, Hobbys, Glückserfahrung und Sinn.
Die Herausforderung ist dabei, das Leben als Kontinuum erfahren und halten zu lernen zwischen Anstrengung und Entspannung, zwischen Beständigkeit und Neuwerdung, sowie zwischen Individualität und Verbundenheit. Psychotherapie kann diese Suche und immer wieder Neufindung der Lebensbalance unterstützend begleiten.
Viele Menschen sagen heute: "Ich möchte nicht nur arbeiten. Ich möchte leben." Ist es richtig, wenn Menschen nicht um jeden Preis ihre Fähigkeiten nutzen, um voranzukommen, Karriere zu machen? Manche sagen: „Es soll etwas übrig bleiben an Zeit, und Raum für sie ganz persönlich.“
Menschen wollen und müssen verstehen, was um sie herum geschieht. Sie wollen bewältigen, was ihnen widerfährt und es zum verarbeiteten Erlebnis machen. Erfolge und Niederlagen, Konflikte und Krisen, Selbstzweifel und Höhenflüge wollen ins eigene Leben integriert werden. Das verlangt Raum zum Fühlen, zum Nachspüren und zum Nachdenken. Das braucht Kraft und Energie, Eigen-Rhythmus und Eigen-Zeit.
Doch der Zeit-Geist spricht eine andere Sprache: Er legt nahe, über die eigenen Grenzen hinaus zu leisten. Unterschiedlichste Anforderungsräume und -profile reihen sich nahtlos aneinander und wollen abgearbeitet werden. Arbeitsverdichtung und Zeitmangel bestimmen den Alltag vieler Menschen. Das private leben muss zur Wiederherstellung der Kräfte genutzt werden, darf nicht mehr einfach so dahinfließen, „springen und fliegen“.
Wer seelisch und körperlich gesund bleiben will, der sollte jedoch spüren können: Mein Leben ist sinnvoll. Es stimmt mit mir und dem, was ich vom Leben möchte, überein. - und das was nicht hinhaut oder an meinen Lebenswünschen vorbei geht, kann ich mal leichter und mal schwerer tragen und mit mir und meinem Selbstgefühl in Versöhnung bringen. Das ist aber nicht nur Schwerarbeit, sondern entspringt der gefühlten Leichtigkeit.
Die meisten von uns wünschen sich ein Leben, in dem sie ihrer Arbeit mit überschaubarem Druck und Freude nachgehen können und in dem sie ihre private Zeit mit gehörigem Abstand zur Arbeit genießen können.
Zu so einem Leben gehört es, sich ausführlich zu freuen: zum Beispiel am eigenen Körper und seinen Möglichkeiten, an Essen und Trinken, an der Natur, an Menschen und Begegnungen, an Momenten des Müßiggangs und des künstlerischen Gestaltens, wie auch an vielen anderen kleinen und größeren Dingen.
Leider kann das gesunde Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit nicht jeder im guten Sinne kultivieren, weil es sich nicht jeder leisten kann oder auch weil die mitgegebenen Voraussetzungen dafür (noch) nicht gegeben sind.
Ich sehe es als besonders wichtig an, Menschen in ihrer persönlichen Entfaltung von Lebenssinn zu unterstützen. Denn orientiert sich eine Person ganz bewusst an einem Lebenssinn und damit auch an Lebensfreude, erlebt sie eher Selbstachtung, Ich-Stärke, Kreativität, positive, menschliche Beziehungen, und somit auch eine erhöhte Lebensqualität mit einer besseren Immunität gegenüber psychischen und physischen Störimpulsen. Wer sich engagiert für einen Lebenssinn einsetzt, der über die eigene Person und über persönliches Glücksstreben hinausweist, verwirklicht "Selbst-Transzendenz", eine wichtige Bestimmung des Menschseins.
Einige befreundete Berufskollegen/innen sprachen einmal in einem Kreis auch mir verbundenen Menschen von einem gelingenden Dreiklang zwischen Herz (Begegnung, Wertschätzung, Erfüllung in Beziehung), Körper (Sich bewegen, aber auch genau hin spüren und Körpersignale als Aufruf zur Haltungsänderung ernst nehmen) und Geisteshaltung (Handle ich auch Angst, aus innerer Freiheit, aus Mitgefühl, aus Machtbedürfnis, aus Kontrollbedürfnis oder aus einer größeren Verantwortung für das Ganze heraus?).
Wenn einer dieser drei Bereiche stockt, Unzufriedenheit oder ungute Spannung hervorruft, ist der Dreiklang gestört. Nur wenn sie alle drei klingen und uns in ihrer Gesamtheit erfüllen und uns zu uns selbst führen, kann sich unsere Gesundheit im besten Sinne erhalten und von uns als solche auch erlebt werden.
Wir alle die auf diesen Seiten der Punkt-Genau-Seminare und der Praxis für Psychotherapie ihre Arbeit an und mit dem Menschen vorstellen, wollen die eigenverantwortlichen Kräfte der Menschen in Bezug auf ihre Gesundheit mobilisieren, ihre Selbstheilungskräfte unterstützen und sie darin begleiten, sich individuellen Gesundungswegen zu öffnen und zu stellen. Das schließt gute Wünsche für Ihre Gesundheit selbstverständlich mit ein.
Artikel in der Zeitschrift „Der Mensch – Zeitschrift für Salutogenese und anthropologische Medizin, Ausgabe Nr. 55, Jahrgang 2017, Seite 42-48; Psychotherapeutische Begleitung als individuelle Steuerungs- und Reflexionshilfe, eigene Gesundheit aktiv zu gestalten
Gedanken, die meine Arbeit und mein Selbstverständnis bei der Arbeit erhellen helfen.
Ich begreife mich jeden Tag neu als neugierig Forschender, verbunden mit den Menschen, die mir begegnen, - in Wertschätzung, Achtung, Liebe und Respekt.
Aus meiner Sicht unterstützt Psychotherapie Menschen darin, sich ihrer selbst bewusster zu werden, Selbst-Bewusstheit und Selbstbewusstsein zu entwickeln.
Dabei verstehe ich unter Selbst-Bewusstheit die spezifische Fähigkeit,…
die Diskrepanz zwischen gelebtem Leben und Vorstellungen/Ansprüchen/Wünschen
bewusst nachzudenken und „hinterher zu spüren“.
In wacher Aufmerksamkeit und ganz bewusst die eigenen, inneren Prozesse zuzulassen und wahrnehmen zu lernen, sowie sie zunächst so anzunehmen, wie sie sind und wie sie sich gestalten, ist für viele Menschen bereits eine große Herausforderung.
Meist nehmen wir zu unseren Empfindungen, Befindlichkeiten, Ahnungen oder Gefühlen gleich eine Haltung ein. Wir sind dafür oder dagegen und lassen damit unsere „innere Energie“ nicht mehr fließen.
Wir zwingen unsere Prozesse in die Vorstellungen, die wir bereits haben. Es zuzulassen, dass sie unseren Blickwinkel und unseren Gesichtskreis erweitern, macht uns Angst.
Selbst-Bewusstsein hat für mich etwas damit zu tun, davor keine Angst zu haben, sondern sich und dem Leben zu vertrauen. Darauf zu vertrauen, dass wir mit dem Neuen, das da auftaucht, einen Weg finden werden und somit das „Eindringen vom Noch-Fremden“ neugierig in Vertrautes verwandeln lernen. Wir nehmen die Herausforderung zuversichtlich an.
Veränderung und neue Lebensqualität setzen genau da an, wo wir zum wachen Beobachter unserer selbst werden und nicht gleich in eine Haltung oder in ein gerichtetes Verhältnis gegenüber uns selbst gehen.
Nur so ist ein Überwachsen der eigenen Struktur und der eigenen Muster möglich, durch diese kleinen schöpferischen Momente, die Neues ermöglichen.
Das klingt sehr einfach, ist aber durchaus etwas, wofür es Erfahrungsräume braucht, in denen wir es, manchmal im geschütztem Rahmen, lernen können.
Daneben sind wir eingebettet in Zeitgeistthemen und gesellschaftliche Lebenshaltungen, die uns Richtung vorgeben. Oft haben wir nicht den nötigen Abstand oder zu wenig Vergleichsmöglichkeiten, um zu erkennen, wie gesellschaftliche Kräfte auf uns einwirken und was entwickelte und vorgegebene Strukturen mit uns machen. Dabei ist es unsere Aufgabe, einen für uns gesunden und befriedigenden Umgang zu lernen, die eigenen, individuellen Bedürfnisse und die gesellschaftlichen Angebots- und Anforderungshülsen abzugleichen und unsere ganz eigenen kreativen Lebenslösungen zu finden.
Psychotherapeutische Begleiter/innen erhalten Einblick in viele persönlich erlebte und gestaltete Lebenszusammenhänge. Sie sind durch Ihre Nähe, zu dem, was Menschen bewegt, auch nah am Puls der Zeit und können so die allgemeinen Auswirkungen von gelebter und vermittelter Gesellschaft erkennen. Sie können durch ihr breites Erfahrungswissen hier dem/der Einzelnen, der/die sucht und/oder leidet Erkenntnisräume und Entwicklungswege öffnen helfen.
Abschließende Verdichtung der Überlegungen, Quintessenz:
Wir bewegen uns zwischen einem Außen und einem Innen und die beiden „Bereiche“ stehen in einem dialektischen Verhältnis zueinander, sie berühren sich und bewegen sich gegenseitig.
Als Individuum in der Gemeinschaft seinen Platz zu finden, der Gemeinschaft zuzutragen, ihre Anforderungen annehmen oder verwandeln zu lernen auf dem Hintergrund eigener Werte und Wünsche, um sich ganz persönlich am Ende zufrieden und erfüllt zu fühlen, ist keine Zauberei, aber durchaus mit innerer Arbeit verbunden. In diesen beschriebenen Prozessen kann Psychotherapie unterstützend mitwirken.
„Wie finde ich hier und jetzt eine für mich überzeugende und befriedigende Lebensgestalt, deren Verwirklichung mich stärkt und mich meiner selbst im guten Sinne bewusst und hinreichend erfüllt sein lässt“, ist hier die untergründig mitschwingende Fragestellung.
Gedanken, die meine Arbeit und mein Selbstverständnis bei der Arbeit in meiner Praxis für Psychotherapie in Hamburg erhellen helfen:
Ich begreife mich jeden Tag neu als neugierig Forschender, verbunden mit den Menschen, die mir begegnen, - in Wertschätzung, Achtung, Liebe und Respekt.
Selbstaktualisierungstendenz des Menschen als Anknüpfungspunkt in der psychotherapeutischen Begleitung
Jeder Mensch ist mit einer Art innerem, nicht fassbarem „Organ“,- einer Art innerer Kompass - ausgestattet, das auf der Grundlage weitergegebener Aufgaben aus den Vorgenerationen, gesammelter Erfahrung und eigenen Gewordenseins intuitiv immer wieder neu, mehr vorausahnend denn wissend, Schritte in eine noch nicht gelebte Zukunft hinein vorbereitet und uns auffordert, diese Schritte dann auch zu tun.
Wir können gewonnenes Leben nicht in seiner Form festhalten und wir können vorausgedachtes Leben nicht vorherbestimmen. Leben gestaltet sich nach Gesetzmäßigkeiten, die sich unserem linearen Denken entziehen. Leben führt uns in Situationen, die wir als Zumutung erleben und die uns auch das Gefühl von Überforderung erfahren lassen. Leben überrascht uns mit unvorhergesehenen Geschenken, lässt uns Augenblicke des Glücks zufließen und uns nach langem Bemühen plötzlich unerwartet eine Tür aufgehen, von der wir nicht geglaubt haben, dass sie noch aufgeht in diesem Leben.
Wir Menschen sind zuallererst geistige Wesen, die als solche auch ein eigenes Ziel verfolgen, das uns nicht immer schon bei Beginn der Reise bekannt und klar ist:
Immer mehr der Mensch zu werden, als der wir von „Gott“ gedacht sind, das ist unsere Aufgabe.
Dazu gehört es auch, mitunter in Krisen zu geraten, eigene Unzulänglichkeit und Ausweglosigkeit zu erfahren, sich wirkmächtig von Strukturen, Denk- und Verhaltensmuster der Eltern oder anderer Vorfahren gefangen genommen zu fühlen und durch aktuelle Situationen akut sein Leben bedroht zu fühlen.
Da uns dabei unsere Vorstellungen, unsere alltäglichen Ziele, unser Stolz, unsere Ängste, unsere Denk- und Handlungsmuster und vieles andere mehr immer wieder mal im Weg stehen, brauchen wir hin und wieder Hilfe von Dritten, die uns helfen, in die Richtung ins Fließen zu kommen, in die es gefühlt gehen soll. Wir können uns gegenseitig auf diesem Weg unterstützen, uns spiegeln, uns Richtungen weisen, Einladungen aussprechen, uns voneinander abgrenzen und dadurch Richtung finden oder uns Vorbild sein und uns den Anderen vor die Seele stellen. Wir können auf diese Weise Rückenwind füreinander sein und uns ermuntern, dass wir nicht damit aufhören, die Gestalt werden zu wollen, als die wir gedacht sind.
Verstehen wir Psychotherapie als Begleitung auf diesem Weg, sind die Menschen, die eine solche Begleitung in Anspruch nehmen, keine kranken Menschen, sondern Menschen, die in voller Eigenverantwortung Unterstützung annehmen, um ihre Lebenskraft wieder in einen guten Fluss zu bringen, der in eine ihnen gemäße Richtung führt. In diesem Sinne freue ich mich auf Sie!